Leben Schwere Kost bei den Oscars

Krieg, Folter, Terrorismus, Sklaverei, Schiffbruch und Sterbehilfe: Bei den Oscars geht es in diesem Jahr politisch und düster zu. Mit Filmen wie "Lincoln", "Argo" und "Liebe" meint es Hollywood ernst. Die begehrten Trophäen werden an diesem Sonntag in Beverly Hills verliehen.

Locker und beschwingt, mit französischnostalgischem
Flair, ging es vor einem Jahr bei den Oscars zu. Der
romantische Stummfilm „The Artist“ räumte die Spitzenpreise als
bester Film und für Regie ab, der Franzose Jean Dujardin wurde als
Hauptdarsteller gefeiert. Bei der diesjährigen Gala-Show (24.
Februar) serviert die Oscar-Akademie dagegen schwere Kost. Selten
ging es in den Favoriten-Filmen so ernst, politisch und auch
gewalttätig zu. Geschichten von Bürgerkrieg und Sklavenhandel, vom
Terrorismus und vom Alter stehen im Mittelpunkt.

Die Stimmzettel der knapp 5900 Oscar-Juroren sind mittlerweile in
Beverly Hills eingetroffen. Erstmals konnten die Mitglieder ihre
Favoriten in 24 Kategorien auch online wählen. Bis zur Oscar-Vergabe
werden Mitarbeiter der Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers die
Stimmen auszählen und dann das streng gehütete Ergebnis in
verschlossenen Umschlägen direkt zur Preis-Gala bringen.

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Steven Spielbergs Historiendrama „Lincoln“ – über den Kampf des
US-Präsidenten Abraham Lincoln gegen Sklaverei und Bürgerkrieg –
trumpft mit zwölf Nominierungen auf. Elf Gewinnchancen hat Ang Lees
„Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“, ein bildgewaltiges 3D-Märchen um
einen harten Überlebenskampf. Unter Depressionen leiden die Stars der
Tragikomödie „Silver Linings“ – dafür gab es acht Nominierungen.
Ebenso viele hat das Filmmusical „Les Misérables“, nach dem
Erfolgsroman „Die Elenden“ von Victor Hugo, über Rache, Verrat und
das Elend im nachrevolutionären Frankreich des 19. Jahrhunderts.

Der Politthriller „Argo“ von und mit Ben Affleck über eine
CIA-Befreiungsaktion von US-Geiseln im Iran hat sieben Gewinnchancen.
Um Terror, Geheimdienste und Folter geht es in Kathryn Bigelows „Zero
Dark Thirty“. Der Film über die Jagd auf Osama bin Laden mit Jessica
Chastain als CIA-Agentin könnte fünf Goldjungen einheimsen, ebenso
viele wie „Django Unchained“, Quentin Tarantinos brutaler Western
über den Sklavenhandel im tiefen Süden der USA.

Auslandsoscar

Dass auch Michael Hanekes „Liebe“ fünf Mal Gold gewinnen könnte,
ist die große Überraschung bei den Oscars. Die österreichisch-französisch-
deutsche Koproduktion gilt als sicherer Empfänger des
Auslands-Oscars. Doch die vier weiteren Nominierungen für das
ergreifende Altersdrama als „bester Film“, für Hanekes Regie und
Drehbuch und die Französin Emmanuelle Riva als beste Schauspielerin
schlugen in Hollywood ein.

Mit 85 Jahren ist Riva die älteste Hauptdarsteller-Kandidatin in
der Oscar-Geschichte. Grund zum Feiern hat sie am Tag der
Preisverleihung allemal, es ist ihr 86. Geburtstag. Auch der Berliner
Stefan Arndt, einer der vier „Liebe“- Produzenten, schreibt Oscar-
Geschichte. Er ist der erste deutsche Filmproduzent mit einer
Nominierung in der Königskategorie „Bester Film“.

Gegen Riva tritt die neun Jahre alte Quvenzhane Wallis („Beasts of
the Southern Wild“) an. Die kleine Amerikanerin wäre die jüngste
Oscar-Gewinnerin aller Zeiten. Diesen Titel hat immer noch Tatum
O’Neal, die 1974 als Zehnjährige mit „Paper Moon“ den Oscar als beste
Nebendarstellerin geholt hatte. Filmexperten tippen jedoch auf
Jessica Chastain als Favoritin in der Sparte „Beste
Hauptdarstellerin“. In „Zero Dark Thirty“ glänzt sie als taffe
CIA-Agentin.

Dankesreden sollten auch Daniel Day-Lewis, Christoph Waltz und
Anne Hathaway parat haben. Als „Lincoln“ gilt Day-Lewis als sicherer
Anwärter für den Hauptdarsteller-Oscar. Die Nebenrollen-Preise
sollten den Prognosen zufolge an die singende Hathaway („Les
Misérables“) und an Waltz („Django Unchained“) gehen. Ein mögliches
Déjà Vu für Waltz: Der gebürtige Wiener hatte 2010 seinen ersten
Oscar als bester Nebendarsteller mit dem Tarantino-Film „Inglourious
Basterds“ gewonnen.

Spannendes Ringen um den „Besten Film“

Besonders spannend ist in diesem Jahr das Ringen um den „Besten
Film“. Anfangs sprach vieles für Hollywood-Veteran Steven Spielberg
mit „Lincoln“, jetzt reden alle nur noch von Ben Afflecks „Argo“. Im
Januar gewann er bereits den Golden Globe für Regie und bestes Drama.
Auch bei den britischen Baftas räumte Affleck beide Preise ab. Zudem
kürte der renommierte Verband der US-Regisseure den 40-Jährigen zum
Gewinner.

„Argo“ hat sieben Gewinnchancen, als Regisseur wurde Affleck von
der Filmakademie allerdings übergangen. Den Oscar als bester
Regisseur können Michael Haneke („Liebe“), Ang Lee („Life of Pi“),
Steven Spielberg („Lincoln“), David O. Russell („Silver Linings“)
oder Benh Zeitlin („Beasts of the Southern Wild“) holen.

Vorab steht schon fest, dass Richard Gere, Meryl Streep, Jean
Dujardin, Channing Tatum und Charlize Theron bei der Oscar-Gala auf
der Bühne stehen. Nicht als Preisempfänger, sondern als Helfer beim
Trophäenverteilen. Auch die Stars des Action-Spektakels „Marvel’s The
Avengers“ und „Bond“-Darsteller Daniel Craig sind eingeladen. Zum
50-jährigen Bestehen der Agentenserie sei etwas ganz Besonderes
geplant, verrieten die Showproduzenten. Der jüngste 007-Streifen
„Skyfall“ ist ein Riesenhit an den Kinokassen. Eine clevere
Strategie, um mehr Zuschauer in der langen Oscar-Nacht an den
Bildschirm zu locken.

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