Management Osram muss alleine leuchten

Das Osram-Lighthouse in München

Das Osram-Lighthouse in München© Osram

Nach stolzen 94 Jahren entlässt Siemens Osram in die Unabhängigkeit. Eigentlich wollte der Elektrokonzern mit einem klassischen Börsengang Milliarden für nötige Investitionen einsammeln. Doch die Abspaltung der Lichttochter kostet im Gegenteil sogar Geld.

Ein Börsengang ist häufig eine feierliche Angelegenheit – und bringt im besten Fall sehr viel Geld für das betreffende Unternehmen. Die für Montag (8. Juli) geplante Erstnotiz der Aktie von Osram ist da eine Ausnahme. Die bisherige Mutter Siemens kostet die Abspaltung der Lichttochter im Gegenteil sogar Geld. Statt die Papiere des traditionsreichen Unternehmens zu verkaufen, bucht Siemens seinen Aktionären für zehn Siemens-Papiere je eine Osram-Aktie ins Depot. Siemens ist danach mit weniger als 20 Prozent an Osram beteiligt. Eingestiegen war Siemens im Jahre 1919.

Die neuen Osram-Aktionäre können dann mit ihren Wertpapieren machen was sie wollen, also verkaufen, halten oder weitere dazuerwerben. Wie der erste Kurs aussehen wird, ist offen. So gibt es bei Siemens etwa Anleger, die Aktienfonds verwalten, die nur Dax-Titel halten. Osram selbst geht davon aus, dass solche Aktionäre wohl alsbald verkaufen werden. „Und der Kurs unserer Aktien könnte anfangs stark nachgeben“, heißt es im Börsenprospekt. Osram machte zuletzt knapp 5,4 Milliarden Euro Umsatz. 2011/12 steht ein Verlust von fast 380 Millionen Euro in den Büchern. In diesem Jahr soll es bereits erheblich besser laufen.

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Doch der Schritt in die Eigenständigkeit geschieht in unsicheren Zeiten. Der Lichtmarkt wandelt sich massiv. Die Glühbirne, der Osram wegen der früher für den Glühdraht verwendeten Materialen Osmium und Wolfram den Namen verdankt, ist am Ende ihrer Zeit angelangt. Die Zukunft gehört der LED-Technik. Deren Entwicklung kostet viel Geld. Die Produktion erledigt die Konkurrenz in Asien allerdings billiger. Die Preise sind unter Druck, die Branche ringt um Marktanteile. Neue Konkurrenten im Lichtmarkt wie etwa der Samsung-Konzern oder LG Electronics sorgen für einen raueren Wettbewerb.

Hickhack ist vorbei

Eigentlich hatte Siemens der Tochter durch einen richtigen Börsengang eine milliardenschwere Mitgift mitgeben wollen, doch erst musste der Münchner Elektroriese den Schritt verschieben und später ganz absagen – Eurokrise, Konjunktur und nötige Umbauarbeiten machten Siemens einen dicken Strich durch die Rechnung. Nun, sagen manche Spötter, verschenke Siemens die Tochter. Nein, entgegnet der Konzern, man könne den Aktionären nichts schenken, was ihnen ohnehin gehöre. Wie auch immer: Das Hickhack um die Trennung ist nun vorbei.

Beide Seiten dürften darüber sehr erleichtert sein. Als auf der Hauptversammlung von Siemens die Aktionäre den Plan B bestätigten, herrschte bei manchem Osram-Vertreter offener Jubel. Am Montag wird es in Frankfurt den obligatorischen Sekt-Umtrunk geben, später in München wohl auch eine Feier für die Mitarbeiter. Doch die Party dürfte kurz werden, den Osram steht harte Arbeit bevor. Der Konzern streicht weltweit tausende Stellen, trennt sich von Werken und Produkten. Künftig muss das ohne die Hilfe der Mutter gelingen.

Markt für sparsame Leuchttechnik wird wachsen

Allein im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Konzern seiner Tochter mit mehr als einer Milliarde Euro unter die Arme gegriffen. Osram muss sich wie die Branchengrößen Philips oder General Electric (GE) vor allem Angreifern aus Asien erwehren. Die Herausforderung: wesentlich schneller als bisher neue Leuchten in die Regale der Läden zu bringen. Immerhin, der Markt für sparsame und intelligente Lichttechnik wird wachsen.

Aber das Geschäftsmodell muss sich wandeln. Gingen Glühbirnen spätestens nach wenigen Jahren kaputt, gibt die Industrie die Lebensdauer für LED-Leuchten mit 30 Jahren an. Die Lichtfirmen müssen also Verbrauchern den Kauf neuer Leuchten erst schmackhaft machen. Dabei verbrauchen die Modelle schon 80 Prozent weniger Strom als klassische Glühbirnen. Firmen wie Osram hoffen, dass neben günstigeren Preisen auch neue Möglichkeiten für Licht Kunden locken.

Dazu gehören künftig auch LED-Leuchten, deren Farbe und Helligkeit sich etwa per Smartphone an Tageszeit und Laune anpassen lassen. Der einfachste Grund für einen Neukauf, so die Hoffnung der Branche: Nur die wenigsten werden drei Jahrzehnte lang auf die gleiche Leuchte schauen wollen.

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