Leben Wo spanische Könige auf die Jagd gingen

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Angekommen: In den Weinbergen fand Fernando Rodriguez de Rivera Cremades seine Bestimmung.

Angekommen: In den Weinbergen fand Fernando Rodriguez de Rivera Cremades seine Bestimmung.© Georg Dahm für impulse

Anfangs musste Fernando Rodriguez de Rivera Cremades in seine Rolle gedrängt werden. Heute hat er darin seine Bestimmung gefunden. Der Juniorchef führt einen Weinbetrieb „im extremsten Anbauklima Spaniens“: Ribera del Duero. Im Winter fünf Grad und Frost, im Sommer bis zu 40 Grad.

Er hat es dem Dutzend Onkels, den unzähligen Cousins immer wieder gesagt: Leute, ihr könnt gern vorbeikommen für eine Tour durch Großvaters Weingut. Aber bitte nicht einzeln, ich will nicht jedes Wochenende in der Provinz verbringen. Schließlich warten in Madrid die „Vividores“ (Lebe­männer), die Freunde von Fernando Rodriguez de Rivera Cremades, Juniorchef des Familien­betriebes Real Sitio de Ventosilla. Und jetzt ist schon wieder Mischpoke da, diesmal sind es die Eltern der Sportsfreunde irgendwelcher Cousins, und die wollen alles wissen über das Gut mit seinen 3000 Hektar, gut 500 davon Weinberge, die größte Fläche in der Anbauregion Ribera del Due­ro, eineinhalb Stunden nördlich von Madrid.

Egal. Wenn Cremades ins Reden kommt über den Betrieb, den er mit 35 Jahren führen darf, muss man kein Spanisch können, um zu merken, dass hier jemand seine Bestimmung gefunden hat. Die Sortierbänder, die Edelstahltanks, die Holzfässer, die Abfüllanlage: Keine drei Schritte ohne gestenreiches Anekdotengewitter, die Weinprobe verläuft ebenso verbalstark. Und wenn es noch hell wäre, würde er auch über die Pisten holpern und alles zeigen: die Weinberge, Felder und Stallungen, den Solarpark, die Wasserkraftanlage.

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Dabei musste Cremades in seine Rolle gedrängt werden. Medizin wollte er studieren, der Noten wegen wurde es BWL. Fünf Jahre lang wider­setzte er sich dem Großvater, der den Jungspund im Familienbetrieb sehen wollte, bis 2007 das Machtwort fiel: „Fernando, im Leben geschehen die Dinge, wenn sie geschehen, und nicht, wenn du es möchtest. Setz dich in den Zug!“

„Sie nannten ihn den Verrückten von Ventosilla“

Der kränkelnde Grande, Agraringenieur mit Vermögen aus Tourismus, erneuerbaren Energien und Schifffahrt, brauchte einen Nachfolger für sein Herzensprojekt, das er in den 1980er-Jahren gestartet hatte: sein Weingut, eine fixe Idee seit Studientagen, als er in den Reben von La Mancha arbeitete.

Diesen Traum verwirklichte er „im extremsten Anbauklima Spaniens“, sagt Cremades, „sie nannten ihn den Verrückten von Ventosilla“. 850 Meter hoch liegt das Örtchen, in dem die spanischen Könige bei der Jagd abstiegen: im Winter fünf Grad und Frost, im Sommer bis zu 40 Grad. „Im Rioja sind die Erträge berechenbarer“, sagt Cremades. „Hier kann jedes Jahr historisch oder hysterisch ausfallen.“ Mal machen sie gar keinen Reserva, dann wieder genug für zehn Jahre. Ungewöhnlich sei auch der Charakter der Weine. „Sie vereinen die Eleganz, die Mineralität und ­Lagerfähigkeit atlantischer Lagen mit dem Körper und der Fruchtigkeit mediterraner Lagen.“

Erst seit den 1980er-Jahren ist Ribera del Duero als Herkunftsbezeichnung anerkannt, während der spanischen Immobilienblase stieg die Region zum Liebling der Neureichen auf: „95 Prozent der Produktion wurde in Spanien verkauft, die Winzer konnten jeden Preis verlangen. Dann stürzte Lehman Brothers, und es gab kein Geschäftsmodell mehr.“ Also Weltmarkt: Von 12 auf 35 Prozent hat Cremades den Exportanteil gesteigert, seit er im Krisenjahr 2007 in die Firma einstieg.

„Die Kellermeister sind die wahren Rockstars“

Seine Freizeit verbrachte er damals mit den Kellermeistern: „Nach fünf Monaten wusste ich, dass ich nie wieder woanders arbeiten will. Im Weinbau lernst du Demut. Du lernst, die Natur zu respektieren.“ Und die Kellermeister: „Das sind die wahren Rock­stars, echte Künstler.“ Künstler, die sich nicht zu fein seien, mit Vertriebsleitern und Kunden zusammenzuarbeiten. Mit Topweinen aus dem besonderen Tempranillo-Klon „Elite“ setzen sich die Önologen Denkmäler, mit Qualitäten wie Crianza und Roble bedienen sie internationale Märkte, die ihren Roten mal jung, mal ausgeruht bevorzugen, ihren Rosé mal kräftig, mal porzellanblass.

Inzwischen fühlt sich Cremades stark genug, die wichtigste Hausmarke Prado Rey unabhängiger zu machen von den Erträgen des Ribera del Duero. Käse und Olivenöl aus dem Familienbetrieb vertreibt er schon unter dem Label, jetzt sollen Weine aus Rioja und Bierzo dazukommen. „Wir wollen eine spanische Weltmarke werden. Mein Groß­vater findet das sonderbar“, sagt Cremades. „Aber vor zwanzig Jahren hätte auch niemand gedacht, dass Spanien mal Weltmeister wird.“

 

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