Management Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Frauenquote

Von Gelassenheit bis Empörung: Unternehmensverbände reagieren auf den Vorstoß des EU-Parlaments, die Frauenquote auch für Mittelständler zur Pflicht zu machen, ganz unterschiedlich. Der BDI nennt sie „mittelstandsfeindlich“, andere bleiben entspannt. Was bedeuten die Pläne für den Mittelstand wirklich?

Was plant das EU-Parlament genau?

Auch kleine und mittlere Unternehmen sollen bis 2020 ihre Aufsichtsräte mindestens zu 40 Prozent mit Frauen besetzen. Bislang hatte der Entwurf der EU-Kommission dies nur für Firmen ab 250 Mitarbeitern vorgesehen. Außerdem sollen Unternehmen, die gegen diese Pflicht verstoßen, schärfer bestraft werden. Sie dürften zum Beispiel nicht mehr an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen. Zudem wollen die Abgeordneten Ausnahmeregeln streichen: So soll die Quote auch für Unternehmen gelten, die weniger als zehn Prozent Frauen beschäftigen. Diese Firmen waren in den bisherigen Plänen der EU-Kommission ausgenommen.

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Wie reagieren die Unternehmensverbände?

„Aufsichtsräte in kleineren Unternehmen haben oft nur drei Mitglieder – da ist eine Frauenquote absurd“, sagte Heiko Willems, Leiter der Rechtsabteilung beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Bei Aufsichtsräten mit drei Mitgliedern müssten schließlich zwei weiblich sein, um die 40-Prozent-Quote zu erfüllen. „Wir fürchten, dass dies Mittelständler davon abhalten könnte, an die Börse zu gehen.“

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag reagierte scharf: Dass nun auch kleine Unternehmen eine Frauenquote in den Aufsichtsräten erfüllen sollen, lasse insbesondere die Bedürfnisse von Familienunternehmen vollkommen außer Acht: „Das Interesse der Eigentümerfamilien, ihre Vertreter in den Aufsichtsrat – unabhängig von deren Geschlecht – zu entsenden, muss neben anderen Härtefällen berücksichtigt werden.“

Welche Firmen wären betroffen, sollte der Parlamentsvorstoß umgesetzt werden?

Sehr wenige, denn die Richtlinie soll nur für börsennotierte Unternehmen gelten. Deshalb äußerste sich Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, auch gelassen: „Börsennotierte Firmen mit weniger als 250 Mitarbeitern sind im deutschen Mittelstand extrem selten.“ Genaue Zahlen gibt es nicht, Experten sprechen davon, dass weniger als 1 Prozent der Unternehmen weniger als 250 Mitarbeiter haben und gleichzeitig börsennotiert sind.

Den BDI beruhigt das jedoch nicht: Der deutsche Gesetzgeber könne schließlich bei der Umsetzung der geplanten Richtlinie in deutsches Recht noch über die EU-Vorgaben hinausgehen. „Sämtliche Entwürfe zur Frauenquote, die in Deutschland in den letzten Jahren vorgelegt wurden, umfassten auch die Aufsichtsräte von mitbestimmten Kapitalgesellschaften – also auch von GmbHs ab 500 Mitarbeitern. Dann wären in Deutschland mehrere tausend Unternehmen betroffen.“, sagte BDI-Rechtsexperte Heiko Willems.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Frauenquote für kleine, börsennotierte Unternehmen tatsächlich kommt?

Sehr unwahrscheinlich. Schließlich muss auch der Ministerrat, in dem die Minister der Mitgliedsländer sitzen, der Richtlinie zustimmen – und dies gilt geradezu als ausgeschlossen. Auch die Bundesregierung hat auf den Vorstoß im EU-Parlament ablehnend reagiert.

1 Kommentar
  • Peter Meier 18. Juli 2013 12:33

    Eher sperre ich meine Firma zu und entlasse alle Mitarbeiter.

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