Management „Chef, Du bist spitze!“ – Elf Praxis-Tipps, wie Unternehmer ihre Mitarbeiter begeistern

Um bei seinen Mitarbeitern beliebt zu sein, reicht es nicht aus, gute Gehälter zu zahlen. Chefs müssen sich in Zeiten der schwindenden Fachkräfte mehr einfallen lassen.

Um bei seinen Mitarbeitern beliebt zu sein, reicht es nicht aus, gute Gehälter zu zahlen. Chefs müssen sich in Zeiten der schwindenden Fachkräfte mehr einfallen lassen.© YakobchukOlena, fotolia

Im März ist die Zahl der Arbeitslosen auf den tiefsten Stand seit 24 Jahren gesunken. Arbeitgeber müssen sich umso mehr ins Zeug legen, um ihre besten Leute zu halten. Elf Unternehmen haben impulse kreative, preiswerte Ideen verraten, wie sie alte und neue Mitarbeiter für ihren Job begeistern.

1. Packen Sie Homeoffice-Koffer.

„Wir haben zwei Homeoffice-Koffer angeschafft, die unsere Mitarbeiter nutzen können, wenn etwa die Kinderbetreuung ausfällt und sie nicht zur Arbeit kommen können. Darin sind ein Laptop mit UMTS-Karte, ein Telefon, Locher, Tacker, Papier und ein kleiner Drucker. Über einen VPN-Tunnel ist man mit dem Firmennetzwerk verbunden. Beide Koffer haben zusammen rund 1500 Euro gekostet. Natürlich ist es jedem freigestellt, ob er, wenn die Kinder krank sind, arbeiten möchte. Aber ich habe selbst meine Mutter gepflegt und weiß, dass man nicht acht Stunden lang am Bett sitzen muss. Wir haben den Koffer auch schon für Einsätze bei Kunden in anderen Städten genutzt. Fünf Minuten Aufbauzeit und man ist arbeitsfähig.“
Markus Dornseif leitet das Dienstleistungsunternehmen Dornseif Winterdienst

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2. Lassen Sie Ihr Team die Büros neu gestalten.
„Den größten Teil des Tages verbringt man bei der Arbeit. Da sollte man sich wohlfühlen. Deshalb haben wir unseren Mitarbeitern ein fünfstelliges Budget zur Verfügung gestellt und gefragt: ‚Was wollt ihr in den Firmenräumen verändern?‘ Unter dem Motto ‚Pimp my Office‘ haben wir Vorschläge gesammelt und die Mitarbeiter abstimmen lassen. Der Vorschlag mit den meisten Stimmen wurde zuerst umgesetzt, dann der nächste – bis das Geld alle war. Die Ideen haben wir in abteilungsübergreifenden Teams umgesetzt. Die Gesamtmotivation hat sich dadurch deutlich gesteigert. Jetzt tanken die Mitarbeiter Energie bei einem Power-Nap in unserem ‚Napping-Room‘, spielen Videospiele im Kreativwohnzimmer oder bleiben nach der Arbeit für ein Tischtennisturnier im Büro.“
Fabian Heilemann ist Gründer des Internetportals Daily Deal und Partner der Investmentgesellschaft Heilemann Ventures

3. Schenken Sie Ihren Mitarbeitern täglich Erfolgserlebnisse.
„Ein Schreiner kann abends sehen, was er geleistet hat. Für unsere Mitarbeiter ist die eigene Leistung nicht so klar sichtbar: Wir übernehmen mit unserem Familienunternehmen Kundenservicedienstleistungen für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Daher haben wir auf Basis der Vorgaben unserer Auftraggeber für jedes Team konkrete Ziele formuliert. Wenn diese Ziele erreicht werden, werfen die Mitarbeiter einen bunten Ball in eine Bällesäule, die für alle sichtbar mitten im Büro steht. So kann das Team jederzeit sehen, wo es steht und was es schon erreicht hat. Am Monatsende wird abgerechnet: Je nach Pegelstand gibt es Süßigkeiten, Kuchen, Pizza oder ein Überraschungsgeschenk, und die Leistung wird gemeinsam gefeiert.“
Bernhard Sack, Juniorchef des Callcenters und Kommunikationsdienstleisters Tel-inform

