Management Deutschland attraktivster Investitionsstandort in Europa

Infrastruktur und Lebensqualität top, Unternehmenssteuern und Arbeitsrecht flop. Doch insgesamt überzeugt Deutschland internationale Topmanager als Investitionsstandort. In Europa ist nur einer unserer Nachbarstaaten noch begehrter.

Die während der globalen Wirtschaftskrise in der Bundesrepublik eingeleiteten Reformen zahlen sich aus: Aus Sicht ausländischer Unternehmer ist Deutschland der attraktivste europäische Investitionsstandort. Es landete in einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young gleich hinter China, Indien, den USA und Brasilien. Die Zahl der Investitionsprojekte in Deutschland stieg demnach 2010 auf Jahressicht um 34 Prozent auf 560. Dabei wurden 12.000 neue Jobs geschaffen – 144 Prozent mehr als 2009.

„Deutschland hat sich nach der Wirtschaftskrise in beeindruckender Weise zurückgemeldet und ist heute eindeutig die dynamischste und wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft Europas“, sagte der Autor der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie, Peter Englisch. Anders als viele andere europäische Länder habe Deutschland frühzeitig Reformen eingeleitet. „Deutschland ist ein Global Player, während andere europäische Länder in die zweite Liga absteigen.“

Anzeige

Stärker noch als Deutschland geriet Polen 2010 in den Blick ausländischer Manager. Die Zahl der Investitionsprojekte wuchs binnen eines Jahres um 40 Prozent auf 143. Österreich sank dagegen besonders deutlich in der Gunst der europäischer Unternehmer – die Investitionen gingen im vergangenen Jahr um 20 Prozent zurück. In Großbritannien und Frankreich stieg die Zahl der Investitionsprojekte um sieben Prozent beziehungsweise sechs Prozent.

Kein Land von Entrepreneuren

Was die bevorzugten Städte in Europa betrifft, punkten London und Paris jedoch. Die beiden Metropolen sind in den Augen ausländischer Manager die attraktivsten Investitionsstandorte noch vor Berlin. Frankfurt am Main folgt auf Platz vier, München landet auf Platz acht. Deutschland ist damit als einziges europäisches Land mit drei Städten in den Top Ten vertreten. Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart belegen im Ranking die Plätze 12, 19 und 23.

Die Befragten schätzen an Deutschland vor allen die Infrastruktur, die Lebensqualität, das soziale Klima und die Qualifikation der Arbeitnehmer. Als vielversprechendste Branchen bezeichnen sie in erster Linie die Automobilindustrie, die Pharma- und Biotechnologie sowie die IT-Branche. Relativ schlecht bewerten die ausländischen Manager den Standort mit Blick auf die Arbeitskosten, die mangelnde Flexibilität des Arbeitsrechts und die Unternehmensbesteuerung. „Besonders schädlich ist, dass es in Deutschland keinerlei steuerliche Erleichterungen für Investitionen in Forschung und Entwicklung gibt“, sagte Englisch. Das sei in fast allen wichtigen europäischen Ländern anders. „Unser Erfolgsmodell basiert auf vorhandenen Stärken. Ein Land der Entrepreneure sind wir nicht“, sagte der Ernst-&-Young-Partner. Sollte die Regierung nicht gegensteuern, drohe Deutschland der Ausverkauf des Know-How.

Die Unternehmensberatung befragte für die Studie 812 Manager international tätiger Unternehmen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...