Management Anne Koark – Zurück auf Start

Der Albtraum für viele Unternehmer: die Insolvenz. Anne Koark berichtet in ihrem Buch vom eigenen Scheitern und schildert ihren Weg aus der Pleite.

Es ist der absolute Tiefpunkt im Leben der Unternehmerin Anne Koark: Sie ist pleite und muss ihre Eigentumswohnung verkaufen, das Zuhause ihrer zwei Kinder. Damit nicht genug: Als Interessenten stehen die Eltern eines Mitschülers ihres Sohnes vor der Tür. Und die teilen ihrem Filius beim Rundgang durch die Wohnung fröhlich mit: „Das wird dein neues Schlafzimmer!“ Von solchen Episoden lebt „Zurück auf Start“, das Buch, in dem Koark ihr Leben nach der Pleite schildert. „Ich will versuchen, das Thema Insolvenz gesellschaftsfähig zu machen“, schreibt die selbst ernannte Insolventin.

Ihr Crash kam 2003: Koarks Firma, die ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung in Deutschland hilft, gerät in Turbulenzen. Die gebürtige Engländerin geht in die Privatinsolvenz und verliert alles: Wohnung, angesparte Altersvorsorge, Handy, Kreditkarten. Schnell stellt die alleinerziehende Mutter fest, dass jetzt andere ihr Leben regeln, vor allem Behörden.

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Da die neue Mietwohnung weit entfernt von der alten Schule der Kinder liegt, erbittet sie kostenlose Busfahrkarten. Doch die bekommt nur, wer Sozialhilfe beantragt – und genau das will die stolze Unternehmerin nicht. Koark beschließt, ab sofort ein neues Produkt zu vermarkten – ihr eigenes Scheitern. Sie druckt „Pleitier“ auf ihre Visitenkarten und beginnt, Vorträge zum Thema Insolvenz zu halten. Zu ihrer großen Überraschung kommt das gut an: Unternehmerverbände und TV-Sender reißen sich um die 47-Jährige. Eine Anpackerin, die viel unternimmt, um ihre Gläubiger zu besänftigen – das hat Seltenheitswert. „Miss-Erfolg startet durch“, druckt ein Veranstalter unter ihr Foto.

Ihr neues Leben als Pleitier und Medienstar schildert Koark uneitel und verschweigt auch nicht groteske Begebenheiten: So wird sie hochoffiziell von der EU nach Brüssel zu einem Vortrag eingeladen – und muss beim Einchecken im Hotel versprechen, sich nicht von der Minibar zu bedienen, da sie keine Kreditkarte besitzt. Koark beleuchtet ein Thema, das normalerweise wenig oder nur schlechte Publicity bekommt.

Allein das Wort Schuldner impliziere schon eine Schuld, kritisiert sie. Dabei beweise die Statistik, dass mehr Menschen wegen Krankheit in die Insolvenz rutschten als aus Unverstand. „Wir müssen dafür sorgen, dass der Neuanfang finanzierbar ist“, sagt Koark und schlägt vor, das Einkommen nur prozentual zu pfänden und die Entschuldungszeit zu verkürzen. Natürlich ist ihr Fall nicht repräsentativ. Koark gelang es auf bewundernswerte Weise, die mageren Jahre zu überbrücken, da jeder Honorar-Euro in die Kassen ihrer Gläubiger floss. Doch dieser Weg steht nur wenigen Pleitiers offen. So bleibt der Leser am Ende des Buchs mit einer entscheidenden Frage allein: Wie sieht der Neustart von Miss-Erfolg wirklich aus? Seit 2009 ist Koark offiziell entschuldet und könnte wieder ein neues Unternehmen fernab des Vortragsgeschäfts gründen

Daten zum Buch
Titel: Zurück auf Start – Mein neues Leben nach der Insolvenz
Autorin: Anne Koark
Verlag: Eichborn Verlag, 192 Seiten
Preis:14,95 Euro
ISBN-10: 3821865180

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