Management Die Nominierten für die Kategorie „Kleiner Mittelstand“

Transparenz von Unternehmen schafft Vertrauen bei Kunden und Investoren. impulse vergibt zusammen mit Partnern aus Politik und Wirtschaft den Preis für die "Beste Finanzkommunikation im Mittelstand". Dies sind die drei Nominierten für die erste Kategorie "Unternehmen bis zehn Millionen Euro Jahresumsatz".

Die Euro-Krise ist noch nicht überstanden, die Konjunkturaussichten trüben sich ein – es herrscht Unsicherheit in Deutschlands Wirtschaft. Um in dieser Phase gute Konditionen bei Banken oder Versicherern zu bekommen, ist viel Vertrauen notwendig. Das erhalten Firmen leichter, wenn sie ihre Finanzierungspartner regelmäßig und umfangreich über den Gang ihrer Geschäfte informieren, wie Studien gezeigt haben.

Neun Unternehmen, die auf Dialog setzen, sind nun für den Preis für die „Beste Finanzkommunikation im Mittelstand“ nominiert. Den Fikomm-Award verleihen bereits zum sechsten Mal der Kreditversicherer Euler Hermes, die Commerzbank und GE Capital gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium, dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Financial Times Deutschland und impulse. Wissenschaftlich begleitet wird die Preisvergabe in der Jury von Stephan Paul, Professor für Finanzierung und Kreditwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Die drei Gewinnerunternehmen erhalten ihre Auszeichnung im Rahmen einer großen Galaveranstaltung am 23. Oktober in Düsseldorf.

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Finanzkommunikation: Offenheit schafft Vertrauen

In turbulenten Zeiten ist Transparenz für Unternehmen eine besonders wichtige Tugend. Denn nur so lässt sich ausreichend Vertrauen schaffen, bei Kunden ebenso wie bei Investoren und Behörden. impulse vergibt zusammen mit Partnern aus Politik und Wirtschaft in drei Kategorien (Kleiner, mittlerer und großer Mittelstand) den Preis für die beste Finanzkommunikation 2012. Hier die nominierten Unternehmen für die erste Kategorie: „Unternehmen bis zehn Millionen Euro Jahresumsatz“.

PFK Group: Das Schweigen der Banker

Platz Eins im letzten Jahr war für Geschäftsführer Uwe Streck ein Ansporn, die Finanzkommunikation seiner PFK Group GmbH (29 Mitarbeiter, 5,5 Mio. Euro Umsatz) erneut weiter zu entwickeln. Seit Januar gibt es auf der Webseite des Dienstleisters für Gabelstapler und Hebebühnen einen eigenen Bereich für die Banken, mit denen Streck zusammenarbeitet. Dafür hat Streck ein Finanzportal eingerichtet, auf das zehn Banken per Kennwort zugreifen können. Dort haben sie direkten Einblick in die Geschäftsberichte und die Umsatzentwicklung der letzten Jahre, zudem können sie sich Statistiken des Unternehmens ansehen und Branchenberichte lesen.

Jeden Monat stellt Streck zudem die aktuellen Monatszahlen seiner fünf Geschäftsbereiche in diesem Finanzportal ein. „Das erspart den Kreditinstituten den Anruf bei uns“, sagt er. Auf diese Weise haben die Banken mit wenigen Klicks die wichtigsten Zahlen des Unternehmens im Blick. Auch für Streck selbst bietet diese Offenheit praktische Vorteile: „Ich muss vor Gesprächen mit den Banken keine Emails mit aktuellen Unterlagen mehr verschicken.“

Allerdings musste Streck auch feststellen, dass die Banken zwar gern Informationen von den Unternehmen erhalten, sich aber offenbar wenig Mühe machen wollen, wenn es darum geht, Informationen von ihrer Seite an die Unternehmen herauszugeben.

Weil er seinen Service weiter verbessern wollte, verschickte Streck im April selbst erstellte Fragebögen an alle zehn Banken, mit denen er zusammenarbeitet. Darin sollten die Institute zum Beispiel angeben, wie sie die Finanzkommunikation der PFK Group einschätzen und nach welchen Kriterien sie die Kreditwürdigkeit des Unternehmens beurteilen.

