Management „Das bringt dir keiner bei“

Von der Uni direkt ins eigene Unternehmen: Immer mehr Gründer schreiben schon während des Studiums einen Businessplan. Sie setzen Theorien in die Tat um. Die wichtigsten Lehren für die Praxis - diesmal berichtet Kai Hansen, 29.

Herr Hansen, vier Jahre nach Ihrem Abschluss an der European Business School haben Sie bereits zwei Startups gegründet …

Kai Hansen: Ja, eines mit und eines ohne Erfolg. Der erste Versuch sollte eine Art Facebook für Sportler werden. Als das echte Facebook nach Deutschland kam, wurde es allerdings schwierig. Deshalb habe ich aufgehört, andere führen es mit einem anderen Konzept aber weiter.

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Dafür starten Sie jetzt mit Lieferando durch.

Hansen: Wir beschäftigen 70 Festangestellte – nach nur zwei Jahren. Mittlerweile schalten wir Fernsehwerbung und Plakatkampagnen. Wir beackern Deutschland, die Schweiz und Österreich. Als Nächstes wollen wir in Frankreich und Polen an den Start gehen. Die Zeiten, in denen ich selbst mit dem Fahrrad durchs kalte Berlin gefahren bin, um Restaurants abzuklappern, sind vorbei.

Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell?

Hansen: Mit unserer Hilfe lassen sich Gerichte übers Internet bestellen. Wir sammeln Angebote von Restaurants mit Lieferservice ein und stellen sie auf unsere Plattform: Pizza, Sushi, chinesisch, Döner. Das Potenzial ist riesig. Allein in Deutschland wird jährlich Essen für 4 Mrd. Euro geordert. Und der Markt wächst jedes Jahr um zehn Prozent.

Was haben Sie an der Universität fürs Unternehmerleben gelernt?

Hansen: Mir war schon während des Studiums klar, dass ich eine eigene Firma aufbauen will. Nur in welcher Branche und mit welchem Konzept – das wusste ich nicht. Als Schwerpunkt im Hauptstudium habe ich deshalb Gründungsmanagement gewählt.

Was macht man da?

Hansen: Zum Beispiel haben wir den ganzen Prozess einer Unternehmensgründung durchgespielt: uns eine Geschäftsidee ausgedacht, sie in einen Businessplan gegossen und diesen dann gegen die Kritik unserer Kommilitonen und Professoren verteidigt.

Welche Lektion haben Sie mitgenommen?

Hansen: Dass es wichtig ist, sich und seine Geschäftsidee gut zu verkaufen. An Kunden – und an Investoren. Da hat uns die Uni unterstützt: Bei Veranstaltungen konnten wir erste Kontakte knüpfen. Der eine oder andere hat uns dann zu unseren heutigen Finanziers geführt. Dazu zählen unter anderem der DuMont-Verlag, die KfW-Bank und der Venture-Capital-Geber Mountain Partners.

Auf alles können sich Gründer im Studium sicher nicht vorbereiten. Welche Fehler haben Sie gemacht?

Hansen: Erst hatte ich als Chef überall meine Finger mit drin. Später musste ich lernen, Strukturen zu schaffen, die im Alltag funktionieren, und Verantwortung abzugeben. Ein schwerer Weg. Das kann dir vorher keiner an der Uni beibringen.

Essen per Klick
Kai Hansen, 29, hat nach dem Studium an der privaten European Business School die Bestellplattform Lieferando gegründet

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