Management Apps – Kunden gewinnen per Smartphone

Apps sind beliebt bei Smartphone-Nutzern

Apps sind beliebt bei Smartphone-Nutzern © Tanusha - Fotolia.com

Mit speziellen Apps für Handys und Tablet-Computer können Unternehmen ihre Produkte individuell präsentieren. Der Techniktrend Augmented Reality macht es möglich - auch Mittelständlern.

Die Uno 24 ist aus zwei Gründen eine außergewöhnliche Uhr: Sie hat nur einen Zeiger. Und man kann sie ­anprobieren, ohne sie anzufassen. Designer Klaus Botta ermöglicht Kunden, sein Produkt vor dem Kauf virtuell zur Probe zu tragen. Möglich macht das eine App fürs Smartphone. Auf dem Handy können Uhrenliebhaber damit täuschend echt sehen, wie die Uno 24 am eigenen Handgelenk aussieht.

Augmented Reality – zu deutsch: erweiterte Realität – heißt der Techniktrend, den immer mehr Unternehmen nutzen, um ihren Kunden ein neues Einkaufserlebnis zu bieten – in der Hoffnung, auf diese Weise neue Käufer zu gewinnen und den Umsatz zu steigern. Es klingt zwar noch ein wenig wie Science-Fiction, die Ursprünge liegen aber bereits weit zurück.

Anzeige

Ursprünge in der militärischen Forschung

In den 70er-Jahren wurde Augmented Reality zunächst in der militärischen Forschung genutzt, seit den 90er-Jahren in der industriellen und medizinischen Forschung weiterentwickelt. Inzwischen präsentieren Konzerne wie Beiersdorf und Ikea ihre Produkte mit dieser Technik dreidimensional. BMW setzte sie auch schon fürs Personalmarketing ein: Wer eine Stellenanzeige in der Zeitung mit dem Smartphone f­otografierte, konnte sogleich einen Imagefilm betrachten, in dem das Unternehmen seine ­Arbeitsbereiche vorstellte.

Doch nicht nur Großkonzernen, auch Mittelständlern bietet Augmented Reality Potenzial. Pioniere wie Klaus Botta beschleunigen den Weg der Technik vom Marketing-Buzzword zum IT-Trend im Massenmarkt, der für ­jede Firma nutzbar wird.

Augmented Reality in der Praxis: Die App des Uhrenherstellers Botta

Augmented Reality in der Praxis: Die App des Uhrenherstellers Botta© Unternehmen

Binnen drei Monaten ist seine App schon mehr als 16.000-mal heruntergeladen worden. „Das ist ein spielerisches Erlebnis für den Kunden und hat immer einen Aha-Effekt“, sagt Klaus Botta, Gründer von Botta-Design in Königstein im Taunus. Unternehmen müssten allerdings genug Zeit einplanen, um eine Augmented-Reality-Anwendung wie die virtuelle Uhr zu erstellen. „Der Teufel steckt im Detail“, sagt der 53-Jährige.

Vom Papier zur 3-D-Animation

Rund vier Monate lang tüftelte er mit den Softwareexperten von Daubit Programmierung Service, um die App für seine Kunden möglichst einfach zu gestalten: Der Kunde druckt sich zu Hause den sogenannten Marker aus, eine Uhr aus Papier, die er sich ums Handgelenk legt. Richtet er dann sein Smartphone auf die Papieruhr, sieht er auf dem Handydisplay eine 3-D-Animation von Bottas Uno 24, die er von allen Seiten betrachten kann. „Der Kunde sieht, ob ihm die Uhr steht, ob sie zu groß oder zu klein ist“, sagt Botta.

Zu einem Ansturm auf die Designeruhr hat die App nicht geführt – doch das war auch nicht Bottas Ziel. „Es geht uns weniger um ­Impulskäufe, wir wollen uns als innovative Marke ins Bewusstsein der Kunden drängen, auf uns aufmerksam machen“, sagt er. Das wirkt sich langfristig auf die Umsatzentwicklung aus, so seine Hoffnung.

Große Chancen für Händler

Der Einsatz von Augmented Reality biete im Marketing neue Möglichkeiten, sagt Tillman Bardt von der Kölner Agentur People Inter­active. Vorreiter sei der Handel, etwa mit animierten Produktpräsentationen und lokalen Verkaufsaktionen. Noch seien die meisten ­Anwendungen eher spielerisch und weniger auf hartes Zusatzgeschäft hin ausgerichtet. Der Spielehersteller Ravensburger etwa hat so ­seine Puzzles aufgefrischt. Liegt das Motiv ­fertig auf dem Wohnzimmertisch, soll es der Kunde fotografieren. Die App erkennt, ob alle Teile richtig liegen und belohnt den Fleiß mit einem kleinen Film, etwa einer 360-Grad-Ansicht des Motivs.

