Leben Ruhiges Design ohne Schnörkel

Mit fast 60 Jahren stürzte sich Mini-Designer Gert-Volker Hildebrand in ein neues Abenteuer: Für Chinas Newcomer Qoros zeichnete er das Auto, das den Sprung nach Europa packen soll. Mit ruhigem Design will er Vertrauen in die Marke schaffen.

Die Marke Qoros, hinter der neben dem großen chinesischen Hersteller Cherry der Investor Israel Cooperation steht, will in diesem Jahr den heimischen Markt aufmischen und daneben endlich auch Europäer für Autos aus dem Reich der Mitte begeistern. Bislang endeten die Anläufe aus China im Fiasko: Mit Pauken und Trompeten fielen die Autos durch die Sicherheitstests. Um von diesem Schrott-Image loszukommen, holte sich der Autobauer den der früheren Mini-Designer Gert-Volker Hildebrand an Bord. Der will mit einem ruhigen Design ohne Schnörkel um Vertrauen werben.

Den Vorwurf, dadurch ein eher langweiliges Auto entworfen zu haben, sieht er gelassen: „Damit muss man leben.“ Ohnehin sei der Wagen für eine Zielgruppe konzipiert, die sich nicht über ausgefallene Formen und Farben definieren und mit dem Auto angeben müsse.

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Mit dem neuen Qoros-Modell will Hildebrand vor allem ehemalige Saab- oder Volvo-Fahrer ansprechen. Er verspricht eine ruhige Straßenlage wie etwa beim Golf. Angesichts des niedrigen Preises, mit dem Qoros sein erstes Mittelklasse-Modell in den Markt drücken will, sieht Autofachman Stefan Bratzel von der FH Bergisch-Gladbach die Chinesen aber eher als Konkurrent für die Renault-Billigmarke Dacia, die allerdings deutlich weniger Wert auf das Design ihrer Autos legt.

Ob Chefdesigner oder einfacher Bereichsleiter, alle Schlüsselpositionen bei Qoros sind mit europäischen Führungskräften besetzt. Die meisten wechselten wie der 59-jährige Hildebrand von europäischen Konkurrenten zu den Chinesen. Der deutsche Chefdesigner glaubt, dass das international zusammengewürfelte Management des Newcomers dank der großen Routine seiner Kollegen dennoch funktioniert. „Wir sind alle in einem Alter, wo man sich selbst nicht mehr beweisen und in den Vordergrund spielen muss“, sagt Hildebrand. So laufe die Abstimmung der weltweit verteilten Abteilungen mit minimalem Aufwand und möglichst wenig Reibungsverlust – auch wenn sich die Entscheider fast nur in wöchentlichen Online-Konferenzen zu sehen bekämen.

Aber neben dem „Kulturschock“ China hätten selbst die vielen Europäer im Team ganz unterschiedliche Denkweisen. „Ein Volvo-Mann versteht etwas anderes unter Prozessen und Abläufen als ein VW-Mann“, sagt Hildebrand. Der Erfolg des „Startups“ stehe und falle deswegen mit gegenseitigem Vertrauen. Die einzelnen Abteilungen und deren Chefs würden sich nicht in die jeweiligen Zuständigkeiten reinreden.

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