Leben Völlig vermessen

Kolumnist Georg Dahm hat Spaß an Technik. Jeden Monat stellt er neue Geräte vor, die das Leben leichter machen – und vom Arbeitsalltag ablenken. Diese Mal: Gadgets, die Fitness und Internet verbinden.

Also, Mr. President. Wenn ich das richtig verstehe, durchstöbert ihr Geheimdienst NSA gern die Datenbanken großer Internetdienste nach verdächtigen umtrieben von Ausländern wie mir. Dann wissen Sie auch, wie sich mein Körperfettanteil entwickelt (so lala) und kennen den CO2-Gehalt der Luft in meinem Schlafzimmer (erfreulich niedrig). Sie kennen meine Fahrradrouten, meinen Schlafrhythmus und können sich anhand meiner Schrittzahl vorstellen, dass ich ein zwanghafter Treppensteiger bin.

Sie wissen das, weil ich Gadgets mag, die mich an mein Ideal eines gesunden Lebens gemahnen. Indem sie mein Verhalten messen, die Zahlen in irgendwelche Wolken jagen und mir als Schaubilder zurückliefern. Sie wissen, dass neben meinem Bett eine neue Funkwaage namens Withings Smart Body Analyzer steht. In zehn Sekunden misst sie Puls und Körperbau und lädt die Daten hoch, mitsamt dem Prokoll der Luftqualität, die sie ständig erfasst. Und könnten Sie Deutsch, würden Sie über die unbeholfenen Motivationstexte in der sonst gelungenen Begleit-App kichern.

Anzeige

Sie wissen auch, dass ich zwei neue Schrittzähler am Handgelenk trage: den Fitbit Flex mit dem Erscheinungsbild eines Power-Armbands aus dem Esoterik-Shop. und den Jawbone up, ein geriffelter Gummikringel mit halbwegs dekorativen Metallelementen.

unternehmerspielzeug_jawbone unternehmerspielzeug_whitethings unternehmerspielzeug_fitbit
Kontaktfreudig Der Schrittzähler Up wird zum Datenabgleich ans Telefon gesteckt, 129,90 Euro. www.jawbone.com/up Heimschläfer Die Funkwaage Smart Body Analyzer merkt auch, wenn im Schlafzimmer nicht gelüftet wird, ab 149,95 Euro. www.withings.com/ Prügelknabe Mit Leuchtpunkten zeigt der Fitbit Flex die Tagesleistung an, gesteuert wird er durch rhythmisches Fingerklopfen. Preis: 99,95 Euro. www.fitbit.com/de

Ihre NSA-Experten streiten vielleicht darüber, welcher der beiden besser meine Schrittzahl errechnet und aus meinen Wälzbewegungen auf meine Schlafqualität schließt (der unterschied ist überschaubar). Sie alle werden aber hoffen, dass ich dem Up treu bleibe. Denn der macht es mir leichter, auch Radtouren und andere Trainings zu erfassen, bei denen ein Schrittzähler nichts taugt: Jeder Druck auf den Stoppuhrknopf erzeugt einen Eintrag in meinem Onlineprotokoll.

So ein Knöpfchen hatte der Vorgänger des Fitbit Flex auch – es wurde geopfert, damit man mit dem neuen Modell duschen kann (und danach die Seifenreste aus den Ritzen wienern muss). Überhaupt bleibt besagter Vorgänger, der Taschensenor Fitbit One, das Maß aller Selbsterfassungsdinge. leider ist er ein Verbrauchsgut, zwei habe ich verloren und einen im Pazifik ersäuft. Vielleicht wäre da ein Zuschuss denkbar? Denken Sie mal drüber nach. Sie wissen ja, wie Sie mich erreichen.

 

imp_201307_100Aus dem impulse-Magazin 07/2013
Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben im PDF-Format herunterladen und bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...