Management Beispiele gescheiterter Partnerschaften

Bei Public-Private Partnerships gehen Staat und Unternehmen eine langfristige, vertragliche Bindung ein. Zum Vorteil aller. In der Theorie. impulse zeigt drei Beispiele aus der Praxis.

 

Milliardengrab Elbphilharmonie

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Auftraggeber:
Hansestadt Hamburg
Auftragnehmer:
Hochtief, Commerz Real
Laufzeit:
Bau: 2007-2014 Betrieb von Hotel und Gastronomie: 20 Jahre
Wunsch Wirklichkeit
Die Stararchitekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron entwerfen 2001 die Vision von einer Musikhalle auf einem ehemaligen Kakaospeicher. 2007 wird das Konzept von der euphorisierten Hamburger Bürgerschaft zum „Pauschalfestpreis“ von 114 Mio. Euro beschlossen. Der Auftrag geht an Hochtief und eine Commerzbank-Tochter. Im selben Jahr gewinnt die Elbphilharmonie den „Innovationspreis PPP“. Gelobt wird das Finanzierungskonzept sowie die „Vorbildfunktion“ für zukünftige PPP-Vorhaben. Hochtief droht 2008 wegen aufgelaufener Extrakosten von 270 Mio. Euro mit einem Baustopp. Nach zähen Verhandlungen mit der Stadt einigt man sich auf eine neue Gesamtsumme von 323 Mio. Euro. Doch auch das reicht nicht: Inzwischen gehen Schätzungen von 500 Mio. Euro Baukosten aus. Anstatt wie geplant 2010 wird die Elbphilharmonie frühestens Ende 2014 fertig – oder später. Die Stadt und Hochtief überziehen sich gegenseitig mit Schadensersatzforderungen.

Das A-1-Desaster

Auftraggeber:
Bundesrepublik Deutschland
Auftragnehmer:
Bilfinger Berger, John Laing, Johann Bunte
Laufzeit:
Bau: 2008-2012, Betrieb: bis 2038
Wunsch Wirklichkeit
Das private Konsortium, angeführt vom Bauunternehmen Bilfinger Berger, verspricht einen „hohen volkswirtschaftlichen Nutzen“ durch eine „schnelle, wirtschaftliche und qualitativ hochwertige Erweiterung“. Der Ausbau der knapp 73 Kilometer zwischen Hamburg und Bremen ist das bisher größte PPP-Projekt Deutschlands. Das Prinzip: Die Privaten sanieren auf eigene Kosten, hinterher dürfen sie dafür die Lkw-Maut kassieren. „Den Vorteil haben alle Autofahrer“, glaubte der frühere Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Saniert wird erst die eine, dann die andere Fahrtrichtung. Das, sagen Verkehrsexperten, sei zwar billiger, aber auch gefährlicher. Stundenlange Staus, explodierende Unfallzahlen und bröckelnde Straßenbeläge scheinen ihnen recht zu geben. Der Bundesrechnungshof hält PPP bei Autobahnen generell für falsch. Unter dem Strich würde der Staat sogar ein Minus machen. Sollten sich die Mautprognosen der Privaten bewahrheiten, entstünde dem Steuerzahler ein „erheblicher wirtschaftlicher Schaden“.

Gescheiterter Durchbruch

Auftraggeber:
Landkreis Offenbach
Auftragnehmer:
Hochtief, SKE Facility Management GmbH
Laufzeit:
Sanierung: 2005-2010, Betrieb: bis Ende 2019
Wunsch Wirklichkeit
Schluss mit undichten Fenstern und stinkenden Toiletten. Offenbach übergibt seine mehr als 90 Schulen an Hochtief und die SKE Facility Management GmbH. Diese sanieren sie ab 2005 nicht nur, sondern betreiben sie auch. Hochtief sieht in dem Auftrag den „Durchbruch im wachsenden PPP-Markt“. Landrat Peter Walter errechnet für den Kreis Einsparungen von 180 Mio. Euro. Der Deal macht bundesweit Schlagzeilen. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis weitere Kommunen dem Offenbacher Beispiel folgen. Die Jahresmiete hat sich von 53 Mio. auf 77 Mio. Euro erhöht. Hochtief nennt verschiedene Gründe: Mehrwertsteuer und Energiepreise seien gestiegen, neue Gebäude dazugekommen. Regierungspräsident Johannes Baron warnt 2011, die äußerst angespannte Finanzlage Offenbachs werde zunehmend durch das „Schulsanierungs- und Schulbewirtschaftungsprogramm verursacht“. Dem Beispiel einer Gesamtsanierung aller Schulen im Rahmen eines PPP-Projekts ist keine Kommune in Deutschland gefolgt.

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