Leben Winzer Quinto Fausti: Mit der Akribie eines Ingenieurs

  • Serie
Das Weingut De Angelis

Das Weingut De Angelis

Eingeklemmt zwischen den großen Namen Toskana und Abruzzen werden im italienischen Marken Weine gemacht, die viel zu selten in den Handel kommen. Winzer Quinto Fausti will das ändern - mit Akribie und viel Handarbeit.

E­s gibt schlimmere Betriebe zum Einheiraten. Eine halbe Autostunde gen Osten: die Adriaküste, wo die unglaublichsten Meeresfrüchte nach Weißwein verlangen. Eine halbe Autostunde gen Westen: die Ausläufer des Apennin, wo man gar nicht umhinkann, als zur Gebirgsküche einen Roten aufzureißen. Dazwischen: besagter Familienbetrieb, der für beide Situationen die richtigen Gewächse keltert.

Das ist also das neue Zuhause, in dem sich Quinto Fausti 1985 wiederfindet als Schwiegersohn von Alighiero De Angelis, einem der vielen Winzer, die ein damals fast unbekanntes Terroir bearbeiten: die Marken. Eingeklemmt zwischen den großen Namen Toskana und Abruzzen werden hier Weine gemacht, die viel zu selten in den Handel kommen, aber tankwagenweise die ­Cuvées der berühmten Nachbarn aufwerten. Vor allem im Norden schätzen Winzer die besondere Säurestruktur der Gewächse, die einem belang­losen Wein das entscheidende Maß an Kraft, Eleganz und Frische verleihen können.

Anzeige

Zweigleisig fahren

Ein Unding. Eine Beleidigung. Und eine Herausforderung, die Quinto Fausti mit der Akribie des studierten Ingenieurs angeht. Der Fassweinmarkt wird weiter bedient, parallel verschreiben sich die De Angelis einem neuen Ziel: ihre Stimme hörbar zu machen im Chor der Italienweine. Gezielt wählt die Familie Flächen in den steilen Hügeln der Marken, wo sie die Reben anbauen, die unter eigenem Namen in die Welt hinausgehen sollen.

Die hat nicht auf sie gewartet, erinnert sich Quinto Faustis Sohn: „Als ich mit 19 eingestiegen bin, kannte niemand die Marken“, sagt Alighiero De Angelis, der den Namen des Großvaters in die nächste Generation trägt. Jetzt ist er 32 und tapst mit Jetlag durch den Betrieb, weil sie ihm gestern noch in den USA den Messestand belagert haben, um Passerina und Pecorino zu probieren, die charakteristischen weißen Trauben der Region, und die Interpretationen von Klassikern wie Chardonnay, Trebbiano, Montepulciano, Sangiovese. Die Stimme des Gutes Tenuta De Angelis wird gehört.

Es ist aber nicht nur eitel Freude, die der Junior verbreitet, wenn er von seinen Ochsentouren zurückkommt, die ihn von November bis März durch Europa, Amerika und Asien führen. „Der Trend geht zu weichen, leicht zugänglichen Weinen mit mehr Restzucker“, sagt der studierte Jurist. „Das sind nicht die Weine, die mein Vater machen will. Da ist er sich mit Gerd Rindchen einig, der unseren Top Seller gar nicht nimmt. Aber wir müssen auch dieses Publikum bedienen.“ Was bedeutet: zweigleisig zu fahren bei der ohnehin schon aufwendigen Produktion. „Es hängt alles von der Traube ab“, sagt De Angelis. „Wenn wir früher lesen, haben wir mehr von unserer typischen Säure, wenn wir später lesen, mehr Rest­zucker.“

Ernten ohne Maschinen

50 Hektar bewirtschaftet die Familie inzwischen mit ihren zwölf Angestellten, ohne Erntemaschinen: „Ab Ende August sind wir von acht Uhr früh bis zwei Uhr nachts auf den Beinen.“ Erst in den Weinbergen, dann im Keller, wo sie ihre Cuvées und Reinsortigen komponieren. 2013 habe sich der Absatz fast verdoppelt, sagt der Junior, vor allem dank Fachhändlern und ­Restaurants; nur 15 Prozent gehen in die Supermärkte: „Unsere Branche ist eine der wenigen, die in Italien noch gut funktioniert.“ Und die sich für seinen Geschmack noch mehr bewegen könnte, auch wenn sich seine Region inzwischen besser präsentiert und längst nicht mehr nur auf den tradierten Verdicchio setzt.

„Wir haben hier ein Konsortium, in dem wir über alles sprechen. Das ist wirklich gut. Aber die Leute sind im Schnitt sehr alt und – wie soll ich das sagen? Sie sind sehr starke Charaktere.“ Traditionsbetriebe mit kaum mehr als zwei Hektar prägten die Region. Zeichnet sich kein Strukturwandel ab? De Angelis lacht: „Ein Kleinbetrieb wird hier in 100 Jahren noch ein Kleinbetrieb sein.“ Dass sich De Angelis vergrößern will, vielleicht sogar um Flächen, auf denen man mit Erntemaschinen arbeiten kann, wirkt da fast schon revolutionär. In seinem Geschmack aber bleibt auch er der Tradition treu: „Ich trinke am liebsten die Weine, die mein Vater am liebsten macht.“

 

 

Wein für impulse-Leser

 
Eine Kooperation zwischen zwei Mittelständlern: Rindchen‘s Weinkontor und der Impulse-Verlag. Zusammen haben wir Winzer ausgewählt, die hervorragenden Wein herstellen und zugleich eine spannende Unternehmensgeschichte zu bieten haben. Die Weine, die wir Ihnen vorstellen, können Sie zu Sonderkonditionen bestellen.

 

Weinpaket Tenuta De Angelis
vom Gut des Winzers Quinto Fausti aus den italienischen Marken

 

impulse wein 2 Flaschen 2010 Rosso Piceno Superiore

rot, trocken, Marken, Italien

Dieser Wein braucht Luft: Tiefrot, fast schwarz gleitet er ins Glas, mit einer nahezu greifbaren Konsistenz. Animierender Duft nach Waldboden, Schokosplittern, Kirschen und einer Spur Karamell. Große Intensität, wunderbare Fülle und zarte Gerbstoffe ent- falten sich am Gaumen. Sie zahlen nur die Hälfte des Preises, den die Nachbarn in der Toskana für Vergleichbares aufrufen!

Einzelpreis 7,50 € // Art.-Nr. 101583210

Jetzt bestellen

 

impulse Wein 2 Flaschen 2012 Falerio dei Colli Ascolani

weiß, trocken, Marken, Italien

Mit diesem köstlichen Duft nach Zitronenschale, grünem Apfel und Blüten entführt uns der Falerio in die mittel- italienische Hügellandschaft der Marken. Am Gaumen herrlich erfrischend und mit einer Spur Ananas – formidabel, wie sich dieser Weißwein aus den Rebsorten Passerina, Pecorino und Trebbiano präsentiert!

Einzelpreis 5,95 € // Art.-Nr. 101583012

Jetzt bestellen

 

wein 2 Flaschen 2012 Rosso Piceno

rot, trocken, Marken, Italien

Ein ganz besonderer Spannungsbogen im Duft: Grafit, Erde und ganz dunkle Kirsche. Auch am Gaumen diese typische Note von Schattenmorellen, viel Würze und absolut gutartige Tannine. Ein herzhafter Wein aus den Marken. Der will nur spielen! Am liebs- ten mit einer deftig belegten Pizza …

inzelpreis 5,95 € // Art.-Nr. 101583112

Jetzt bestellen

 
 
 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...