Die größte Barriere für Augmented Reality, insbesondere für Mittelständler, sieht Bardt im geringen praktischen Nutzen vieler Anwendungen. „Augmented-Reality-Effekte müssen sinnvoll in die Realität integriert werden und Unternehmen wie Kunden einen echten Mehrwert bieten.“ Wie das aussehen kann, zeigt der Handelskonzern Otto. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens können Kunden Kleidungsstücke virtuell anprobieren. Dazu müssen sie sich mit ihrer Webkamera fotografieren, um danach per Gestensteuerung Blusen und ­Hosen auszuwählen, die sich am Bildschirm über ihre Körpersilhouette legen.

Auffallend viele Anwender von Augmented Reality sind Möbelhersteller und -händler. Für ihre Kunden ist der Nutzen offenkundig, lässt sich doch das neue Sofa so virtuell ins eigene Wohnzimmer stellen – das erleichtert Kaufentscheidungen. Das nutzen zum Beispiel Ikea und die Schweizer Designermarke Atelier Pfister. Die App des Möbelhändlers Butlers wird monatlich 2000-mal heruntergeladen. In Kürze wird die App um eine E-Commerce-Funktion erweitert, mit der Kunden die ­Möbel dann auch gleich bestellen können.

Einst teuer, jetzt für jeden verfügbar

Derartige Funktionen erfordern allerdings ein webbasiertes Bestellsystem für alle Produkte und sind daher recht aufwändig. Es geht aber auch einfacher. Kleinere Firmen können mittels Augmented Reality ihre Flyer, Kundenzeitschriften, Geschäftsberichte oder Anzeigen anschaulicher gestalten und dadurch aufwerten. Zusätzliche Informationen zum Unternehmen und seinen Produkten lassen sich zum Beispiel mit interaktiven Grafiken, 3-D-Filmen oder Gewinnspielen vermitteln. Virtuelle Wegehinweise, die den Kunden zur nächsten Niederlassung des Unternehmens leiten, könnten Anzeigen ergänzen.

In vielen Firmen lassen sich zudem mit Hilfe von Augmented Reality die Kosten senken – etwa wenn Architekten statt des teuren Hausmodells ein virtuelles Modell erstellen, das sich der Kunde dreidimen­sional anschauen kann. Mechaniker können ihre Reparatureinsätze zuvor am 3-D-Modell trainieren – und so Fehler vermeiden.

„Heute kann das jeder machen“

Das Unternehmen Metaio zählt zu den marktführenden Anbietern von Augmented-Reality-Anwendungen. Die Münchener haben schon Hunderte von virtuellen Projekten umgesetzt und dafür den Webbrowser Junaio (www.junaio.com) entwickelt. Mittlerweile sei die Technik für Mittelständler gut nutzbar, sagt Metaio-­Geschäftsführer Thomas Alt. „Heute kann das jeder machen: Die Bäckerei um die Ecke könnte eine Brötchentüte augmentieren, auf der die Inhaltsstoffe der Brötchen angezeigt werden, wenn man die Tüte mit der Kamera des Smartphones scannt.“ Die Erstellung von Augmented-Reality-Anwendungen sei leichter, die Technik zuverlässiger geworden. Moderne Smartphones und Tablets sind zudem leistungsfähig genug, um sie darzustellen.

Hinzu kommt: Die Technik wird immer billiger. Vor rund zehn Jahren waren für Augmented-Reality-Anwendungen sechsstellige Beträge fällig. Heute berechnen spezialisierte Agenturen für kleine Projekte nur noch mehrere Hundert Euro, je nach kreativer Leistung. „Apps bieten wir ab 500 Euro an“, sagt Roman Engel von Daubit Programmierung Service. „Für 10 000 Euro bekommt man einen ganzen Konfigurator, sodass man ein Produkt in unterschiedlichen Ausführungen und Farben zeigen kann.“ Mit dem Metaio Creator für 490 Euro können Unternehmer Augmented-Reality-Apps selbst herstellen, ganz ohne Programmierkenntnisse – mit dem Metaio-Wasser­zeichen sogar kostenlos.

Das Marktforschungsunternehmen Juniper Research schätzt, dass im Jahr 2017 die Zahl der Downloads von Augmented-Reality-Apps bei mehr als 2,5 Milliarden weltweit liegen wird. Dann, so glauben die Forscher, wird über die Apps ein Umsatz von 5,2 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet werden. Eine Explosion: Im Jahr 2012 waren es gerade einmal 82 Millionen Dollar. Der Techniktrend Augmented Reality hat gerade erst begonnen.

 

 

cover_09 Aus dem impulse-Magazin 09/2013
Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben im PDF-Format herunterladen und bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...