Management Digitale Supermärkte kämpfen mit neuen Ideen um Marktanteile

Heute gehört es zum Alltag fast alles per Mausklick zu bestellen. Nur bei Lebensmitteln tun sich die Deutschen noch schwer. Dies soll sich nun ändern.

Dass der Einkauf per Mausklick oder App längst zum Alltag geworden ist, beweisen die alljährlichen Umsatzzahlen der Branchenriesen, allen voran Amazon. Ein Bereich konnte von diesem Wachstum bisher kaum profitieren – die Online-Supermärkte. Dies soll sich nun ändern, sagt die Studie „Einkaufen 4.0“ Deutschen Post. Ziel der Studie war es, die Zukunft des Onlinehandels zu beleuchten.

Zugegeben, die Idee ist nicht ganz neu und die Pleite von froodies.de in diesem Jahr zeigt, dass die Idee Haushalte direkt mit Lebensmitteln zu beliefern noch nicht angekommen zu sein scheint. Aber Totgesagte leben länger oder erfinden sich einfach neu. Ein digitalisierter und motorisierter Einkaufswagen kann für viele Vollbeschäftigte eine echte Alternative sein. So versprechen alle am Markt befindlichen Unternehmen Zeitersparnisse von zwei Stunden oder mehr. Das Interesse der Kunden in Deutschland hält sich jedoch in Grenzen. Laut der diesjährigen Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen haben lediglich sieben Prozent der Konsumenten in Deutschland Interesse an einem digitalen Supermarktangebot.

Anzeige

Vielleicht liegt es daran, dass sich die Konzepte der Anbieter meist nur geringfügig in Angebot und Preisstruktur unterscheiden. Ein weiterer Grund kann in der regionalen Begrenztheit zu finden sein. Denn im Mittelpunkt steht bei allen die Fokussierung auf Großstädte. So findet man in Hamburg supermarkt.de, in Berlin hellofresh.de, allyouneed.com und food.de und in München das junge Start-up freshfood.de. Fast alle Unternehmen verfügen über ein breites Warensortiment von Tiefkühlkost, über Konserven und Getränke bis zu frischem Obst und Gemüse. Auch die Preise unterscheiden sich nicht von herkömmlichen Supermarktketten, lediglich die Lieferkosten variieren zwischen 3,90 Euro und 4,95 Euro, je nach Anbieter.

Das Hamburger Start-up supermarkt.de bietet, seit seiner Gründung im Dezember 2011, ein Vollsortiment für seine Kunden. Über ein eigenes Zentrallager werden die Bestellungen laut Unternehmensangabe innerhalb von 60 Minuten innerhalb geliefert werden, oder auf Wunsch Stundengenau. Für dieses umfassende Konzept wurde supermarkt.de mit dem „Best of 2012“-Award in der Kategorie „IT-Innovations E-Commerce“ der Initiative Mittelstand ausgezeichnet.

Auch der Münchner Branchenneuling freshfood.de setzt mit einem „24-Stunden-sieben-Tage die-Woche“ Konzept auf Vollzeitarbeiter, die ihren Feierabend nicht mit Einkäufen verbringen möchten. Freshfood setzt im Gegensatz zu supermarkt.de auf eine enge Anbindung an den Münchner Großmarkt. „Durch tägliche Lieferung vom Großmarkt und optimale Lagerung sind alle Waren immer in bester Qualität. Fleisch- und Wurstwaren werden täglich produziert. Semmeln und Brezeln mehrmals täglich gebacken,“ teilt freshfoods auf seiner Homepage mit.

Die vielleicht spannendste Idee liefert aber das Berliner Start-up hellofresh.de aus dem Umfeld des Start-up Inkubators Rocket Internet der Samwer-Brüder. Im Gegensatz zur Konkurrenz verschickt hellofresh.de nicht einfach nur Lebensmittel, sondern ganze Mahlzeiten. Einmal pro Woche werden die Kunden nach Wunsch mit einer Zutatenbox für drei bis fünf Mahlzeiten beliefert. Diesen Boxen liegen fertige Rezepte bei, die auf die Zutaten abgestimmt sind. Hellofresh.de verspricht auf seiner Website, dass die Zubereitung der Gerichte nicht länger als 30 Minuten dauert und nicht mehr als 750 Kilokalorien pro Mahlzeit auf den Teller kommen.

Der Erfolg scheint dieser Start-up-Idee, eines begrenzten und zugeschnittenen Angebots, recht zu geben. In einer aktuellen Mitteilung vermeldet hellofresh.de den Absatz von einer Millionen Mahlzeiten in den letzten neun Monaten und sieht sich damit als führender Online-Versender von Rezeptideen und Lebensmitteln in Deutschland. „Es gibt einen Riesen-Unterschied zwischen dem Versuch, einen traditionellen Supermarkt online zu bringen, und dem, was wir machen: Wir bieten keine Lebensmittel, sondern Gerichte an“, sagte Mitgründer Dominik Richter gegenüber der dpa. Das reduziere den Aufwand: „Wir kaufen genau das ein, was wir auch verschicken.“ Für 39 Euro bekommt der Kunde eine Tüte für drei Mahlzeiten und für zehn Euro mehr eine Tüte für fünf Gerichte.

Laut des Bundesverbandes Lebensmittel-Onlinehandel, dem Zusammenschluss aller Online-Lebensmittelhändler, erwarten die Anbieter große Wachstumschancen auf bis zu 15 Prozent Marktanteil gegenüber dem Einzelhandel in den nächsten drei Jahren. Christian Heitmeyer, Präsident des Verbands und Gründer von allyouneed.com, sagt dazu: „Der Lebensmittelhandel steht vor großen Herausforderungen. Neue Lebenskonzepte der Verbraucher erfordern neue Konzepte. Die aktuelle Entwicklung der Technik macht rasche Umsetzung möglich: mobiles Internet, Smart-Devices etc.“

Auch die Studie „Einkaufen 4.0“ der Deutschen Post kommt zu dem Ergebnis, dass Onlineshopping die Lebensqualität von Älteren und Berufstätigen deutlich erhöht und die Konsumlust in diesem Sektor weiter steigen wird. Schon heute können sich mehr als die Hälfte aller Konsumenten eine Welt ohne Onlineshopping nicht mehr vorstellen. Jedoch befindet sich der Online-Supermarkt noch nicht unter den Top Ten der beliebtesten digitalen Einkaufsmöglichkeiten. Auf diesem Gebiet muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit sich die Prognosen des Verbandes bewahrheiten können.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...