Leben Weltklasse-Whisky made in Germany

Weltklasse-Whisky aus dem Harz: Die Brennerei Hammerschmiede hat den Anspruch, Deutschlands besten Whisky herzustellen.

Weltklasse-Whisky aus dem Harz: Die Brennerei Hammerschmiede hat den Anspruch, Deutschlands besten Whisky herzustellen.© Hammerschmiede Spirituosen

Er hat eine große Geschichte, fanatische Fans und gilt als König der Spirituosen - der Whisky. Was viele nicht wissen: Der edle Tropfen wird auch in Deutschland hergestellt. Besuch in einer Brennerei.

Das Herz duftet nach Schokolade und Karamell, allerdings erst beim zweiten Mal Nachriechen. Die sanften, weichen Aromen liegen unter der Oberfläche verborgen – unter 75 Prozent Alkohol. Sie sind die Basis, die Seele eines jeden Whiskys. „Hauptlauf“ nennen die Brenner das Herz auch. Die Flüssigkeit, die vorher und nachher aus der Brennblase rinnt, ist nicht zu gebrauchen. Sie wird weggekippt.

„Die Kunst ist, den Punkt zu treffen, an dem der Hauptlauf beginnt“, erklärt Alexander Buchholz. Er steht neben einem dickbauchigen Kessel aus Kupfer und hält ein Glas mit einer durchsichtigen Flüssigkeit in der Hand. „Riecht wie Nagellackentferner, das ist der Vorlauf.“ Seine Brennerei, die Hammerschmiede, liegt idyllisch zwischen Bergen und Bächlein – mitten im tiefsten Harz. Von hier komme der beste Whisky Deutschlands, sagen Kenner.

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Weltklasse-Wertung vom Whiskypapst

Whiskypapst Jim Murray hat Buchholzens „Glen Els“ mit 95 von 100 Punkten in seiner „Whisky Bible“ gar als Weltklasse geadelt. „So viel hat noch nie zuvor ein deutscher Single Malt bekommen“, sagt Buchholz. Der 29-Jährige ist stolz, stellt aber schnell klar, wo für ihn die Messlatte liegt: „Mein Ziel ist nicht nur, den besten deutschen Whisky zu brennen.“ Dass ihn wegen solcher Sätze viele für arrogant halten, ist ihm egal. Buchholz will sich mit den Großmeistern messen. Nicht beim Ausstoß, aber bei der Qualität. 25 000 Flaschen produziert er im Jahr. „Das ist die Stunden­leistung von großen schottischen Brennereien.“

Die Großmeister, das sind noch immer die Schotten und Iren. Während hierzulande der erste Single Malt vor gerade mal 30 Jahren destilliert wurde, kochten sie auf den Inseln schon seit dem 5. Jahrhundert nach Christi Whisky aus Getreide und Wasser. „Wasser des Lebens“ nannten die Kelten ihren Drink, kaum ein anderer Tropfen gilt als so sinnlich und emotional. Ein Whisky muss sich seinen Charakter über Jahre im Fass erarbeiten.

Über 100 Brennereien in ganz Deutschland

Die Amerikaner sind für ihre exzellenten Bourbons bekannt, einige japanische Brennereien haben sich in der Whisky-Szene einen Namen gemacht. Auch in Deutschland wächst die Begeisterung. Über hundert deutsche Brennereien gibt es mittlerweile – im Spreewald, in Franken und am Bodensee. Entlang des „Nassauer Whisky-Trails“ und des „Schwäbischen Whisky-Trails“ können Besucher die Brenne­reien erkunden. Der Pro-Kopf-Verbrauch hat sich zwischen 2002 und 2011 verdoppelt: Einen halben Liter Whisky trinkt jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr.

Von einem „Whiskyboom“ spricht Karsten Frenz, der in seinem Berliner WhiskyMarket an die 500 Sorten verkauft. Tasmanische, japanische, sogar einen indischenWhisky hat er im Sortiment. „Whisky ist ein Naturprodukt, das gut in den Zeitgeist passt, zum bewussten Konsum“, erklärt er. Frenz ist ein Verfallener, der über sich selbst sagt, er sei auf einer „Whiskymission“. Namen, Daten, Anekdoten sprudeln nur so aus ihm heraus. Welche Brennerei wann insolvent war, wie die Eigen­tümerfamilie Jahrzehnte später das Geschäft wiederbelebte, welcher Whiskykenner auf welcher Hebriden-Insel lebt.

