Management „Beim Recruitment hilft es uns ungemein“

Jens Wagener

Jens Wagener

Jens Wagener gründete 2003 mit einem Partner den IT-Dienstleister Itemis. Dieser führte 2006 ein 4+1-Zeitmodell ein: Pro Woche arbeiten die 160 Beschäftigten vier Tage und haben einen Tag für ihre Fortbildung zur Verfügung.

Wie sind Sie auf das 4+1-Modell gekommen?

Jens Wagener: Als IT-Unternehmen haben wir einen hohen Weiterbildungsbedarf. Früher haben wir den Mitarbeitern Vorgaben gemacht. Aber was sie gerade brauchen, wissen die Leute selbst am besten. Dazu kam der Gedanke: Wenn wir als Dienstleister eine Auslastung von 80 Prozent haben, haben wir alles richtig gemacht. Im Schnitt arbeiten die Mitarbeiter eh nur vier Tage.

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Haben Sie Vorgaben für den fünften Tag gemacht?

Wagener: Wir haben gesagt: Macht, was ihr wollt. Viele lernen Programmiersprachen oder echte Sprachen, der Bereich Regeneration und Gesundheit ist sehr gefragt. Einige Mitarbeiter haben sogar angefangen, gemeinsam Bücher zu schreiben.

Sie schließen gar nichts aus?

Wagener: Doch. Dinge, die extrem gefährlich sind, würden wir schon ausschließen. Wir wären nicht glücklich, wenn alle zusammen in den Skiurlaub führen. Das ist nicht im Sinne des Erfinders, wir haben keine Lust, dass sich die Leute die Knochen brechen.

Was kostet Sie das alles?

Wagener: Nichts. Tage, in denen wir keine Leistung bekommen, haben wir eh, weil eben nicht fünf Tage Auslastung da ist. Und die Weiterbildungskosten haben wir ohnehin. Aber da die Mitarbeiter es selbst organisieren, fällt für uns sogar die Organisation weg.

Und was machen Sie selbst?

Wagener: Ich habe mal russisches Kugelhanteltraining probiert, zusammen mit Mitarbeitern. Man schwingt eine Kugelhantel aus der Hüfte heraus, das stärkt die Rumpfmuskulatur. Das ist sinnvoll, wenn man wie wir viel sitzt. Am Anfang ist es ganz leicht, am Ende kriegt man den Arm nicht mehr hoch. Wir sind auf dem Zahnfleisch rausgekrochen.

Wem empfehlen Sie das 4+1-Modell?

Wagener: Allen, probieren kostet nichts. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es schiefgeht. Aus unserer Sicht haben Mitarbeiter kein Bedürfnis, jemanden zu betrügen. Wenn man ihnen Freiheiten gibt, werden die auch im Sinne des Unternehmens genutzt.

Was ist der größte Vorteil des Modells?

Wagener: Beim Recruitment hilft es ungemein: Je höherpreisiger man Leute einstellt, desto wichtiger ist Weiterbildung. Wenn ich im Vorstellungsgespräch viel über Geld reden muss, merke ich schon, dass dem Bewerber das Unternehmen egal ist. Es ist einfacher, mit Weiterbildung zu argumentieren, da bekommt man auch die richtigen Leute.

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