Leben Wein-Mythos: Rotwein passt gut zu Käse

Schraubverschluss oder Korken? Reine Rebsorte oder "Cuvée"? Im Interview erklärt Wein-Experte Gerd Rindchen, worauf Weinliebhaber achten sollten und räumt mit einigen gängigen Mythen auf.

Herr Rindchen, welchen Irrglauben müssen Sie bei Kunden besonders häufig ausräumen?

Gerd Rindchen: Dass Rotwein so gut zu Käse passt. Die meisten Käsesorten kollidieren total mit den Gerbstoffen im Rotwein. Probieren Sie es mal mit einem Silvaner, bei besonders salzigen, reifen Sorten auch einem Süßwein oder einem nicht ganz so trockenen Elsässer Gewürztraminer.

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Oha, süß. Der gebrannte Supermarktweinkäufer weiß doch: Trocken muss auf dem Etikett stehen.

Ich weiß, es darf in Deutschland um Gottes Willen nur „trocken“ heißen. Aber wenn das Ding dann nicht „trocken“ schmeckt, nimmt es kaum jemand übel. Wir haben zum Beispiel sehr gute Rieslinge, die weich und sehr fruchtig sind. Andere Länder haben gar kein Problem damit, Weine mit einem etwas höheren Restzuckerhalt zu erzeugen – weil der dort auch nicht auf dem Etikett stehen muss.

Bleiben wir beim Etikett: Fahre ich generell besser, wenn da eine einzelne Rebsorte draufsteht und nicht „Cuvée“?

Nein. Cuvées gelten hierzulande als pfui, hier muss alles rebsortenrein sein. Was Quatsch ist. In Frankreich steht auf der Flasche das Chateau und nicht die Rebsorte, da ist es ganz normal, dass der Winzer das kombiniert, was zusammen am besten schmeckt. Das ist doch auch seine Kunst. Und auch wenn Sie einen „Riesling“ oder einen „Grauburgunder“ kaufen, dürfen da bis zu 15 Prozent durch andere Jahrgänge oder Rebsorten ersetzt sein. Das EU-Recht nennt das „bezeichnungsunschädlichen Verschnitt“. Wir können zum Beispiel einem Weißburgunder durch sieben bis acht Prozent Riesling-Anteil ein bisschen auf die Sprünge helfen und mehr Komplexität und Frische geben.

Wie, Sie als Händler mischen selber auch Cuvées?

Das machen wir andauernd. Vor ein paar Jahren rief zum Beispiel einer unserer Bordeaux-Winzer an und sagte: Ich kann jetzt Rosé. Das konnte er früher nicht, der hatte einen superguten Entre Deux Mers, aber grottenschlechten Rosé. Er hat uns dann von seinen vier Tanks jeweils eine Fassprobe geschickt und daraus haben wir uns unseren Rosé selbst zusammen gemixt. Diese Cuvée fällt seitdem immer anders aus, weil in jedem Jahr die einzelnen Rebsorten unterschiedliche Qualitäten haben.

Wenn man sich ständig seine Weine zusammenmischt, bekommt das Sortiment dann nicht irgendwann so einen Einheitsstil?

Nein. Ich widersetze mich sogar dem Trend, die Weine im vorauseilenden Gehorsam glattzubügeln. Der Vater unseres Geschäftsführers hat mal gefragt: „Habt Ihr nicht einen Wein, den man wie Wasser trinken kann? Eure Weine strengen immer so an.“ Tatsächlich haben viele unserer Weine ein paar mehr Ecken und Kanten. Und viele junge Winzer fragen mich: „Gerd, wollen wir diesen Wein nicht ein bisschen entsäuern?“ Dann sage ich: Nö, den lassen wir mal so, wie er sich entschieden hat, sein zu wollen. Weil ich weiß, dass chemische Entsäuerung dem Wein auch viel Brillanz nimmt. Gerade weil wir so viele Cuvées machen, bin ich dafür, an den Grundweinen so wenig wie möglich herumzumanipulieren.

Nächster Mythos: Sehr gute Weine haben keinen Schraubverschluss, sondern einen Korken.

Wir haben sehr offensiv vor fünf, sechs Jahren begründet, warum wir Naturkorken Mist finden: Tut mir leid, aber es ist nicht sinnvoll, die Arbeit eines ganzen Jahrgangs zu opfern für einen minderwertigen Verschluss. Zehn bis 15 Prozent der mit Kork verschlossenen Weine haben einen Korkschmecker. Das ist furchtbar viel für uns als Händler, weil wir diese Weine ersetzen. Und in der Regel erkennt der Kunde einen Korkschmecker nicht: Er denkt, dass er den Wein nicht mag. Das ist für uns noch tückischer. Zum Glück haben wir da auch bei den Produzenten schon viel bewirkt.

Sie haben Einfluss auf Star-Weingüter wie Antinori oder Rothschild?

Die hat es bei mir eh nie gegeben, weil ich schon früh erkannt habe: Es kann nicht mein Job sein, saturierten Adligen ihr Wohlleben zu finanzieren, indem ich ihnen überteuerte Weine abnehme. Ich habe mir immer nur die Qualität im Glas angeschaut und gefragt: Was soll sowas kosten?

