Management Die nächste Revolution

Die Grenzen zwischen Online- und Offlinehandel verschwinden. Plötzlich ist der Buchladen in der Nachbarschaft wieder konkurrenzfähig - sogar gegen Amazon.

Mehr als 50 Mrd. Euro Umsatz im Jahr, zweistellige Wachstumsraten – keine Frage, der Onlinehandel boomt in Deutschland. Nie zuvor waren Preisvergleiche so einfach und Einkaufen so bequem. Bücher bestellen die Leute bei Amazon, Schuhe bei Zalando, Möbel bei Möbel-Profi, Brillen bei Mister Spex.

Der klassische Einzelhandel, der bislang kein Rezept gegen die Rivalen fand, leidet unter dem Höhenflug. Jahr für Jahr kaufen mehr Leute übers Internet und lassen somit weniger Geld in den Geschäften ihrer Stadt. Ist der Offlinehandel, der Laden an der Ecke, also am Ende? Keineswegs! Denn im Internet beginnt gerade die nächste Revolution. In den nächsten zwei Jahren werden wir erleben, wie der stationäre Handel das Internet für sich entdeckt – und Kunden zurückgewinnt. Der Trend startet in den USA und schwappt dann nach Europa. In Amerika lassen Ladenbesitzer bereits ihren Warenbestand schnell und einfach registrieren, zum Beispiel bei der Einkaufssuchmaschine Milo.

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Das läuft so gut, dass Ebay auf Milo aufmerksam geworden ist – und das Startup für 75 Mio. Dollar gekauft hat. Ebay will nun das riesige Potenzial im stationären Handel anzapfen. Auch Google entdeckt die klassischen Geschäfte für sich und listet künftig bei den Suchergebnissen die Läden aus der direkten Nachbarschaft auf.

Die Onlinegiganten bereiten sich darauf vor, nicht nur Produktsortiment, Verfügbarkeit und Preise von Onlineshops zu erfassen, sondern auch die von lokalen Unternehmen um die Ecke. Ganz bequem können die Betreiber von Geschäften ihren Produktbestand direkt aus ihren Warenwirtschaftssystemen ins Netz stellen. Die Produkte werden dann ortsabhängig im Internet beworben. Die ersten Händler werden sicherlich Filialen von großen Ketten sein. Danach folgen aber schnell die unabhängigen Händler. Und hier muss die Umwälzung des Einkaufsverhaltens noch nicht aufhören. Aus Großbritannien kommt das innovative Unternehmen Shutl. Es ermöglicht die Abholung von Waren bei den Geschäften der Stadt und die sofortige Lieferung nach Hause.

Ich als Kunde kann künftig zu Hause die Regale einsehen. Mit einem Klick vergleiche ich nicht nur Preise, sondern sehe auch, wo in meiner Nähe das Produkt aktuell tatsächlich verfügbar ist. In Echtzeit. Mein Smartphone führt mich dann zu dem Geschäft, das das Produkt vorrätig hat und von anderen Käufern gut bewertet wird. Anders als bei der Onlinekonkurrenz kann ich zum Beispiel die Kleidung ausprobieren. So gehe ich kein Risiko ein, eine Fehlbestellung wieder zurück zur Post schleppen zu müssen.

Will ich ein Buch kaufen, kann ich mich künftig also entscheiden, ob ich bei Amazon bestelle und das Produkt einige Tage später per Post bekomme. Oder ob ich es in 40 Minuten an der Haustür habe. Bereits bezahlt per Kreditkarte, Paypal oder per Rechnung. Der Buchhändler von nebenan bringt es mir vielleicht selbst vorbei – und gibt mir gleich neue Lesetipps.

Fabian Hansmann ist Entrepreneur und Partner bei Founders Link. Der Berliner Inkubator bringt Ideen mit Gründern und Kapital zusammen.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 01/2012.

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