Management Am liebsten deutsche Ökos

Touristen aus Deutschland sind gern gesehen in Wales. Sie respektieren die Natur und geben mehr Geld aus als etwa die englischen Nachbarn. Um mehr Gäste anzulocken, muss die Waliser Reisebranche professioneller arbeiten. Das wird schwer, wenn künftig Fördergelder wegfallen.

Mittlerweile ist er gut erforscht, der Tourist, der nach Wales kommt. Die Waliser haben ihn vermessen und durchgecheckt, denn der Fremdenverkehr ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region im Westen der britischen Insel. Wales hat mit Tourismus zuletzt 3,5 Milliarden Pfund pro Jahr erlöst, knapp fünf Prozent seiner ökonomischen Leistung.

Der britische Heimattourismus steht dabei klar im Vordergrund. Neun von zehn Touristen in Wales stammen aus der englischen oder schottischen Nachbarschaft, nur zehn Prozent reisen aus dem Ausland an. Und kommen mit größter Wahrscheinlichkeit entweder aus dem gegenüber liegenden Irland, aus Frankreich oder Deutschland. Dies sind die drei wichtigsten europäischen Heimatländer der Wales-Besucher.

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Stammt der deutsche Gast gar aus Köln, Bielefeld oder München, kennen die Waliser noch mehr Details: „Im letzten Jahr kamen 92.000 deutsche Touristen. Sie blieben im Schnitt acht Nächte und gaben zusammen 29 Millionen Pfund in Wales aus“, sagt Jonathan Jones. Als Fremdenverkehrsmanager leitet und koordiniert der die Tourismusaktivitäten der Waliser Regierung.

In USA kaum bekannt

Gerade die Deutschen sind zwischen Cardiff und Snowdonia besonders gern gesehen, denn viele von ihnen zählen zu den sogenannten unabhängigen Entdeckern. Dieser Typus, in Wales klar bevorzugt, reist ökologisch bewusst und angelt, segelt oder wandert gern. „Er oder sie ist schon etwas älter, kommt meist ohne Kinder, bleibt eher kurz, zahlt aber deutlich mehr für seinen Besuch als etwa die britische Touristenfamilie, die für zwei Wochen mit dem Caravan nach Wales fährt“, erklärt Jones.

Die Region mag ihre Schlösser und Musikfestivals, ihre drei Nationalparks, endlose malerischen Küsten, Gipfel und Golfplätze haben. Einen gewichtigen wirtschaftlichen Schwerpunkt aber hat sie noch nicht gefunden, seit ihre Ära als wichtigstes Kohlerevier der Welt mit dem britischen Empire zu Ende ging. Als Reiseziel hat es der Landstrich mit den drei Millionen Einwohnern heute schwerer als andere britische Gegenden. In wichtigen Herkunftsländern wie den USA ist Wales vergleichsweise kaum bekannt: 2009 besuchten 200.000 Amerikaner Wales. Nach Ansicht der Regierung viel zu wenig, zumal im Vergleich zu Irland. Während etwa 40 Millionen irischstämmige Amerikaner hin und wieder die Heimat ihrer Vorfahren besuchen, so besinnen sich nur gut eine Million US-Bürger auf ihre walisische Abstammung. Sie habe schlicht zu wenig „Botschafter da draußen“ heißt es bei der Regierung.

Das Budget wird knapp

Die ist auch finanziell nicht gerade ein Riese: Lediglich 13 Mio. Pfund Marketing-Budget pro Jahr kann sie für Tourismuswerbung ausgeben, deutlich weniger als etwa Schottland, das mit einem ähnlichen Mix aus Tradition, Schlössern, Golf und Natur für sich wirbt. Dabei Wales es künftig nicht leichter haben. Denn 2013 läuft die bisher reichlich fließende EU-Regionalhilfe aus, die es Wales erlaubte, den Tourismus mächtig anzukurbeln. Zudem dürfte schon ab diesem Jahr die Überweisung der klammen britischen Zentralregierung in London kleiner ausfallen. Aus den Budgets muss also deutlich mehr rausgeholt werden, um die Tourismuswirtschaft auf derzeitigem Niveau zu halten.

Schließlich arbeitet jeder zehnte Waliser in einem Hotel, auf einem Campingplatz, in einem Bed & Breakfast oder für einen Sportreiseveranstalter. Doch man weiß in Cardiff, dass die Reisewirtschaft sich professionalisieren muss, um im Wettbewerb mit anderen Regionen nicht zurückzubleiben. „Wir müssen noch mehr den Sinn unserer eigenen Leute schärfen, dass Tourismus nicht aus lauter Saison- und Aushilfsjobs besteht. Das ist ein solider Vollzeitberuf, wenn man es ernst nimmt“, sagt Tourismusmanager Jones.

Auf der anderen Seite kämen die begehrten Reisenden nur, wenn man etwa ein Segelrevier mit lückenloser Hafeninfrastruktur anbieten könne, was bisher nicht der Fall ist. Es müsse also behutsam gebaut und ausgebaut werden, „ohne dass es bei uns gleich aussieht wie in den Ferienressorts, mit denen Spanien in den 60er-Jahren viele seiner Küsten verdorben hat“. Dabei muss die Waliser Regierung künftig allerdings auf private Investoren setzen. Denn die öffentlichen Kassen sind durch die Wirtschaftskrise erst mal leer.

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