Management „Bienvenidos a Alemania“ – Deutsche Betriebe bilden Azubis aus Spanien aus

Die Flagge Spaniens an einem historischen Gebäude.

Die Flagge Spaniens an einem historischen Gebäude.© elxeneize - fotolia.com

Viele deutsche Betriebe wollen fleißige Nachwuchs-Handwerker sehen – die holen sie sich jetzt zum Teil aus Spanien. Sie sind jung, motiviert und auf der Suche nach Perspektiven. Die Handwerkskammer Ulm bildet im ersten Schritt neun Spanier in der Baubranche aus.

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Neun junge Männer aus Andalusien stehen beeindruckt vor dem Ulmer Münster, das den höchsten Kirchturm der Welt besitzt. Sie sind keine Touristen. Wenn alles gut geht, wollen sie sich in der baden-württembergischen Donaustadt eine neue Zukunft aufbauen. „Es ist eine schöne Stadt, aber kalt“, sagt der 25-jährige Manuel Pena. In Ulm wird er im September eine Ausbildung zum Anlagetechniker in einer Baufirma beginnen. Die Handwerkskammer Ulm gehört bundesweit zu den Vorreitern bei der Anwerbung junger Spanier für eine Lehre, um den Fachkräftemangel zu mildern. Ein Anfang sollen die neun Spanier sein, die sich derzeit in Ulm einrichten.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal nach Deutschland komme“, sagt Pena einen Tag nach der Ankunft. „Aber in Spanien hätte ich jetzt nichts.“ Seit zwei Jahren sei er schon arbeitslos. In dem von der Wirtschaftskrise gebeutelten Land sind 56 Prozent der jungen Menschen ohne Job. „Ich kenne die deutsche Art, Freundlichkeit und Pünktlichkeit, ich mag das“, sagt Pena. Er wolle die Sprache lernen, die Ausbildung gut machen und „hier auch etwas erreichen“. Ob er dann bleibt oder wieder zurück nach Spanien geht, weiß er noch nicht.

In den 1960ern waren bereits viele Spanier im Zuge der Anwerbeverträge als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Seit der Krise zieht es ebenfalls zahlreiche Südeuropäer verstärkt nach Deutschland, die meisten sind gut qualifiziert und Akademiker.

Neue Willkommenskultur
Für die deutschen Betriebe im Handwerk zählen vor allem Fleiß und Motivation, neben einer mittleren Schulreife. „Wir suchen guten Nachwuchs und dieser ist bei uns sehr schwierig zu bekommen“, sagt Konrad Mezger. Er ist der Geschäftsführer der Firma Geiger + Schüle Bau in Ulm. Alle neun Spanier werden in den Betrieben des Unternehmens ausgebildet. „Wir dürfen nicht dieselben Fehler wie damals bei den Gastarbeitern machen“, sagt Mezger mit Blick auf die fehlende Willkommenskultur und verschlafene Integration jener Zeit.

„Bienvenidos a Alemania“, begrüßt das Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsagentur, Raimund Becker, die Spanier beim offiziellen Empfang am Montag in der Ulmer Handwerkskammer. „Ich habe große Achtung vor dieser Entscheidung, aus dem familiären Umfeld herausgerissen zu werden und sich auf eine neue Kultur einzustellen“, sagt Becker. „Wir wollen natürlich alle, dass sie nach dem Ausbildungsende hierbleiben.“ Die Bundesarbeitsagentur unterstützt mit der Bundesregierung die Orientierungsphase der jungen Europäer über das neue Förderprogramm „MobiPro-EU“.

Deutschkurse und Praktika zur Vorbereitung
„Wir wollen, dass sie hier nicht nur arbeiten, sondern auch leben können“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Ulmer Handwerkskammer, Tobias Mehlich. „Wir haben ein großes Interesse daran, dass sie sich in unserem Land wohlfühlen.“ Die Kammer hat das Projekt „Azubis aus Spanien“ mit Partnern gezimmert, lange bevor Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Abkommen mit Spanien in der vergangenen Woche unterzeichnete, um gezielt jungen Europäern berufliche Perspektiven in Deutschland zu bieten.

Bis zum Ausbildungsstart besuchen die Spanier in Ulm einen Deutschkurs und machen Betriebspraktika. Sie kommen im Internat der Handwerkskammer unter.

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