Leben Spielplatzbauer entdecken Erwachsene

Spielplätze für Jung und Alt.

Spielplätze für Jung und Alt. © Richter Spielgeräte

Wippe, Schaukel und Sandkasten waren gestern. Neue Spielplätze sollen Spielräume für Junge und Alte sein. Die Hersteller lassen sich dazu immer ausgefallenere Konstruktionen einfallen.

Früher war die Formel einfach. Man nehme Schaukel, Rutsche, Sandkasten und vielleicht noch eine Wippe. Heute sind Spielplätze längst nicht mehr so simpel gestrickt: Riesen-Vogelnester, Seilgärten oder Häuser aus umgedrehten Bäumen – all das ist dort keine Seltenheit mehr. Spielgerätebauer wollen damit aber nicht nur Kinder ansprechen – sondern auch die Erwachsenen.

„Wir wollen Plätze so gestalten, dass sie für alle sind“, sagt Bernhard Hanel, Geschäftsführer vom Stuttgarter Spielgerätebauer Kukuk. „Generationenübergreifend ist das große Schlagwort.“ Schließlich wollten Eltern nicht nur am Rand stehen und warten, bis ihr Kind fertig sei.

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Auch Papa klettert gerne
Den Trend bestätigt auch der Bundesverband für Spielplatz- und Freizeitanlagenhersteller (BSFH). „Man versucht, die Erwachsenen zu integrieren“, sagt der Vorsitzende Tilo Eichinger. Momentan lägen etwa Niedrigseilgärten im Trend. „Ein junger Vater kann einen Niedrigseilgarten auf jeden Fall ausprobieren“, sagt Eichinger. Bei einer Rutsche hätte man da vielleicht eher Hemmungen.“

Die Branche der Spielgerätebauer ist nach Angaben des BSFH relativ klein. Den jährlichen Umsatz der zumeist kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland schätzt der Verband auf insgesamt 150 Millionen Euro. In den vergangenen beiden Jahren seien die Erlöse aber jeweils um etwa 5 Prozent geschrumpft, sagt Eichinger. Rund ein Viertel des Geschäfts werde im Ausland gemacht, schätzt der Verband – allerdings gingen die Investitionen der Kommunen wegen der Finanzkrise in Europa zurück. Eine relativ starke Nachfrage gebe es derzeit aber nach größeren Anlagen, sagt Eichinger. „Große Spielplätze mit großen Produkten und Turm-Kombinationen.“

Das hat allerdings seinen Preis: Die Kosten für einen durchschnittlichen städtischen Spielplatz beziffern die Experten von Kukuk auf 20 000 bis 200 000 Euro. Wohlhabende Kommunen gäben aber durchaus auch eine Million aus. Kukuk entwickelt die Spielräume dann zusammen mit den Auftraggebern und baut sie vor Ort auf.

„Generationenübergreifend“ ist das Schlagwort der Branche
Das Interesse an regelrechten Spiellandschaften spürt auch er. „Wir kriegen viele Aufträge, die mit dem klassischen Spielplatz nichts mehr zu tun haben“, sagt Geschäftsführer Hanel. Unter seinen Bauten seien häufig überdimensionale Vogelnester. Aber auch Baumhäuser aus verkehrt herum aufgestellten Bäumen, die auf ihren Ästen stehen, habe er schon hergestellt. 2012 wurde der Hersteller mit dem baden-württembergischen Landespreis für junge Unternehmen ausgezeichnet. Hanel: „Heute gibt es ein zunehmendes Bewusstsein, dass man keinen Spielplatz mehr will, sondern einen Spielraum. Das eine geht in das andere über.“

Was für die Geräte gilt, gilt auch für die Nutzer: „Überall wo man hinschaut, spricht man von generationenübergreifend“, sagt auch der Geschäftsführer von Richter Spielgeräte, Julian Richter. „Die Nachfrage ist groß.“ Um Alt und Jung gleichermaßen anzusprechen, setzt der Hersteller unter anderem auf Geräte rund um das Thema Sinneswahrnehmung. Das Sonnenlicht durch Wasserspiele spalten, Steine zum Schwingen bringen oder Geduldsspiele mit Murmeln – all das sei nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene interessant, sagt Richter. „Heutzutage legt man Wert darauf, dass man eine gute Atmosphäre schafft.“ Noch tollen Erwachsene und ihr Nachwuchs aber nicht überall gemeinsam umher. „Man schaut, dass man bei einem guten Spielplatzkonzept die Bedürfnisse aller integriert“, sagt Eichinger vom BSFH. „Das ist aber noch nicht bei allen angekommen.“

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