Leben Tradition in letzter Generation: Kathmandus bedrohte Schmuckhändler

Ein Souvenirstand in der nepalesichen Hauptstadt Kathmandu

Ein Souvenirstand in der nepalesichen Hauptstadt Kathmandu© ranitepeaker - Fotolia.com

Schon sein Vater, Großvater und Urgroßvater waren Schmuckhändler. Khawja Asad Shahs Söhne aber wollen es nie sein. So ergeht es vielen muslimischen Familienbetrieben, die in Nepal Ketten und Klunker verkaufen. Gefahr für das Traditionsgeschäft kommt aber auch aus China.

In Khawja Asad Shahs kleinem Laden funkeln 500 Jahre Familiengeschichte. Mitten in Kathmandu verkauft der Muslim Ketten, Glasornamente und anderen Schmuck. „Wir sind seit Generationen hier“, sagt Shah. Seine Vorfahren kamen mit vielen anderen Familien um das Jahr 1500 aus der Kaschmir-Region, dem heutigen Grenzgebiet zwischen Indien, Pakistan und China, in die nepalesische Hauptstadt.

Viele von ihnen waren schon damals Schmuckhändler. Eine Tradition, die bei den Shahs aber nach einem halben Jahrtausend enden wird. Die Söhne haben kein Interesse daran, das Werk des Vaters weiterzuführen.

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Asif, der Ältere, ist in Nepals Medien als Rapper und Filmproduzent bekannt. Asim, der Jüngere, ist lieber Lehrer geworden. „Früher wurden junge Menschen nicht ausgebildet und führten deshalb die Geschäfte des Vaters weiter“, sagt er. Dies habe sich geändert – und damit auch die Berufswahl.

Shahs Familie belieferte sogar den König

Die muslimischen Schmuckhändler sind im hinduistischen Kathmandu zum festen Bestandteil der Gesellschaft geworden. Die Zeit um den islamischen Fastenmonat Ramadan und dem heiligen Hindu-Monat Sravana ist für sie die geschäftigste Zeit des Jahres. Viele Frauen kaufen sich neue Accessoires in den Dutzenden Läden der Hauptstadt, die bislang noch fest in der Hand der Einwanderer waren.

Seine Familie sei damals von den nepalesischen Königen eingelanden worden, hier Geschäfte zu machen, erzählt Shah. Sogar den Palast selbst hätten sie beliefert. Früher. Als junger Mann sei er viel im Ausland unterwegs gewesen, um Geschäfte anzuleiern und abzuschließen, sagt er, während er eine kaputte Uhr von der Wand nimmt, um sie zu reparieren. „Als ich älter wurde, habe ich das Familiengeschäft übernommen. Das ist das, was wir seit Generationen gemacht haben.“ Die neue Generation aber schlägt andere Wege ein.

Sie wollten das Geschäft wohl nicht selbst weiterführen, sagt Sohn Asif. „Aber vielleicht stellen wir jemanden an, der das für uns tut.“ Der Filmemacher lächelt und wirft seinem Vater einen Seitenblick zu. Der entgegnet wie auf Bestellung: „Ich mag die Medienbranche nicht.“ Und wendet sich wieder seiner Uhr zu.

Konkurrenz aus China bedroht das traditionelle Geschäft

Es ist aber nicht nur die ambitionierte Jugend, die in vielen Familien das traditionelle Geschäft bedroht. Die Konkurrenz kommt auch aus China: Billiger Schmuck aus Fernost durchbricht das Monopol, dass die Muslime bei Einfuhr und Verkauf so lange hielten. Ihre Zeit läuft langsam ab.

Das drängendste Problem für Khawja Asad Shah bleiben aber die jungen Männer, die neben ihm im Laden sitzen, dort aber nicht ihr Leben verbringen wollen. „Ich mag das natürlich nicht, aber ich kann sie auch nicht aufhalten“, sagt er, hängt die reparierte Uhr wieder an die Wand und setzt das Pendel in Bewegung.

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