Leben Wenn man dem Bordeaux Zeit lässt

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Der Winzer Giorgio Cavanna

Der Winzer Giorgio Cavanna© Georg Dahm

Die Suche nach Perfektion führte Giorgio Cavanna von der Toskana ins Bordeaux. Was der Winzer von seinen Kunden fordert ist vor allem eins: Geduld mit dem Wein.

Manche Sätze sind für den deutschen Leser schwer verständlich. Zum Beispiel dieser: „Eines Tages hatte Giorgio Cavanna keine Freude mehr an seinem Weingut in der Toskana.“ Der deutsche Leser blickt aus dem Fenster: grau, nass, kalt. Blickt wieder aufs Blatt. „Eines Tages hatte Giorgio Cavanna keine Freude mehr an seinem Weingut in der Toskana.“ Nun ist Cavanna kein saturierter Millionär, sondern ein Mann auf der Suche nach Perfektion. „Und dafür“, sagt der Chemie-Ingenieur, „gibt es keinen besseren Ort als das Bordeaux.“

Die Herbstsonne wärmt die steinigen Böden des Weinguts Grand Enclos du Château de Cérons. Am Sortierband vor der neuen Kelterhalle fischen Saisonkräfte die Stängel aus der neuen Ernte, im rudimentär renovierten Gutshaus holt Cavanna das Buch aus dem Schrank, das ihm einst als Schüler dieses gelobte Land verhieß, in dem heute sein gesamtes Vermögen steckt.

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„Die Bibel der französischen Weinbautechnik“, sagt Cavanna, „das konzentrierte Wissen der Schüler von Louis Pasteur.“ Die wissenschaftliche Methodik, die Betonung des Charakters jeder Lage: Das sind ganz neue Ideen für den Teenager, der in den Ferien auf dem Weinberg seines Vaters aushilft, den der zusammen mit Freunden in der Toskana gekauft hat. „Abends habe ich meinem Vater gesagt: ,Schau, hier reden sie vom Respekt für das Terroir, von Typizität. Warum also versetzen wir unseren Chianti mit Trauben aus südlichen Lagen?‘“

Wissenschaftlicher Ansatz

Die Frankreich-Faszination bringt die Familie 1982 mit Patrick Leon zusammen. Der Star-Önologe berät Kunden wie Château Mouton-Rothschild, jetzt holt er den Geist des Bordeaux in die Toskana. „Die Grundeinstellung der Menschen im Bordeaux ist: Wie können wir immer besser werden?“, sagt Cavanna. „Sie verfolgen einen sehr wissenschaftlichen Ansatz. Natürlich muss man demütig das annehmen, was die Natur uns gibt. Natürlich geht nichts ohne die Kunst des Winzers. Aber wir haben es hier mit einer Wissenschaft zu tun, und es gibt noch so viel zu entdecken, was wir noch nicht verstehen.“

Ständig hängt der junge Cavanna am Telefon, bespricht Analysewerte mit dem fernen Berater. Der Vater wird die Früchte der Zusammenarbeit nicht mehr erleben: 1985 stirbt er bei einem Autounfall, der Sohn hält die Partner auf Kurs: Geduld, die Natur wirkt langsam. Heute ist Castello di Ama eine der besten Adressen der Toskana. Aber auch allzu vertrautes Terrain für Cavanna, der seit 1997 von Genf aus die Geschäfte führte, während er als Chemie-Ingenieur durch die Weltgeschichte reiste. Seine neue Herausforderung hat er 2000 in einem heruntergekommenen Gut in der Region Graves gefunden. Die Lage: einmalig, meinen er und Patrick Leon, der das Stück Erde für ihn aufspürte. „Nur hier können sie alle drei großen Weine des Bordeaux in dieser Qualität anbauen: den Roten, den trockenen Weißen, den Süßwein.“

