Management Coaching: Besser Führen mit Pferden

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Unternehmerin Vanessa Weber mit Ihrem Patenpferd Sir Dante in Niedernberg

Unternehmerin Vanessa Weber mit Ihrem Patenpferd Sir Dante in Niedernberg

Ein Pferd longieren ist ein anspruchsvoller Sport. Aber auch eine Coaching-Methode für Führungskräfte? Ja, sagt impulse-Bloggerin Vanessa Weber - und hat gleich ihre komplette Mannschaft auf den Pferdehof geschickt.

Östlich von Nürnberg gibt es einen winzigen Ort, wunderschön auf einem Hügel gelegen: Kursberg. Er besteht nur aus einer Handvoll Häusern, an denen vorbei sich ein kleines Bächlein schlängelt. Der Ort wirkt unglaublich beruhigend auf mich – nicht nur, weil es dort keinen Handyempfang gibt. Auf dem Kursberg steht mein Trainingspferd Moses. Es bringt mir bei, wie ich meinen Führungsstil verbessern kann. Das mag im ersten Moment skurril klingen, hat aber einen sehr realen Hintergrund.

Zu dieser Coaching-Methode bin ich über eine glückliche Fügung gekommen: Vor gut zwei Jahren war ich auf der Bundeskonferenz der Wirtschaftsjunioren. Dort werden immer unterschiedliche Workshops angeboten. Einer davon war „Führen mit Pferden“. Ich habe mich sofort eingetragen, weil ich das schon ewig ausprobieren wollte.

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Wir hatten damals einen Schnupperkurs von eineinhalb Stunden bei Silke Pirner auf dem Kursberg – und da habe ich gemerkt, wie viel in diesem Coaching-Ansatz steckt.

Das Besondere daran ist: Pferde geben sofort ein ehrliches Feedback. Es sind ganz sensible Tiere, die merken, wenn man ihnen etwas vorspielt. Wer das Coaching einmal durchlaufen hat, kann die Pferde steuern, ohne in der Koppel zu stehen.

Entscheidend ist die innere Einstellung

Das ist keine Zauberei, sondern hat ganz konkret etwas mit der inneren Einstellung zu tun: Wir haben das gesprochene Wort und wir haben die Körpersprache. Und alles hat Auswirkungen. Das gesprochene Wort hat dabei den geringsten Effekt.

Wenn ich ein Pferd bewegen will, kann ich es natürlich mit den Worten versuchen: „Pferd, lauf gerade aus!“. Aber dann steht das Pferd da – und macht gar nichts. Ich kann mich auch mit voller Wucht dagegen werfen. Das hat bei einem 600 Kilo schweren Haflinger den gleichen Effekt. Aber wenn ich innerlich eine dankbare Haltung einnehme und ihm wertschätzend entgegentrete, dann bewegt sich das Pferd auf einmal.

Das gleiche sieht man täglich in Firmen: Wenn ich beispielsweise zu einem Mitarbeiter sage „Ich hab dir doch erklärt, dass du das so und so machen musst“ und gleichzeitig denke „Was für ein Blödmann“, ist das keine sehr wertschätzende Haltung – und das strahlt auf die Körpersprache aus. Die Leistung des Mitarbeiters wird das nicht steigern.

Weich in der Sprache, hart in der Sache

Es geht bei diesem Coaching natürlich nicht darum, alles weichzuspülen. Ich habe dabei gelernt, weich in der Sprache, und hart in der Sache zu sein. Mein Führungsstil hat sich dadurch merklich verändert. Ich habe mich komplett von diesem patriarchalischen Bild verabschiedet und Mitarbeiter in die Eigenverantwortung geschickt – ohne einen Kommunikationsstil, der persönlich verletzend ist.

Trainerin Silke Pirner

Trainerin Silke Pirner

Ein weiterer wichtiger Punkt des Coachings ist die „Fokussierung“: Wenn ich das Pferd führe und selbst gar nicht weiß, wo ich hinwill, wenn ich versuche, das Pferd hinter mir herzuziehen und am besten noch von hinten zu schieben – das funktioniert nicht. Dann bleibt es einfach stehen. Aber wenn ich weiß, wo ich im Parcours entlang will, wenn ich meine Gedanken sortiert habe, dann setzt sich das Pferd wie von alleine in Bewegung.

