Management Denn das Auge liest mit

Schiere Pflicht? Wer so denkt, verschenkt die Chance, den Geschäftsbericht als Imageträger einzusetzen. Wie das aussehen kann, zeigt "Reporting" beispielhaft anschaulich.

Es beginnt mit Blättern. Bis zum Innehalten. Gucken, Lesen. Langsames Weiterblättern, mehr Gucken, mehr Lesen. Versinken. Genießen.

Das wäre er, der Anspruch an den idealen Geschäftsbericht. Dieses Kunststück gelingt dem Buch über Geschäftsberichte. „Reporting“ heißt es und versammelt alles, was über Geschäftsberichte zu wissen sich lohnt. Und das auf eine Art und Weise, die vom Blättern über das Schauen bis hin zum Versinken und Genießen führt. Und noch einen Schritt weiter, nämlich zu der Frage: Wenn Geschäftsberichte so toll aussehen können und so viel mehr bieten als Tabellen, Zahlen und Grafiken, nämlich Leben, Gefühl, also das Lebensgefühl der Firma – kurz und gut: Warum machen wir das nicht auch so?

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Auf diese Frage arbeiten Jochen Rädeker und Kirsten Dietz hin. Die beiden Autoren führen die auf Geschäftsberichte spezialisierte Agentur Strichpunkt. Das heißt: Sie haben gelernt, die Berichte vom Kunden aus zu denken. Und alle anzusprechenden Adressatengruppen im Blick zu haben: Aktionäre und Investoren, Analysten und Journalisten, Mitarbeiter und nicht zuletzt die Geschäftsführung. Ihre Hinweise zu „Wie fotografiere ich Chefs für das Vorstandsfoto so, dass sie locker rüberkommen, obwohl sie null locker sind“ sind schon sehr erhellend.

Der lockere Duktus macht auch den Textteil zu einem Vergnügen, zumal alle relevanten Themen so abgehandelt werden, dass sie direkt in die Praxis übertragen werden können: Ablaufpläne, Kosten etc. Nicht ausschließlich zum Schmökern, sondern auch als Nachschlagewerk macht „Reporting“ sich damit unverzichtbar.

Nicht nur für Aktiengesellschaften übrigens, die einen Geschäftsbericht verfassen müssen. Sondern für alle Unternehmen, die solch einen Bericht als Imageträger nutzen wollen. Wie das funktioniert, zeigen beispielhaft zwei Firmen, die turbulente Zeiten durchleben mussten: Dem Charme des Ziegels (in aufblasbarer Ente!) vom Baukonzern Wienerberger ist ebenso schwer zu widerstehen wie dem der lädierten Vorstandsgesichter beim Kranspezialisten Palfinger. Wer so souverän mit Krisen umgeht, wärmt das Herz – ein Image-Boost!

Reporting
Unternehmenskommunikation als Imageträger
Jochen Rädeker und Kirsten Dietz
Verlag Hermann Schmidt, 390 Seiten,
75 Euro

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