Management Der Krieg der Kapseln: Aldi greift Nespresso an

Kaffee in Kapseln ist deutlich teurer als in der 500-Gramm-Packung - aber dennoch beliebt.

Kaffee in Kapseln ist deutlich teurer als in der 500-Gramm-Packung - aber dennoch beliebt.© swiss77 - Fotolia.com

Der Markt für Kaffeekapseln in Deutschland boomt wie kaum ein anderes Produktsegment. Unangefochtener Star ist bislang Nespresso mit seinen teuren Kapseln. Doch die Konkurrenz wird immer größer. Jetzt steigt auch der Discounter Aldi Süd ein.

Ein ungewohntes Bild bietet sich ab kommenden Mittwoch in den Filialen des Discounters Aldi Süd. Der Billiganbieter lädt Kunden zu Espresso und Cappuccino ein. Der Discounterriese will sein neues Kaffeekapsel-System „Espressi“ durchsetzen. Denn das Geschäft mit Kaffeekapseln hat sich zum Milliardenmarkt entwickelt.

Unangefochtener Star der Branche ist bislang Nespresso. Das Tochterunternehmen des Schweizer Nestlé-Konzerns hat die eigentlich eher praktischen als schicken Gebrauchsartikel dank aufwendiger Werbung mit Hollywood-Star George Clooney und edler Aluminium-Hüllen zum Status-Symbol aufgewertet und lässt sich das teuer bezahlen. Eine Nespresso-Kapsel kostet mindestens 35 Cent. Bei etwa sechs Gramm Kaffee je Kapsel ergibt das einen Kilopreis von an die 60 Euro. Das ist rund sechs Mal so teuer wie Kaffee ohne Kapseln und sichert dem Konzern eine üppige Gewinnspanne.

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Discounter Aldi geht den Markt jetzt von der entgegengesetzten Seite an. Zwar ist die Kaffeemaschine von Aldi nicht sonderlich billig. Doch die Kapseln aus wiederverwertbarem Kunststoff sollen weniger als die Hälfte des Nespresso-Preises kosten. Espresso-Aficionados könnten sich allerdings daran stören, dass der Discounter in einigen seiner Kapseln nicht nur Arabica-Bohnen, sondern auch Robusta-Kaffee verwendet. Der ist im Einkauf in der Regel billiger, ihm wird aber auch ein schlechterer Geschmack nachgesagt.

Kaffeekapseln: Instrument zur Kundenbindung

Der Einstieg des Discounters den Markt für Kaffeekapseln könnte noch einmal in Bewegung in dne Markt bringen. „Aldi steigt spät in den Markt ein“, meint der Handelsexperte Matthias Queck vom Beratungsunternehmen Planet Retail. „Vielleicht ist es auch schon zu spät. Aber es kann auch sein, dass Aldi mit seiner Vertriebskraft einen Massenmarkt mit Riesenpotenzial erschließt.“ Attraktiv sei der Kapselmarkt für den Discounter nicht nur wegen der hohen Gewinnspannen. Das eigene Kapselsystem sei auch ein geradezu ideales Instrument zur Kundenbindung.

Andere waren allerdings deutlich schneller als Aldi. So bietet Tchibo schon seit geraumer Zeit ein eigenes Kapselsystem. Und der Lebensmittelgigant Mondelez – vormals Kraft – wirbt mit seinem Tassimo-System um Kunden. Gleichzeitig bringen immer mehr Anbieter Billigkapseln auf den Markt, die in die Nespresso-Maschinen passen, wie etwas der Aldi-Konkurrent Lidl. Und auch bei Rewe und Edeka finden sich preisgünstigere Clone für die Geräte des Marktführers.

Doch noch scheint genug Platz auf dem Markt für alle Wettbewerber. Denn der Durst der Deutschen auf Kapsel-Kaffee scheint unstillbar. Allein im vergangen Jahr wuchs der Absatz nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes um 16 Prozent auf 10.000 Tonnen.

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