Ist das Pferd erst mal am Laufen, muss ich mir nicht ständig Gedanken machen, wie ich es weiter in Bewegung halte – ich kann ausatmen und in die Landschaft blicken. Übertragen auf die Firma bedeutet das: Habe ich etwas richtig delegiert, dann läuft das, ohne dass ich immer mit der Peitsche dahinter stehen muss. Habe ich das Tagesgeschäft an gute und verlässliche Mitarbeiter abgegeben, kann ich mir die Zeit nehmen, strategisch die nächsten Zukunftsschritte meiner Firma zu planen.

Silke Pirner, Moses und ich arbeiten jetzt seit knapp einem Jahr regelmäßig zusammen. „Freude, Fülle, Leichtigkeit“ ist der Grundsatz, der dahinter steht – und den habe ich verinnerlicht. Es darf alles laufen, es darf alles fließen und es darf auch Spaß machen. Ich muss nicht täglich etwas machen, das mir keinen Spaß macht – warum denn auch? Das sind Sachen, die mir viel bewusster geworden sind.

Mit der ganzen Mannschaft auf den Pferdehof

Weil ich so überzeugt von der Coaching-Methode bin, habe ich mir vor kurzem alle meine Mitarbeiter geschnappt und bin mit ihnen auf den Kursberg gefahren. Die Leute haben sich am Wochenende extra dafür Zeit genommen. Wir hatten auch Männer dabei – und ich dachte, wenn ich denen sage, wir fahren auf den Pferdehof, dann halten die mich für verrückt. Aber keiner hatte einen Zweifel daran oder dachte, das wäre ein blödes Projekt. Kein einziger hat gefehlt.

Wir hatten auch zwei mit extremer Angst vor Pferden dabei – und trotzdem haben alle diese Übungen mitgemacht. Wir waren insgesamt zwei Tage dort und haben Teamübungen absolviert, vier bis fünf Leute pro Pferd.

Bei den Übungen konnte man wunderbar sehen, wie die Mitarbeiter miteinander kommunizieren, wer Führungspotenzial in sich trägt – und wer sich sogar unterschätzt. Wir haben viel neu definiert in diesen zwei Tagen.

Die Umsetzung ist ein harter Weg

Wir haben Ideen und Visionen entwickelt, wie wir noch besser in unseren Prozessen werden können und wir haben jedem Mitarbeiter ein Stärkenprofil erarbeitet – extra kein Stärken-/Schwächenprofil. Wir haben nur darauf geachtet: Was kannst du? Bist du an der Stelle, auf der du arbeitest richtig – oder an einer anderen Stelle vielleicht noch besser? Das Feedback der Mitarbeiter war weitgehend positiv.

Jetzt sind wir in der Umsetzungsphase. Dass so ein Prozess nicht von heute auf morgen realisierbar ist, ist auch klar – es ist ein harter Weg. Es ist eine Änderung der Unternehmens- und der Kommunikationskultur nötig. Denn das Stärkenprofil ergibt auch: Wie muss ich mit wem reden? Der eine braucht eine weiche Kommunikation, der andere eine klare Ansage – da ist jeder unterschiedlich. Konflikte entstehen ja oft, weil man immer erwartet, dass der andere genauso reagiert wie man selbst. Aber das ist falsch. Deswegen muss ich auch jeden anders behandeln.

Die wichtigste Erkenntnis des Coachings ist sicherlich: Man kann nie den anderen ändern, man kann nur sich selbst ändern.

1 Kommentar
  • Ulrike Rietz, Berlin 5. Februar 2014 20:13

    Liebe Vanessa Weber
    ich freue mich sehr über Ihren Bericht.
    Meine Kollegin Bianca Glöe arbeitet mit ihren Pferden auf ihrem Pferdehof Gut Klein Nienhagen bei Rostock sehr ähnlich wie Sie – quasi ein NordAngebot im Vergleich zum SüdAngebot.
    Im letzten Jahr konnten wir als Leitungsteam zum Thema „Konfliktmanagement für Führungsfrauen“ sehr überzeugende und entwicklungsfördende Erfahrungen machen, die wir in diesem Jahr fortsetzen und ausbauen werden.
    Eine Besonderheit unseres Angebots besteht zusätzlich darin, dass wir auf der Basis der Themenzentrierten Interaktion arbeiten.Bianca Glöe hat darüber einen ausführlichen Artikel geschrieben.Ich lade Sie herzlich ein, dazu einmal unsere homepages zu besuchen
    http://www.ulrike-rietz.com
    http://www.führungskräfte-in-führung.de
    http://www.gutshofurlaub.de
    beratung@ulrike-rietz.com
    Auf einen lebendigen Austausch freut sich
    Ulrike Rietz

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