Leben Porsche 911 Carrera 4S Cabrio: Teure Allzweckwaffe für alle vier Jahreszeiten

Cabrio-Spaß nur im Sommer? Der Praxistest mit dem neuen Porsche 911 Carrera 4S Cabrio zeigt: Die Allzweckwaffe aus Zuffenhausen ist etwas für das ganze Jahr – auch wenn bereits der Basispreis ziemlich happig ist.

Der nächste Winter kommt bestimmt und bereits im Herbst verdrücken sich viele Cabrios in die wärmende Umgebung von Tief- oder Einzelgarage. Nicht so das Porsche 911 Carrera 4S Cabrio. Der offene Stuttgarter ist eine Vierjahreszeiten-Allzweckwaffe, die man nicht mit einem Saisonkennzeichen bestücken muss.

Eigentlich hat der offene wie geschlossene Sportwagen mit Allradantrieb und Doppelkupplungs-Getriebe nur ein Problem: Wer ihn ebenso stimmungsvoll wie praktikabel ausstattet, blickt am Ende auf einen Preis, der einem schlicht die Sprache verschlägt: 162.000 Euro.

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Musikanlage und Klappenauspuff im Soundwettstreit

Klar: Für dieses Geld erwärmt das Lenkrad im Winter die kalt gefrorenen Hände und lässt sich das Windschott vollelektrisch während der Fahrt aufstellen. Natürlich ringt die Burmester-Musikanlage in allen Tonlagen mit dem bollernden Klang des Klappenauspuffs und selbstverständlich zeigt einem ein Navigationssystem den Weg durch alle Jahreszeiten.

Doch für 162.000 Euro gibt es in vielen Städten Deutschlands eine respektable Zweizimmerwohnung oder ein Baugrundstück, auf dem man mehr bauen kann, als eine Vierfach-Garage für den hauseigenen Wagenpark.

Bei rund 128.000 Euro Basispreis geht’s los

Es geht selbstverständlich auch zurückhaltender, wenn man auf die ein oder andere Dreingabe verzichtet. Doch bereits der Basispreis liegt bei 128.556,50 Euro. Dafür gibt es zwar eine weniger imposante Ausstattung, jedoch jenen Vortrieb, der einen im Sommer wie Winter, im Herbst wie Frühling mit der Zunge schnalzen lässt.

Der 3,8 Liter große Sechszylinderboxer arbeitet mit bekannten Qualitäten: 294 kW / 400 PS und 440 Nm maximales Drehmoment bei 5.600 Touren. 0 auf Tempo 100 in 4,5 Sekunden sind dabei weit weniger spektakulär als der Zwischenspurt 80 auf 120 km/h in 2,7 Sekunden.

Natürlich hat der 2+0-Sitzer mehr auf dem Kasten. 294 km/h Spitze sind in der Realität zumeist 300 km/h. Dabei ist der Realverbrauch eines Porsche 911 mittlerweile genauso beeindruckend. Die in Aussicht gestellten 9,2 Liter SuperPlus sind gewohnt ambitioniert; aber mit knapp elf Litern lässt sich der Hochleistungssportler trotz variablem Allradantrieb und bis über 50 km/h elektrisch bedienbaren Stoffdach locker kutschieren.

Analog- und Digitalanzeigen: Nicht schön, aber praktisch

Die Instrumente, traditionell in fünf Höhlen untergebracht, tun sich schwer mit der Mischung, Analog- und Digitalanzeigen gekonnt unter einen Hut zu bringen. Gut ablesbar und praktisch sind sie; wirklich schön ist das Ganze Sammelsurium von Informationen nicht gelöst. Hier kommen die Zuffenhausener beizeiten um eine komplette Digitaldarstellung nicht herum. Insbesondere nicht, wenn man etablierte Dreingaben wie Routenführung und Kraftverteilung der beiden Achsen ebenso symbolträchtig darstellen will.

Lenkung, Bremsen und Fahrwerk – hier ist der Porsche 911 von keinem zu schlagen. Manuell geschaltet oder automatisch bevormundet, im Normalmodus oder im allzu harten Sport-Plus-Trimm – der Camaro ist fast eine Lachnummer und selbst für die exzellente Corvette hat man am Steuer eines Porsche 911 Carrera 4S Cabrio nur eines übrig: Mitleid.

Auch im Herbst und Winter durchzieht der Stuttgarter scharfe Kehren wie langgezogene Kurven mit einer dynamischen Lässigkeit, die die Konkurrenz schmerzt. Mit der Einführung des siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebes wurden selbst Innenstadtpassagen zum Vergnügen, wenngleich das Anfahren und Ausrollen vor einer Ampel nach wie vor nicht die Paradedisziplin des automatisierten Elfers ist.

Unverändert hat es der Schwabe, ganz auf die Fahrdynamik gepolt, nicht mit Assistenzsystemen. ESP und der optionale Abstandstempomat allein sind im 21. Jahrhundert an sich eine Frechheit. Doch die Schar der Porsche-Fans lacht nach wie vor über Spurhalte- und Spurwechselassistenten. Einzig den Einschlafwarner spart sich Porsche zu Recht. Wer am Steuer des Porsche 911 Carrera 4S Cabrio einschläft, dem ist nicht mehr zu helfen – im Sommer wie im Winter.

Hinweis: Die Autos werden dem Redaktionsbüro press-inform häufig kostenfrei vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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