Management Altmodisch, erfolgreich – und überlastet

Sie sind Vertraute, Berater und Stütze der Firmeneigner, aber vor allem Zahlenlieferanten. Finanzchefs in Familienunternehmen haben oft eine altmodische Rolle und sind doch sehr erfolgreich. Aber nicht selten führt ihr Job die CFOs an die Grenzen der Belastbarkeit. Ein Wandel scheint unausweichlich.

Das Aufgabengebiet des Finanzchefs in Familienunternehmen ist oft enorm breit, seine Analysen und Einschätzungen prägen die Unternehmenspolitik. Er ist oft enger Vertrauter, Berater, die Stütze des Firmeneigners. Seine Rolle ist oft eine ganz andere als die von CFOs in einer Publikumsgesellschaft mit mehr oder minder anonymen Anteilshaltern. Das zeigt eine aktuelle Studie der Hochschule Landshut und der Performance-Management-Beratung Avantum, die impulse exklusiv präsentiert.

Die Befragung von 177 Finanzchefs von Unternehmen unterschiedlicher Größe aus verschiedenen Branchen offenbart feine, aber entscheidende Unterschiede zwischen Familienunternehmen und Publikumsgesellschaften. So ist der CFO in Familienunternehmen vergleichsweise häufig einer eher traditionellen Rolle verhaftet. Er ist vielfach stark auf das Berichtswesen fokussiert, gilt als Zahlenlieferant.

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Im Gegensatz zu seinen Berufskollegen in Publikumsgesellschaften ist er im Durchschnitt seltener in strategische Aufgaben eingebunden. Gleichzeitig schätzen 70 Prozent der Finanzchefs in familiengeführten Firmen ihr Unternehmen als erfolgreicher ein als die Konkurrenz. Von den übrigen Befragten zählten sich nur 43 Prozent zu den Outperformern. Für Karl Stoffel, BWL-Professor und Präsident der Hochschule Landshut, sind die anonymen Selbsteinschätzungen ein guter Indikator für die tatsächliche Wettbewerbsstärke der Firmen. Daher kommt er zu dem Schluss, eine altmodische CFO-Rolle sei „vielleicht nicht die Ursache für den Erfolg, es ist für familiengeführte Unternehmen aber in vielen Fällen das am besten geeignete Modell“.

Der Rat der CFOs ist bei vielen Entscheidungen gefragt

In vielen Familienunternehmen spielt der CFO eine zentrale Rolle. Der Finanzchef liefert die notwendige Informationsbasis für langfristige Entscheidungen, sein Rat ist gefragt bei den Eigentümern, egal ob diese ihre Firma selbst leiten oder nicht. Entsprechend hoch ist der Druck für Finanzchefs. In der Anonymität der Befragung offenbarten die Herren der Zahlen, dass ihr Job sie an die Grenzen der Belastbarkeit führt. So will jeder vierte Befragte die starke Einbindung in das tägliche operative Geschäft reduzieren.

In familiengeführten Firmen ist zudem der Wunsch verbreitet, bestimmte Aufgaben an Mitarbeiter abzutreten. Neben dem Tagesgeschäft sehen viele CFOs in den Bereichen Controlling, Finanzierung und bei der Erstellung der Geschäftsabschlüsse hohen Bedarf für Delegation. „Das deutet auf übermäßige Belastung hin“, sagt Thomas Fischer, Vorstand von Avantum.

Alle Ergebnisse der CFO-Befragung finden Sie hier.

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