Management „Loyalität hat mit der Zukunft zu tun“

Der schwedische Autor Micael Dahlén beim impulse-Gespräch.

Der schwedische Autor Micael Dahlén beim impulse-Gespräch. © Julia Wehmeier

Verrückte Welt: Die Erwartungen an Blockbuster wie Avatar schaukeln sich so hoch, dass Trailer mehr Erfolg haben als die Filme. Nur ein Beispiel für den rasenden Wandel der Gesellschaft, sagt Erfolgsautor Micael Dahlén. Im impulse-Interview erklärt er, wie sich auch kleine Unternehmen auf die Erwartungsgesellschaft einstellen können.

Micael Dahlén ist Professor an der Universität Stockholm. In „Nextopia“ beschreibt er, wie eine stetige Erwartungshaltung an Zukünftiges unser Denken bestimmt: Der nächste Job, das nächste Produkt oder die nächste Beziehung müssen immer besser sein als alles zuvor. Die größten Erfolge liegen immer in der Zukunft – und sind darum unerreichbar.

impulse: Sie haben „Nextopia“ 2008 als Zukunftsvision geschrieben. Was ist seitdem passiert?
Micael Dahlén: 2008 haben die Leute zu mir gesagt, dass Nextopia zu verrückt sei. Aber mittlerweile wird ein einzelner Eintrag auf meinem Blog von mehr Menschen gelesen als alle meine wissenschaftlichen Artikel zusammen. Heute ist die Welt viel verrückter als ich mir damals vorstellen konnte. Sie liefert mir mehr und mehr verrückte Fälle, die mich bestätigen.

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Welche denn?
Als ich das Buch geschrieben habe, gab es den Film Avatar noch nicht. Aber er ist ein perfektes Beispiel für den „Trailerismus“: Die Vorschau auf ein neues Produkt ist viel spannender als die Sache selbst. Mehr Menschen haben den Trailer gesehen, als den Film. Die Produzenten haben eine Liste der Kinos herausgegeben, in denen der Trailer Premiere hatte. Und die Tickets zu diesen Vorstellungen wurden bei Ebay für über 100 Dollar gehandelt. Leute haben Tickets nicht wegen des Filmes gekauft, sonderen wegen des Trailers davor. Das ist fantastisch! Die Welt wird immer mehr Nextopia. In jeder Minute.

Sollten Unternehmen darum möglichst schnell neue Produkte auf den Markt bringen? Um jeden Preis?
Genau. Das kann für Unternehmen sehr stressig sein. Ich habe viel mit großen Technologieunternehmen wie Samsung, Ericsson und Nokia zusammengearbeitet. Die haben immer zu mir gesagt, dass sie perfekte Produkte herstellen wollen – und dass das nicht über Nacht gehe. Aber wenn ich mich für mehrere Jahre zum Tüfteln im Keller einschließe, bleibt die Welt oben nicht stehen. Was vor einigen Jahren perfekt geplant war, ist dann überholt. Also muss ich schon jetzt ein Produkt auf den Markt bringen, das gut genug ist.

Wie können Unternehmen denn dann noch für Ihre Produkte werben, wenn nur das Nächste zählt?
Werben Sie nicht erst, wenn das Produkt auf den Markt kommt und planen Sie nicht mit einem kleinen Team von Marketing-Beauftragten. Die ganze Welt ist Ihre Marketing-Abteilung. Kunden wollen mitentscheiden und Feedback geben. Wir designen sogar die Burger bei Mc Donald’s selbst! Sie stehen einer ganzen Welt voller Kunden gegenüber, die Ihr Produkt weiterentwickeln wollen. Nutzen Sie das!

Sollten Unternehmen nicht auch versuchen, Kunden zu halten?
Schon. Aber Loyalität hat nichts damit zu tun, was ein Unternehmen in der Vergangenheit für mich getan hat. Sondern nur mit der Zukunft! Schauen Sie sich die Unternehmen an, die regelmäßig zu den besten Arbeitgebern gewählt werden. Da gibt es eine deutliche Veränderung. Bis vor zehn Jahren wollten junge Menschen bei alteingesessenen Unternehmen arbeiten, ein Teil ihrer Geschichte werden. Solche Unternehmen gibt es sicherlich auch noch. Aber die meisten beliebten Unternehmen sind nicht oben auf der Liste, weil sie in der Vergangenheit Großes geleistet haben. Sondern weil die Menschen Großes von ihnen erwarten.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass wir nur maximal drei Monate am Stück glücklich sind. Wie können Unternehmen ihre Angestellten länger zufriedenstellen?
Sie müssen sich auf etwas freuen. Es ist viel schwieriger geworden, über längere Zeit glücklich zu bleiben. Aber viel einfacher, glücklich zu werden. Konzentrieren Sie sich auf Neues. Stellen Sie sich kleinere Ziele auf dem Weg, die Sie dann abhaken können. Ihre Angestellten werden nicht bei Ihnen bleiben, weil Sie in der Vergangenheit spannende Projekte gemacht haben. Sie bleiben, weil Sie in Zukunft solche Projekte mit Ihnen umsetzen wollen.

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