Gibt es denn so viele Hidden Champions zu entdecken, dass Sie mit denen ein ambitioniertes Sortiment bestücken können?

Natürlich. Es gibt viele gute Erzeuger, die nur 30 bis 70 Prozent ihrer Weine über die Flasche vermarkten können, und der Rest landet im Fassweinmarkt. Unbekannte Leute, die aber genau so gut sind wie der berühmte Winzer, der im Ort ein Haus weiter sitzt.

Und warum wird der Unbekannte nicht berühmt, wenn er so tolles Zeug macht?

Was braucht ein guter Winzer? Er muss landwirtschaftlich top sein. Ein guter Kellermeister. Und dann auch noch ein Vermarktungsgenie. Bisschen viel verlangt, oder? Marketing ist oft nicht deren Ding, es gibt da richtige Eigenbrötler, die reden noch nicht mal gerne. Gerade diese Krauter muss man schützen.

Und wie finden Sie diese Krauter?

Ich bekomme viele Proben zugeschickt, gerade aus dem Ausland. Und ich sehe mich viel um. Eine unserer erfolgreichsten Winzerentdeckungen, Georg Fogt, habe ich zum Beispiel bei einer Verkostung der Rheinhessen-Connection gefunden. Das ist ein Zusammenschluss von 25 aufstrebenden Weingütern, einer der interessantesten Talentschuppen des deutschen Weinbaus. Wissen Sie, wie viele Fachhändler da vor vier Jahren bei der Verkostung in Hamburg waren? Drei. Mich eingeschlossen. Wenn ein Graf Antinori zur Verkostung lädt, dann kommt noch der letzte kleine Weinhändler aus seiner Garage gekrochen, zieht seine wurmstichige Krawatte an und will Bella Figura machen.

Sie haben vor allem internationale Weine, aber ganz offenbar ein großes Herz für den deutschen Weinbau.

Das Qualitätsniveau der deutschen Weine ist in den letzten zehn Jahren richtig nach oben gegangen. Der Trend geht zu weniger Betrieben, die professioneller organisiert und größer sind. Die Winzer sind besser ausgebildet, die Keller besser ausgestattet. Und die erfolgreichen großen Betriebe sehen zu, dass sie Flächen dazu kriegen. Die Kleinstbetriebe sterben aus, und zwar völlig zu Recht: An der Mosel, mit ihren Steilhängen die schwierigste Region, hat sich die Anbaufläche von über 12.000 auf 8.500 Hektar reduziert. Auf vier Hektar mühsam Mist zu produzieren, ist eben kein Geschäftsmodell.

 

Wein für impulse-Leser

 
Eine Kooperation zwischen zwei Mittelständlern: Rindchen’s Weinkontor und der Impulse-Verlag. Zusammen haben wir Winzer ausgewählt, die hervorragenden Wein herstellen und zugleich eine spannende Unternehmensgeschichte zu bieten haben. Die Weine, die wir Ihnen vorstellen, können Sie zu Sonderkonditionen bestellen.

 

Das Goldmedaillen-Weinpaket
von Rindchen’s Weinkontor mit drei Weinen, die bei der Berliner Wein Trophy 2013 ausgezeichnet wurden.

 

impulse wein 2 Flaschen 2009 Three Peaks, Côtes du Roussillon, Domaine Treloar

rot, trocken, Languedoc-Roussillon, Frankreich

Südlich von Perpignan haben Rachel Treloar und Jonathan Hesford ihr Weinglück gefunden. Der „Three Peaks“ wurde aus den Rebsorten Syrah, Grenache, Mourvèdre und Carignan komponiert und in Barrique- Fässern ausgebaut. Er duftet reich und dunkel nach Holunder, Schlehe, Wacholder und Tabak. Einzelpreis 10,95 €

Jetzt bestellen, Art.Nr. 202607109
 
 
 
impulse wein 2 Flaschen 2008 Este tinto, Bodegas Alto Almanzorar

rot, trocken, Almeria, Spanien

Köstlicher Duft nach Lakritz, Karamell und Schokolade – da läuft Ihnen das Wasser im Mund zusammen! Am Gaumen kirschfruchtig, garniert mit Wacholder, Vanille und allerfeinsten Tanninen. 89 Parker-Punkte – in der Preisklasse ein kleines Wunder! Einzelpreis 7,95 €

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impulse wein 2 Flaschen 2008 Shiraz, Muratie

rot, trocken, Stellenbosch, Südafrika

Sinnensatt und würzig im Duft, wie eine Michelin-Drei-Sterne-Rote-Grütze mit Vanillesauce. Ungemein seidiger, dennoch kraftvoller Antritt am Gaumen, faszinie- rende Länge und dabei, trotz Fülle, eine leckere, animierende Frucht. Kurzum: Ein Feuerwerk an Würze, Finesse und Aromen. Einzelpreis 14,80 €

Jetzt bestellen, Art.Nr. 600401308

 
 

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