4. Feiern Sie Erntedankfest.
„Wir sind eine Werbeagentur und arbeiten viel und hart. Ich fand, wir sollten einmal innehalten und uns einfach nur freuen. Im Kalender entdeckte ich das Erntedankfest und erinnerte mich an die Bedeutung dieses Tages. Seither feiern wir Erntedank mit dem ganzen Team. Der Raum wird herbstlich geschmückt, und es gibt Kleinigkeiten zu essen. Vor allem legen wir unsere Arbeiten aus. So machen wir uns noch einmal klar, was wir geleistet haben. Erntedank ist ein starkes Symbol, und das Fest kostet nicht viel Geld. Zudem ist im Oktober auch noch niemand im Weihnachtsfeierstress.“
Thilo Schirmer, Geschäftsführender Gesellschafter der Werbeagentur RosenbauerSolbach

5. Gehen Sie mit Ihren Mitarbeitern spazieren.
„Als Gründerin brauche ich Mitarbeiter, die mir ehrlich ihre Meinung sagen. Und ich selbst muss besonders gut zuhören. Das geht besser außerhalb des Büros. Ich schnappe mir einen Mitarbeiter und gehe mit ihm spazieren, in ein Café oder in den Park. Dann frage ich, wie es ihm geht oder ob er gern etwas loswerden möchte. Was machen wir gut, was können wir besser machen? Draußen an der frischen Luft begegnet man sich anders, die Rollen lösen sich auf. Der Kopf wird frei, und wir können offener und lockerer sprechen. Und das Schöne: Es spendet Vertrauen und kostet uns nichts.“
Sarah Haide hat Mycouchbox gegründet. Das Start-up verschickt Überraschungs-Snackboxen für den Fernsehabend

6. Vergeben Sie einen „Fail Award“

„Wir arbeiten in einem Großraumbüro, in dem es schwer ist, in Ruhe zu telefonieren. Da hatte ich mit einem Kollegen eine Idee: Wir kaufen eine alte Telefonzelle, in die man sich zurückziehen kann. Stolz auf unseren Einfall, ersteigerten wir ein gelbes Häuschen bei Ebay – um bei der Anlieferung festzustellen, dass es nicht durch unsere Tür passte. Damit waren mein Kollege und ich die ersten Gewinner des ‚Fail Awards‘, eines Wanderpokals für den besten Fehler. Klingt lustig, hat aber einen ernsten Hintergrund: Wir wollen, dass in unserem Team Fehler nicht vertuscht, sondern offen besprochen werden. Nur so können wir aus ihnen lernen. Der Fail Award hilft dabei. Wichtig: Man kann nur sich selbst nominieren, es geht nicht darum, andere an den Pranger zu stellen. Das ganze Team stimmt ab, wer am grandiosesten gescheitert ist.“
Monika Frech ist Chefin der Berliner Innovationsagentur Dark Horse

7. Machen Sie mit Ihrem Team Video-Yoga.
„‚Ommm! Shanti, shanti!‘ Beim ersten Mal wurde noch viel gekichert – und trotzdem haben wir gleich entschieden: Unser Kollegen-Yoga wird ein festes Ritual. Das Tolle daran: Es bringt uns Bewegung und Entspannung, kostet aber so gut wie nichts. Weil es sich für unser kleines Team kaum lohnt, einen Yoga-Lehrer zu engagieren, machen wir einen Online-Kurs. Für 16 Euro im Monat haben wir uns auf dem Portal Yoga Easy (es gibt noch etliche weitere) angemeldet, auf dem man unzählige Videos ansehen kann, von Anfängerkursen bis zu Übungen für Profis. Das Video läuft auf einem Laptop, die Anweisungen des Yogalehrers tönen aus Computerboxen. Bei der Unfallversicherung haben wir eine sportliche Kollegin als Gruppenleiterin angegeben, für niedrigschwellige Angebote reicht das, und man braucht keinen Mitarbeiter mit Übungsleiterschein.”
Antonia Götsch ist stellvertretende Chefredakteurin bei impulse

8. Organisieren Sie ein firmeninternes Carsharing.
„Unsere Firmenwagen sollen so gut wie möglich ausgelastet werden. Daher haben wir im Frühjahr ein firmeninternes Carsharing gestartet. Auf einen Pool von fünf Fahrzeugen können alle Mitarbeiter zugreifen, indem sie sich über ein Onlineportal einen Wagen reservieren. Für die Software zahlen wir pro Auto rund 15 Euro im Monat. Das lohnt sich, weil jeder Mitarbeiter den Fuhrpark effizienter nutzt. Da drei unserer Wagen Elektroautos sind, haben wir uns für den Anbieter Fleetster entschieden. Das Portal berücksichtigt bei der Buchung automatisch die längeren Tankzeiten der E-Autos und die eingeschränkte Reichweite.“
Stefan Mayer, Projektleiter beim Allgäuer Überlandwerk, einem Stromanbieter

