Management „Das haben wir ausgetüftelt“

Über Schrauben und Motoren hat sich Patrik Tykesson alles selbst beigebracht. An der Uni lernte er mit Zahlen zu jonglieren. Beide Fähigkeiten nutzen dem E-Bility-Mitgründer heute. Mit seinen Brüdern produziert er Elektroroller im Retrostil.

Herr Tykesson, Sie und Ihre Brüder sind BWLer, keine Ingenieure. Wie haben Sie es geschafft, einen serienreifen Elektroroller zu bauen?

Patrik Tykesson: Unsere Anfänge hatten etwas vom Bill-Gates-Garagencharme. Zunächst haben wir im Hof unserer Eltern getüftelt. Ich habe Unmengen Bücher über Elektrotechnik gewälzt und mir viel selbst beigebracht. Später haben wir mit Entwicklungsingenieuren, dem TÜV-Süd und einem Mechanikermeister zusammengearbeitet. Der erste Roller war nach eineinhalb Jahren fertig. Heute fährt er bis zu 60 Kilometer weit – bei Kosten von 70 Cent für 100 Kilometer.

Anzeige

Was haben Sie aus Ihrem Studium mitgenommen für den Start als Unternehmer?

Tykesson: Ich habe meine Diplomarbeit zum Thema „Markteintritt in Deutschland“ geschrieben. Daher wusste ich, wie man an die Selbstständigkeit herangeht. Und als Betriebswirt habe ich an der International School of Management in Dortmund natürlich wahnsinnig viel übers Controlling gelernt – das kommt uns jetzt zugute, wenn wir den Banken Zahlen für neue Kredite vorlegen. Allerdings lehren Hochschulen meiner Meinung nach trotzdem eher, eine Rolle als Glied in einem Konzern auszufüllen, und weniger Unternehmertum.

Welche Lerninhalte haben Ihnen konkret gefehlt?

Tykesson: Die Uni vermittelt zu wenig Werte. Als Unternehmer habe ich eine moralische Verantwortung gegenüber meinen Kunden und Mitarbeitern. Ohne Werte kann ich langfristig keinen Erfolg haben. Kurse zu guter Unternehmensführung, wie sie gerade an einigen Hochschulen eingeführt werden, gab es in meinem Studium leider noch nicht.

Sie produzieren Ihre Elektroroller im Stil der 1950er-Jahre. Warum setzen Sie auf Retro?

Tykesson: Bei der Gründung 2010 war Elektromobilität ein Fremdwort. Auf Messen kamen die Leute und sagten: „Toproller, aber wo ist der Auspuff?“ Dass Elektroroller funktionieren, glaubten die gar nicht. Deshalb entwickelten wir die Strategie, Nostalgie, also Vertrautheit, mit Innovation zu verbinden. Unsere Roller erinnern an eine Vespa oder Lambretta. Das schuf gerade am Anfang Vertrauen.

Sie fertigen Ihre Produkte in China. Wie haben Sie als Jungunternehmer diesen Sprung geschafft?

Tykesson: Ich bin von Fabrik zu Fabrik gegangen und musste viel Überzeugungsarbeit leisten, damit die Firmen unsere kleinen Stückzahlen produzierten. Gott sei Dank war ich in meinem Studium viermal im Ausland, daher fällt mir der Umgang mit fremden Kulturen leicht.

Mittlerweile brummt das Geschäft. Was wollen Sie mit E-Bility noch erreichen?

Tykesson: Wachstum. Zurzeit sind wir in Österreich, der Schweiz, Holland, der Türkei und Frankreich aktiv. Jetzt sollen Schritt für Schritt neue Länder dazukommen. In den nächsten fünf Jahren wollen wir Marktführer in Europa sein.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...