Management Blessing wird 50: Der Marathon-Mann der Commerzbank

Seit 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank: Martin Blessing

Seit 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank: Martin Blessing© Commerzbank

Martin Blessing zeigt sich gerne locker. Sein Job war es nicht immer: Die Führung der Commerzbank gleicht einer Achterbahnfahrt. Ihr Chef hat Ehrgeiz und Ausdauer - die braucht der bald 50-Jährige auch.

Manchmal wirkt er wie der nette Junge von nebenan: Ein lockerer Spruch geht Martin Blessing immer über die Lippen. Allerdings kann der Commerzbank-Chef nicht immer kaschieren, wie sehr der Job an ihm zehrt. In gut fünf Jahren an der Spitze der Bank ist Blessing erkennbar gealtert. Am Samstag (6.7.) wird er 50.

Gerade einmal gut 100 Tage im Amt, gelingt dem Banker im Spätsommer 2008 der größten Deal in der deutschen Finanzindustrie seit sieben Jahren: Die Übernahme der Dresdner Bank soll die Commerzbank zum zweiten „nationalen Champion“ nach der Deutschen Bank machen – und zum führenden Geldhaus in Deutschland. Nach einem kräfteraubenden Verhandlungsmarathon kann sich Blessing damals das Grinsen des Gewinners nicht verkneifen.

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Aber der Plan scheitert – zumindest auf kurze Sicht. Die Dresdner-Altlasten sind gewaltig, die Schockwellen der Lehman-Pleite reißen auch die Commerzbank fast in den Abgrund. Der Staat rettet den Frankfurter Dax-Konzern mit Steuermilliarden und wird zur Sicherheit gleich dessen größter Aktionär. Blessing muss sich öffentlich als „Staatsbanker“ verulken lassen und bekommt in der Branche den Spitznamen „Merkels Pudel“ verpasst.

„Man härtet ab und wird gelassener“

Lange nimmt Blessing die Häme nach außen gelassen hin. Doch bohrende Fragen, ob sein zur Dauerbaustelle geratenes Institut noch einmal den Staat anpumpen muss, kontert er irgendwann sichtlich genervt: „Ich gehe da nicht nochmal hin!“ Am Anfang habe ihn persönliche Kritik „schon getroffen“, sagt der Banker im Mai 2013 der „Bild“-Zeitung: „Aber man härtet ab und wird gelassener.“

Dass die Integration der Dresdner Bank kein Spaziergang wird, ist dem passionierten Läufer schnell klar. Klar ist aber stets auch, dass Blessing selbst Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus zum Erfolg führen will: „Ich finde Marathonlauf am besten, wenn man selbst durchs Ziel kommt. Ich habe vor, den Lauf zu Ende zu laufen.“

Schließlich hat der ehrgeizige Bremer das Bankgeschäft quasi in die Wiege gelegt bekommen: Großvater Karl war Bundesbank-Präsident (1958-1969), Vater Werner stieg in den Vorstand der Deutschen Bank auf (1981-1987). Die Familie ist in der Finanzwelt eng vernetzt: Blessings Ehefrau Dorothee war bei der US-Investmentbank Goldman Sachs zuletzt für das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen in Deutschland und Österreich verantwortlich. Sein Schwager Axel Wieandt war zeitweise Chef des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE).

Blitzkarriere

Martin Blessing selbst legt eine Blitzkarriere hin: Nach einer Lehre bei der Dresdner Bank Anfang der 1980er Jahre studiert er Betriebswirtschaft in Frankfurt und St. Gallen und steigt 1989 bei McKinsey ein. 1997 kehrt Blessing zur Dresdner Bank zurück, übernimmt dort Mitverantwortung für das Privatkundengeschäft und wird im Jahr 2000 Chef der Dresdner-Tochter Advance Bank.

Den Einstieg des Versicherungskonzerns Allianz bei der Dresdner Bank nutzt Blessing zum Ausstieg aus der Großbank. Kurz darauf, zum 1. November 2001, wird der damals 38-Jährige Vorstandsmitglied bei der Commerzbank. Der als analytischer Denker gelobte Blessing bringt dort zunächst das schwächelnde Privatkundengeschäft in Fahrt und führt dann erfolgreich das Mittelstandsgeschäft.

Diese Verdienste in Kerngeschäftsfeldern machen ihn zum Anwärter auf den Chefsessel in Deutschlands höchstem Wolkenkratzer. Anfang November 2007 ist klar: Blessing wird neuer Commerzbank-Chef, nach der Hauptversammlung am 15. Mai 2008 beerbt er Klaus-Peter Müller.

Eingeständnis eigener Fehler

Obwohl er seither mehr im Rampenlicht steht: Blessing präsentiert sich gern unprätentiös, mit Swatch und Freundschaftsbändchen seiner drei Töchter am Handgelenk. In der Finanzkrise punktet er mit dem Eingeständnis eigener Fehler: Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) lobt im Herbst 2010, Blessing gehöre zu jenen Bankern, „die noch am ehesten zu Selbstkritik bereit waren“. Blessing hört’s gerne: „Lob freut mich immer, man kriegt es heute als Banker nicht so oft.“ Die fast drei Jahre alte Aussage dürfte noch immer gelten: Gerade hat die Bank den Abbau von 5200 Stellen beschlossen, viele Aktionäre haben die Geduld mit Blessing verloren.

2 Kommentare
  • Name 2. Juli 2013 18:32

    Kursdesaster ohnesgleichen, keine stellungnahme vom abgebrühten vorstand, Volksenteignung!!

  • Name 2. Juli 2013 18:28

    Kapitalvernichter Nr. 1

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