9. Ihnen fehlen Fachkräfte? Lassen Sie Ihre Mitarbeiter neue Kollegen werben.
„In der Pflege herrscht großer Fachkräftemangel, allein bei uns in Hamburg spricht man von 500 vakanten Stellen. Wir müssen uns also als Arbeitgeber positionieren. Und wer könnte für uns glaubhafter werben als unsere eigenen Mitarbeiter? Daher bieten wir unseren Leuten eine Prämie, wenn sie uns Bekannte vermitteln, die wir dann einstellen. Es geht nicht um ein schnödes Kopfgeld, von dem ja auch Steuern und Sozialversicherung abgingen. Vielmehr belohnen wir den Einsatz mit einem Geschenk, das in Erinnerung bleibt: ein schickes Abendessen mit dem Partner, Karten fürs Kabarett, ein Brunch mit Familie. Etwa zehn neue Mitarbeiter haben wir im laufenden Jahr auf diese Weise gefunden.“
Thomas Flotow, Geschäftsführer des Pflegeheimbetreibers Pflegen & Wohnen

10. Begraben Sie gescheiterte Projekte mit einem Post-Mortem-Meeting

„Einen Fehler zu machen ist normal, ihn zweimal zu machen ist ärgerlich. Wir begraben bei Wooga eingestellte Projekte daher mit einem Post-Mortem-Meeting. Wird ein Projekt gestoppt, setzt sich das Team zusammen: Was sollten wir beibehalten? Was wollen wir in Zukunft anders machen? Daraus entsteht eine Liste mit guten und schlechten Erfahrungen, die allen Kollegen vorgestellt wird. So kann die ganze Firma lernen, und für das Projektteam ist das Treffen Trost und Motivation. Ein Kollege sagte einmal zu mir: ‚Es ist gut, schwarz auf weiß zu haben, was man aus einem gestoppten Projekt mitnimmt. Dann wird klar, dass die Arbeit nicht für die Mülltonne war. Dank unserer Erfahrungen arbeiten wir heute ganz anders als früher.‘“
Stephanie Kaiser ist beim Online-Spiele-Produzenten Wooga für Neuentwicklungen verantwortlich

11. Bringen Sie Ihren Hund mit zur Arbeit.
„Ein Hund ist nicht nur verschwiegen und loyal. Wenn unsere Buffy freundlich wedelnd Kunden und Geschäftspartner begrüßt, ist sie sogar eine echte Verkaufshilfe. Die Gäste erzählen entspannt von eigenen Erlebnissen mit Hunden, was für eine fast familiäre Atmosphäre sorgt. Außerdem ist der Hund gut fürs Betriebsklima. Ein wenig mit dem Hund zu spielen baut Stress ab und macht den Kopf frei, sodass die Mitarbeiter mit vollem Elan an die Arbeit gehen. Da unser Hund auch artgerecht leben soll, wird er von einem Ausführservice jeden Tag ein paar Stunden mit weiteren Hunden in den Wald geführt. Denn in erster Linie kümmern wir uns um unsere Kunden, auch wenn Buffy noch so süß guckt!“
Julia Schössler gründete die Marketing- und PR-Agentur Schoesslers. Ihr Hund hat eine eigene E-Mail-Adresse.

2 Kommentare
  • Dr. Timo Müller 22. November 2015 17:49

    Gute Ansätze. Ich ergänze zum Thema: Führungskräfte sollten wissen, wie Sie mit Konflikten umzugehen haben. Professionelles Handeln ist erforderlich. Zwischenmenschlcher Stress kann reduziert und ganz verhindert werden. Hier sind auch Mitarbeiter-Mitarbeiter-Konflikte, bei denen die Führungskraft eingreift, gemeint. Denn: Konflikt-Management ist Führungsaufgabe!
    Es beginnt damit, „Die 4 Irrtümer zum Konfliktmanagement im Unternehmen“ (Podcast) zu kennen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Dr. Timo Müller (IKuF)

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