Leben Oliver Polak als Jud „süss-sauer“

Ob Witze über den Holocaust oder über Michel Friedman - der jüdische Comedian Oliver Polak trampelt in jedes Fettnäpchen, das Nichtjuden vorsichtig umschiffen würden.

Wie lange ist diese blöde Geschichte mittlerweile her? 70 Jahre oder so: Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Ich vergesse den Holocaust und Sie verzeihen uns Michel Friedman“. Jüdischer Humor und Judenwitze – dazwischen sollte es eigentlich Unterschiede geben: Der Comedian Oliver Polak jedoch sieht das ganz anders: „Ich darf das – ich bin Jude“ heißt eines seiner Programme, ein anderes hat den wenig respektvollen Titel „Jud süss-sauer“. Nach einem Abstecher nach Österreich ist er mit seinen Läster-Gags wieder in Deutschland unterwegs.

Zielsicher trampelt der wuschelköpfige Mann aus Papenburg im Emsland in jedes Fettnäpchen, das Nichtjuden vorsichtig umschiffen würden. Seine Auftritte beginnt er gerne mit einem Lob an die Veranstalter: „Heute wurde ich sogar am Bahnhof abgeholt und hier hergefahren. Früher war das umgekehrt“. Es dauert ein bisschen bis die ersten Zuschauer nur mühsam unterdrückte Lachgeräusche von sich geben.

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Aber das Thema Bahn ist damit noch nicht abgehakt. „Dass ich mit der Bahn gekommen bin ist alte Familientradition“, legt er noch einen drauf, „die haben uns damals überall hin gebracht von K bis Z. Aber jetzt streiken sie ja meistens. Liebe Lokführer hättet ihr mal vor 70 Jahren gestreikt, dann hättet ihr uns eine Menge Ärger erspart“.

Polaks These, die hinter all seinen Scherzen steht, ist nicht immer direkt nachvollziehbar. Er will die Juden auch im Comedy-Bereich aus dem Ghetto befreien. Das bringt ihm natürlich nicht nur Fans. Auf seinen Veranstaltungen gibt es immer wieder Besucher, denen diese Art von Humor zu weit geht. Bei einem Auftritt in Bonn schrie ein erboster Zuschauer aus der ersten Reihe: „Leute wie sie fördern doch nur den Antisemitismus“.

Wenn er mal schlecht gelaunt sei, erzählt Polak, schmökere er einfach in den Pressemitteilungen des Zentralrats der Juden: „Man muss nicht immer mit der großen moralischen Walze losfahren“, glaubt er. Und mit der großen Traditionen jüdischen Humors habe er sich sowieso noch nie beschäftigt. Warum auch? „Ich habe meinen speziellen Humor, der ist weder jüdisch noch nichtjüdisch“, sagt er. Naja – seine Holocaust- und Beschneidungswitze kann er damit nicht gemeint haben: Aber Beschneidungsgags müssen wohl unter die Gürtellinie gehen! Warum jüdische Männer beschnitten werden ist eine seiner Standardfragen an das Publikum.

Die Antwort „jüdische Frauen nehmen grundsätzlich nichts in die Hand was nicht mindestens um 20 Prozent reduziert wurde“, hat ihm auch schon Pfiffe eingebracht.

Manchmal will sich Polak aber lediglich als linientreuer Comedian ausweisen. Dann benutzt er seine jüdische Abstammung nur zum Abfeuern weltbekannte Kalauer. Aber auch das sei ihm vergönnt: Welcher Comedian möchte schon als politisch korrekt gegeiselt werden. Was das für ein Kalauer ist wollen Sie nun wissen. Nö – den verrate ich Ihnen nicht. Gehen Sie doch einfach zu einem seiner Auftritte. Amüsieren werden Sie sich dort auf jeden Fall.

www.oliverpolak.com

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