Management Ab in die Wolke

Cloud-Computing ist für alle da: Auch kleinere Firmen können von der Technologie profitieren. Vier Unternehmen berichten.

Wer welche Cloud-Dienste nutzt, hängt weniger von der Größe des Unternehmens ab als davon, was eigentlich gemacht werden soll. Zwei von drei Mittelständlern, die sich in der Wolke tummeln, abonnieren Programme, die sie zuvor aufwendig in die eigene IT-Infrastruktur integriert hatten. Fast alles lässt sich auslagern. Vier Beispiele aus dem echten Leben.

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Der Versandhändler

Als seine Liebe zur Provence ihn vor sieben Jahren nach Frankreich verschlug, hatte Frank Stockbrügger nur eine Geschäftsidee. Heute hat er 15 000 Kunden, die er über seinen Onlineshop Artisane mit lokalen Spezialitäten versorgt. Bestellungen und Warenfluss managte er anfangs mit teuer gekaufter PC-Software, die auf jeden Rechner extra geladen werden musste. „Eigentlich hätten wir uns extra Server kaufen müssen“, erinnert sich Stockbrügger. Stattdessen setzt er nun auf Cierp3. Er nutzt das Programm in der Wolke für Warenwirtschaft, Lagerhaltung und Rechnungsschreibung. 210 Euro monatlich für zwei Arbeitsplätze kostet das, inklusive Speicher. „Das neue System spart Zeit, weil ich mir Aktualisierungen spare und mich nicht um die Sicherung der Daten im Haus kümmern muss.“ Fachwissen habe er keines. „Ich will verkaufen“, sagt Stockbrügger, „und mich nicht mit lästiger Technik beschäftigen müssen.“ Und wenn viel los ist, kann der Chef in Frankreich einfach ein paar Hilfskräfte in Deutschland anheuern. Alles, was es braucht, sind weitere Zugänge zur Cloud – die lassen sich auf Monatsbasis dazubuchen und kurzfristig auch wieder kündigen.

Der Weltmarktführer

Heißkanalsysteme für den Kunststoffspritzguss, das können sie bei Synventive. Der hessische Mittelständler ist globaler Marktführer für diese Technik. „Unser Vertrieb ist komplex, der Koordinierungsaufwand hoch“, sagt IT-Chef Christian Sporleder. „Wir müssen extrem flexibel reagieren.“ Die selbst gestrickte Softwarelösung für das Kundenmanagement stieß an ihre Grenzen, man suchte nach einer schneller umstellbaren Alternative und fand sie in der Cloud. Innerhalb von weniger als neun Monaten war das Projekt perfekt – weltweit zunächst für 60 Außendienstmitarbeiter. Die Gesamtkosten für Beratung, Projektierung und Software beliefen sich auf weniger als 90 000 Euro. „Für uns ist die hohe Ausfallsicherheit der Cloud wichtig.“ Ob er keine Sicherheitsbedenken habe, wird er immer wieder gefragt. „Die Sicherheit ist in der Wolke höher als das, was wir intern leisten könnten“, glaubt Sporleder.

Die Verkäufer

Die Gummi-Metall-Technik GmbH verkauft „erklärungsbedürftige Zubehörprodukte“ für Auto, Lkw, Bus und Bahn im Großhandel. Als die Anschaffung neuer Server anstand, schlug Hubertus Böse seinen Vertriebspartnern die kaufmännische Komplettlösung Myfactory in der Cloud vor, um Geld zu sparen. „Die meinten erst, die Daten wären dort unsicher. Nachdem uns Einbrecher dann aber Server samt Daten aus der Firma geklaut hatten, änderte sich das.“ 60 Ein- und Verkäufer jonglieren seither ihre Daten in der Wolke. „Da wir von jedem Ort aus und rund um die Uhr auf Daten im System zugreifen können, klappt die gesamte Auftragsabwicklung jetzt viel schneller.“ Die jährlichen Betriebskosten liegen bei etwa 6000 Euro je Betriebsstätte. Die Einrichtung kostete insgesamt 15 000 Euro. Zum Vergleich: Einer der Partner, der sich gegen die Wolke entschied und stattdessen auf einen neuen Server setzte, zahlte ungefähr 180 000 Euro – nur für die Installation.

Der Technologieführer

International für Furore sorgte Steinbichler Optotechnik im Weltall: mit Experimenten bei den deutschen Spacelab-Missionen in den 80er-Jahren. Der Spezialist für optische Mess- und Sensortechnik exportiert 70 Prozent seiner Produkte in alle Welt. 150 hoch spezialisierte Experten betreuen den Vertrieb auf allen Kontinenten. „Durch die verschiedenen Produkte und Sparten kommen viele Daten zusammen, die gut verwaltet werden wollen“, heißt es bei Steinbichler. „Hier lag bei uns das große Problem.“ Für die Kundenpflege wurden je nach Abteilung, Mitarbeiter und Produkt unterschiedliche Lösungen eingesetzt. Die Datenmenge stieg und stieg. Ein uraltes Warenwirtschaftssystem ächzte unter der Last von Einkäufen, Aufträgen und Angeboten. Zahllose Excel-Listen und unterschiedliche Datenbanken führten munter ihr Eigenleben. „Durch die Unübersichtlichkeit war es schwer, einen roten Faden in unserem Vertriebsprozess zu erkennen. Marketing, Vertrieb und Service arbeiteten aneinander vorbei.“ Um das zu ändern, sollte eine extra auf das Kundenmanagement zugeschnittene Software her, ein sogenanntes CRM-System. Steinbichler testete verschiedene. Und entschied sich am Ende für eine Cloud-Lösung des Anbieters Salesforce. Die war im direkten Vergleich günstiger in der Anschaffung und im Betrieb. Was dem Unternehmen wegen seines Wachstums wichtig ist: Weitere Anwender und Standorte lassen sich künftig unkompliziert anbinden. „Wir haben alle Investitionen durchkalkuliert – die neue Alternative kostet uns weniger, als wenn wir die Technik selbst bereitstellen und anpassen müssten.“ Der Wechsel war innerhalb von drei Monaten vollzogen.

Glossar
SAAS Software as a Service macht den Kauf und die Installation von teuren Programmen auf Bürorechnern überflüssig. Stattdessen wird über das Internet auf die benötigte Software zugegriffen und eine Gebühr pro Nutzer und Dauer gezahlt.
IAAS Infrastructure as a Service erlaubt es, auf das Anschaffen einer eigenen Serverstruktur zu verzichten. Die benötigte Rechnerinfrastruktur sowie Speicherplatz werden stattdessen nach Bedarf bei Anbietern wie Amazon angemietet. So können die IT-Kapazitäten rasch dem aktuellen Bedarf angepasst werden. Das macht schnelleres Wachstum möglich.
SECS Security as a Service macht es möglich, Schutz vor Viren oder Spam aus der Wolke zu beziehen. Statt zum Beispiel sämtlichen E-Mail-Verkehr selbst nach Werbung zu durchforsten, können Firmen dies zentral erledigen lassen und so Ressourcen sparen.

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