Management Du sollst Deine Zielgruppe lieben. Und loben.

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© Tollabox

Ein kleiner Witz hier, eine abfällige Bemerkung da. In vielen Firmen wird hinter vorgehaltener Hand gelästert - über die eigenen Kunden. Doch wer seine Zielgruppe nicht wertschätzt, scheitert auf lange Sicht. Unternehmerin und impulse-Bloggerin Béa Beste plädiert für einen liebe- und respektvollen Umgang der Markenmacher mit der Zielgruppe - und zeigt ein Beispiel aus ihrer Social Media Arbeit.

Mein allererster Job nach dem Studium war bei SAT.1, den Harald Schmidt damals „liebevoll“ Kuschelsender nannte. Als frisch gebackene Absolventin der Universität der Künste Berlin erlebte ich in den geheiligten Hallen der privaten Sendeanstalt ganz unterschiedliche Einstellungen der Fernsehmacher und -marketer zu ihren Zuschauern. Anfangs fand ich es lustig, wenn einige Zyniker in Programmetagen und Redaktionen über die “Bananenbieger und Bettnässer” lästerten. Aber je mehr ich als Produktmanagerin Quoten und Zuschauerströme analysierte, merkte ich die simple Wahrheit: Die Lästerer waren nicht die Quotenkönige. Die wirklich erfolgreichen Fernsehmacher waren die, die respektvoll und schön von ihren Zuschauern sprachen. Die mit Freude Programm für ihre Zielgruppe machten und sich mit ihr über das Programm freuen konnten.

Respekt, Augenhöhe, Empathie

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Mir wurde klar: Wer seine Zielgruppe nicht liebt und über sie spottet, der wird sie auch nicht verstehen können –  geschweige denn ihr das geben, was sie sucht. Begegnet man einem Menschen hochnäsig, kann man nie vollständig auf ihn eingehen und seine Perspektiven, Vorlieben und Abneigungen verstehen. Ein Mensch, den du nicht ernst nimmst und dem du keine Anerkennung schenkst, wird dir instinktiv kein Vertrauen schenken. Ich habe damals gelernt, dass selbst die verächteten Daily Talks Gutes bewirken konnten, wenn Menschen dabei nicht vorgeführt wurden, sondern Hilfe bei der Lösung ihrer Probleme bekamen.

Herzblut, Emotion, Mitfühlen

Meine ganze berufliche Laufbahn hat stets mit Marken und Menschen zu tun, ob in B2C oder B2B. Markenaufbau ist immer eine emotionale Angelegenheit. Wie schön ist es, wenn die Menschen, die dein Produkt kaufen sollen, spüren, dass deine Marke auf der gleichen Wellenlänge schwingt?

Aktuelles Beispiel: Mein Produkt ist die Tollabox, eine Bastel- und Entdeckerbox für Kinder und Familien. Unsere Zielgruppe sind Mütter und Väter. Meine Hauptbeschäftigung ist, sie zu verstehen und sie in ihrem Alltag mit Kindern zu unterstützen. Und zu loben! Denn sie haben es verdient!

Herausforderungen der Zielgruppe erkennen und benennen

Wir wissen zu gut, mit welchen Herausforderungen Eltern täglich konfrontiert werden! Kinder erziehen ist wirklich nicht leicht. Wer Kinder hat, weiß es: Sie kostet Nerven und Zeit. Der Alltag und Lebensrhythmus der Eltern wird zwangsläufig komplett auf den Kopf gestellt. Eine Mutter investiert im Durchschnitt 15.000 Stunden um ein Kind aufzuziehen. Schon allein im ersten Lebensjahr des Kindes bekommen Eltern etwa nur fünf Stunden Schlaf pro Nacht.

Eine Studie des Statistischen Bundesamtes hat ergeben, dass Familien bis zur Volljährigkeit der Kinder mit einer Mehrbelastung des Familienbudgets von mindestens 120.000 Euro rechnen müssen. Das erfordert Superkräfte. Aber Eltern sein macht stark, denn lieben und geliebt zu werden eröffnet neue Dimension. Durch den Alltag mit Kindern verfügen Eltern über Fähigkeiten, die man in keinem Studium lernt. Die meisten bemerken diese großartige Leistung erst, wenn sie selbst Eltern werden. Ein bisschen spät für Anerkennung, finden mein Team und ich.

“Eltern haben Superkräfte” verbreitet sich viral

Unser erster Facebook Post dazu, in dem einige Superkräfte von Eltern aufgezählt werden, hat gezeigt dass, viele unserer Meinung sind: Er wurde über 2500 Mal geteilt!
Eltern

Und noch schöner: In den Kommentaren merkt man, dass jeder etwas dazu beizutragen hat, eine neue Idee, eine neue Superkraft. Größere Unternehmen im gleichen Feld wie Baby Walz haben das inzwischen aufgegriffen und dies mit größtem Erfolg. Jetzt haben wir auf unserem Blog ein Superkräfte-Liste mit dazugehörigem Video erstellt, das die Superkräfte von Eltern aufzeigt. Denn soziale Anerkennung ist ein erster Schritt, um Eltern zur Seite zu stehen. Warum? Weil wir alle was von Kindern haben.

Fazit: Was können Unternehmer daraus lernen?

Meine Tipps sind einfach:

 

  1. “Love it or leave it!” – wenn du deine Zielgruppe nicht respektierst, solltest du dich besser mit einer anderen beschäftigen.
  2. Hinhören, Verstehen, Fragen – hab stets ein Ohr am Puls der Zielgruppe. Social Media ist vor allem ein Kanal, der sich nicht nur zum Senden, sondern auch zum Empfangen hervorragend eignet.
  3. Anerkennung zeigen – aber bitte mit Humor.  Alles andere wäre rumschleimen.

Früher hat man gesagt: “Put your money where your mouth is.” Ich wandle das jetzt in “Put your heart where your target group is”. Passt eigentlich prima!

1 Kommentar
  • Ingo Ullrich 9. Dezember 2013 17:52

    Zu Ihrem Artikel „Du sollst Deine Zielgruppe lieben“

    Es ist eine Schande , das diese Themen überhaupt aufgegriffen werden müssen,

    das zeugt von mangelhafter bis überhaupft nicht vorhandener (Unternehmer) Kultur … und

    reduziert sich letztendlich auf = „wer die Hand beißt, die ihn füttert , wird verhungern“

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