Das Bewusstsein für Terroirweine als Erziehungsaufgabe

Seinen 13. Jahrgang hat er gerade abgefüllt: 13 Jahre, in denen er und sein Team das Gefühl für den Boden verfeinert haben. Und Weine produziert haben, deren große Zeit erst kommt. In doppelter Hinsicht: „Der Markt hat sich lange Zeit angepasst an einen Lebensstil der Hektik: keine Zeit für ein gutes Essen mit der Familie, keine Zeit für einen guten Wein, der ein paar Jahre reifen durfte. Und Lagerfähigkeit“, sagt er, „ist die große Stärke eines vom Winzer richtig interpretierten Graves-Weins.“

Die Interpretation des Terroirs ist für Cavanna nicht nur eine handwerkliche, sondern auch eine Erziehungsaufgabe. Auf all den Auslandsmärkten ein Bewusstsein herstellen für diese Terroirweine und die Geduld, mit der man ihnen begegnen sollte; einen Platz finden zwischen den absurd überpreisten Star-Bordeaux-Weinen und den seelenlosen Billigangeboten – das beschäftigt Cavanna seit 2009 in Vollzeit. Auf einem schwierigen Weltmarkt, der von einer Krise in die nächste taumelt, muss der Chef selber ran. Noch pendelt er alle zwei Wochen zwischen seinem Wohnsitz Genf und Cérons. Irgendwann wird er vielleicht mehr Zeit hier verbringen. Die Genehmigung für den Ausbau des Herrenhauses hat Cavanna schon. Und die Freude an diesem Weingut wird er in diesem Leben nicht mehr verlieren.

 

 

Wein für impulse-Leser

 
Eine Kooperation zwischen zwei Mittelständlern: Rindchen‘s Weinkontor und der Impulse-Verlag. Zusammen haben wir Winzer ausgewählt, die hervorragenden Wein herstellen und zugleich eine spannende Unternehmensgeschichte zu bieten haben. Die Weine, die wir Ihnen vorstellen, können Sie zu Sonderkonditionen bestellen.

 

Das Lamouroux-Weinpaket
von Winzer Giorgio Cavanna, den seine Suche nach Perfektion von der Toskana ins Bordeaux führte

 

impulse wein 2 Flaschen 2007 Grand Enclos du Château de Cérons

rot, trocken, Bordeaux, Frankreich

Dieser Wein zeigt ein funkelndes Rubinrot, der Duft ist würzig, vielschichtig und unendlich tief: Eine kirschfruchtige Prägung, zu der sich aber auch rote Beerenfrüchte und ein Hauch Waldboden und Tabak gesellen. Der
Ausklang ist nobel, reich und durch eine sehr feine Säurestruktur überaus animierend. Der Grand Enclos hat Potenzial für viele Jahre!

Einzelpreis 19,80 € // Art.-Nr. 207200407

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impulse Wein 2 Flaschen 2010 Château Lamouroux rouge/Graves

rot, trocken, Bordeaux, Frankreich

Kräftige, erdige Nase mit Anteilen von Schokosplittern. Am Gaumen entwickeln sich feinste Noten von Cassis und Brombeeren – insgesamt ein sehr zugänglicher Bordeaux-Stil. Tipp: Servieren Sie diesen Wein zu geräuchertem Wildschweinschinken oder herzhaften Gerichten der französischen Landküche.

Einzelpreis 14,95 € // Art.-Nr. 207200210

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impulse wein 2 Flaschen 2012 Lamouroux blanc/Graves

weiß, trocken, Bordeaux, Frankreich

Glasklare Nase mit Aromen von Stachelbeere, Apfel und einem Hauch Honig. Schon der Duft hat eine Tiefe, die Weißweinen nur selten gegeben ist, und die den Genießer fast magnetisch anzieht, zum ersten Schluck regelrecht verführt. Im Mund entfaltet sich dieser Wein noch intensiver: Die frische Frucht verbindet sich mit satt eingebundener Mineralik und feinster Säure.

Einzelpreis 12,80 € // Art.-Nr. 207200112

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