Das Ergebnis war ernüchternd. Nur vier Banken wollten ihm Auskunft über die aktuelle Ratingbeurteilung geben. „Ich musste feststellen, dass Finanzkommunikation scheinbar nur einseitig funktioniert“, sagt Streck. „Die Banken schreien nach offener Finanzkommunikation, aber gewürdigt werden diese Bemühungen nicht.“ Besonders enttäuscht ist Streck darüber, dass die Banken ihm nicht sagen wollten, wie sie die Kreditwürdigkeit seines Unternehmens beurteilen. An seiner Begeisterung für eine offene Finanzkommunikation ändert das aber nichts, er will genau so weitermachen. „Ich will nach allen Seiten Vertrauen aufbauen, falls das Unternehmen doch mal in eine Krise gerät.“

GfP Gesellschaft für Personalservice: Horrende Nachzahlung

Steffen Schneider ist noch einmal davongekommen. Im Dezember 2010 erfuhr der Geschäftsführer des Personaldienstleisters GfP (168 Mitarbeiter, 3,3 Mio. Euro Umsatz) aus Gera, dass sein Unternehmen eine große Summe an Sozialbeiträgen nachzahlen muss. GfP bezahlt die Löhne und Sozialabgaben seiner Leiharbeiter und geht damit gewissermaßen in Vorleistung für die Kunden, bei denen die Mitarbeiter eingesetzt werden. Der Grund für die geforderte Nachzahlung: Ein Tarifvertrag, den das Unternehmen seit Jahren angewandt hatte, war vom Bundesarbeitsgericht gekippt worden. Deshalb, so Schneiders Befürchtung, müsse sein Unternehmen wohl für vier Jahre die Beiträge nachzahlen.

Die ersten Schätzungen im Januar 2011 ergaben einen Betrag von rund 900.000 Euro. „Das hätte unser Eigenkapital und unsere Kreditlinien bei weitem überstiegen“, sagt Schneider. Deshalb fackelte der GfP-Chef nicht lange und ging schon wenige Tage später zu seiner Bank. „Ich habe dem Kundenberater bei der Hypo Vereinsbank unsere Prognose auf den Tisch gelegt und gefragt, wie wir gemeinsam eine Lösung finden können.“ In den nächsten Monaten standen dann beide in ständigem Kontakt über die Details der Nachforderungen durch die Behörden. „Sobald ich neue Informationen hatte, habe ich sie sofort weitergeleitet“, sagt Schneider.

Weil die Rechtslage unklar war, stand mehrere Monate lang nicht fest, zu welchem Zeitpunkt und welche Summe an Sozialbeiträgen der Personaldienstleister nachzahlen muss. Schneider nutzte die Wartezeit, um alternative Finanzierungsmöglichkeiten vorzubereiten – die am Ende allerdings gar nicht nötig waren, weil die Nachzahlung viel geringer ausfiel, als erst befürchtet worden war.

Contag: Sogar die Burnout-Erkrankung des Chefs wird offen kommuniziert

Der 6. Juli 2007 war ein großer Tag für Andreas Contag, den Gründer und Chef des gleichnamigen Leiterplattenherstellers (80 Mitarbeiter, 8,8 Mio. Euro Umsatz) aus Berlin-Spandau. Nach drei Jahren Planungs- und Bauzeit konnte er vor 900 Gästen die neue Firmenzentrale einweihen. Für rund 1200 Kunden, vom Teddybärhersteller bis zum Raumfahrtkonzern, baut das Unternehmen dort Leiterplatten-Prototypen in geringen Stückzahlen. Der nächste Morgen brachte jedoch das böse Erwachen: Contag brach plötzlich zusammen, er war am Ende, körperlich, psychisch. Diagnose: Burnout. „Drei Jahre lang habe ich mich beim Neubau reingekniet, mich um jede Schraube gekümmert, schlaflose Nächte verbracht. Das war zuviel“, sagt Contag im Rückblick. Zwei Jahre brauchte er, um wieder vollständig zu genesen.

Erstaunlich an dieser Geschichte ist vor allem, dass Contag sie ganz offen erzählt. Absolute Offenheit ist eben nicht nur in der Zusammenarbeit mit den Banken eines seiner Geschäftsprinzipien. Regelmäßig schickt er seinen Hausbanken, der Berliner Volksbank und der Commerzbank, umfangreiche Berichte, in denen er nicht nur die Kennzahlen des Unternehmens offen legt, sondern sie auch detailliert über seine Investitionsplanung informiert. „Wir haben nix zu verstecken“, sagt Contag, „der Bankberater soll verstehen können, warum wir etwa eine neue Produktionsmaschine anschaffen wollen.“

Diese Transparenz pflegt er konsequent im gesamten Unternehmen. So erfuhren damals auch seine Mitarbeiter und die Kunden sofort, dass der Chef schwer erkrankt war. Der Vorteil: Statt Gerüchten über den Gesundheitszustand des Chefs gab es eine klare Ansage über eine begrenzte Auszeit. Inzwischen sitzt Contag längst wieder fest im Chefsessel und freut sich, dass sein Unternehmen einer von rund 70 von früher 500 Platinenherstellern ist, die es in Deutschland überhaupt noch gibt. „Wir sind halt immer weiter gewachsen, die anderen nicht“, meint er dazu lapidar. Das liegt wohl auch daran, dass Contag seit jeher den Leitspruch seiner Mutter befolgt. „Man sollte immer über alles reden“, zitiert er die gelernte Erzieherin, „denn Offenheit schafft Vertrauen.“

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