Erster selbstgebrannter Whisky mit 18 Jahren

Die Mystik, die Geschichten, sie haben auch Alexander Buchholz gefesselt. Mit 18 brannte der Unternehmer aus dem Harz seinen ersten Whisky. Während seine Schulkameraden Johnny Walker mit Cola auf Eis kippten, nippte er an schottischen ­Single Malts. Buchholz las Bücher über Whisky, absolvierte ein Praktikum bei einem Par­fümeur, um seine Nase zu schulen, reiste nach Schottland. „Aber die Schotten lassen sich nicht so leicht in die Karten gucken“, sagt er. Also probierte er selbst alle möglichen Rezepte aus.

Die Leidenschaft für Whisky liegt in der Familie: Karl-Theodor und Alexander Buchholz von der Brennerei Hammerschmiede

Die Leidenschaft für Whisky liegt in der Familie: Karl-Theodor und Alexander Buchholz von der Brennerei Hammerschmiede© Hammerschmiede Spirituosen

Seine Eltern betrieben schon damals die Hammerschmiede. Der Vater, mit dem Buchholz die Brennerei heute führt, destillierte Obstbrände und Liköre. Buchholz hätte dieselben Kessel für seinen Whisky nutzen können, wie es viele andere Betriebe in Deutschland tun. Aber er ließ für den Whisky eigens eine Pot-Still-Anlage anfertigen, nach schottischem Vorbild. In ihr wird die Maische zwei- bis dreimal destilliert, die Kessel laufen nach oben in einen dünnen Schwanenhals aus. Zwischen ­jedem Brennvorgang muss die Anlage rückstandslos gereinigt werden, ein aufwendiges Verfahren. 2005 kam dann der erste Harzer Glen Els auf den Markt.

Buche und Erle statt Torf

„Wir brennen einen regionalen Whisky“, sagt Buchholz. Die Gerste kommt aus dem Harz, das Wasser sprudelt aus einer nahegelegenen Quelle. Außer dem klassischen Glen Els, der eher leicht ist, brennt er auch rauchige, schwere Whiskys. Im moorigen Schottland wird das Gerstenmalz traditionell mit Torf geräuchert. „Aber das wäre hier total unglaubwürdig“, sagt Buchholz. Deshalb nimmt er heimische Hölzer wie Buche und Erle. Das Malz vergärt mit Wasser und Hefe zu Alkohol. „Durch das Destillat kommen nur rund 15 Prozent des Geschmacks zustande“, sagt Buchholz, „weitere 15 durch die Umgebung und ganze 70 Prozent durch das Fass.“

Buchholz steht nun im Halbdunkel zwischen Fässern. Es riecht nach Holz, Beeren und Alkohol – dem Angel’s Share, der während der Reifung verdunstet. Mindestens drei Jahre und einen Tag muss ein Whisky lagern, damit er sich so nennen darf. „Jedes Fass entwickelt sich anders“, sagt Buchholz. Wenn er den Holzhammer zur Hand nimmt, um den Stopfen zu lösen, ist das jedes Mal wieder ein großer Moment. Sind da Karamellnoten?

Heimische Whiskys – bei Sammlern hoch im Kurs

Die Handarbeit hat ihren Preis: Eine Flasche Glen Els aus der Classic Collection kostet mindestens 40 Euro, für den gesmokten Alrik werden mindestens 125 Euro fällig. Auch andere heimische Hersteller sind vergleichsweise teuer. „Da werden drei Jahre alte Whiskys für 80 Euro verkauft. Für das Geld bekommen Sie einen 20 Jahre alten Scotch“, sagt Frenz aus dem Whisky Market. In seinem Laden geht es schon bei 25 Euro pro Flasche los. Viel von dem, was in Deutschland gebrannt wird, hat für Frenz mit dem Original nichts zu tun. „Es ist unfair, schottischen mit deutschem Whisky zu vergleichen. Das können gute Brände sein, die sollten aber anders heißen.“ Den Glen Els allerdings sieht er „auf einem guten Weg“.

Bei Sammlern stehen die heimischen Whiskys trotz der Kritik von Experten hoch im Kurs, einzelne Flaschen werden für mehrere Hundert Euro gehandelt. „Viele dieser Whiskys werden nie getrunken“, sagt Frenz und verzieht das Gesicht. Für ihn gibt es kaum eine schlimmere Vorstellung. Die elitäre Whisky-Szene ist dem Berliner Fachhändler suspekt. „Noten von Heidehonig und geraspelten Aprikosenkernen, so etwas hört man“, sagt er und lacht. Dabei gehe es beim Whisky doch nur um eins: „Entweder er schmeckt oder nicht.“

Kleine Kostprobe: Lesen Sie hier, welche Whiskys aus aller Welt von Kennern empfohlen werden.

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