Management Eigentümer wollen nicht überrascht werden

Transparenz von Unternehmen schafft Vertrauen bei Kunden und Investoren. impulse vergibt zusammen mit Partnern aus Politik und Wirtschaft den Preis für die beste Finanzkommunikation 2011. Die drei Nominierten für die zweite Kategorie "Unternehmen bis 100 Millionen Euro Jahresumsatz".

Kategorie II: Unternehmen bis 100 Millionen Euro Jahresumsatz

BN Automation: Abhängigkeiten vermeiden

Seine Aktionäre will Frank Bonitz nicht enttäuschen. Deshalb ist das Motto des Mitgründers und Vorstandschefs von BN Automation (BNA) „Vertrauen durch Transparenz“. Obwohl die Aktien der Firma (Umsatz 2010: knapp 10 Mio. Euro; 86 Mitarbeiter) aus dem thüringischen Ilmenau nicht an der Börse gehandelt werden, orientiert sich Bonitz mit seinem Informationsangebot an dem börsennotierter Gesellschaften. So will er die Anteilshalter langfristig binden. Und das ist wichtig für den Erfolg des Unternehmens, das Lösungen im Bereich der Automation und Netzwerke anbietet und für Kunden wie Eckes-Granini France, Condomi oder die Landestalsperrenverwaltung Sachsen tätig ist. Denn fast die Hälfte der Aktionäre sind Mitarbeiter von BNA. Seit die 1990 gegründete Firma im Jahr 2000 in eine AG umgewandelt wurde, wollten die Gründer ihre Angestellten am Unternehmen beteiligen. Über ein Mitarbeiteraktienprogramm können sie seither Aktien zu Vorzugskonditionen erwerben und so zu Kapitalgebern werden.

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Mit detailliert aufbereiteten Informationen zum Gang der Geschäfte will Bonitz Abhängigkeiten vermeiden, indem er auch alternative Kapitalgeber überzeugt. Neben den Aktionären zählen daher auch Banken und Versicherer sowie ausgewählte Lieferanten oder potenzielle Mitarbeiter zu den Adressaten der Finanzkommunikation. Der Erfolg gibt Bonitz Recht: Für Kredite müsse BNA heute weniger Sicherheiten stellen, – bei verbesserten Konditionen.

Human: Bloß nicht überraschen

Ein hohes Risiko gehört für Ralph Neuberger zum Geschäft. Denn seine Kunden sind zum größten Teil in Entwicklungs- und Schwellenländern ansässig. Für den Geschäftsführer der Medizintechnik-Firma Human Gesellschaft für Biochemica und Diagnostica eine gewaltige Herausforderung. Denn der größte Posten in der Bilanz der Wiesbadener sind seit jeher offene Forderungen. Und auf diesen unbezahlten Rechnungen bleibt Neuberger schnell mal sitzen. Zum Problem wurde das im Jahr 2009 mit der Kundschaft in Ländern, die stark von Rohstoffexporten abhängig sind, wie Nigeria, Angola, Elfenbeinküste oder auch Venezuela: Weil manche der staatlichen Abnehmer damals nicht mehr zahlen wollten oder konnten, stiegen bei Human die offenen Forderungen massiv an. Schließlich musste man einiges abschreiben – und hatte seine Kreditlinien irgendwann weitgehend ausgeschöpft. Die Reaktion war bemerkenswert: Neuberger zog sich nicht zurück, sondern ging in der Finanzkommunikation in die Offensive, stellte nicht mehr nur Quartalszahlen, sondern auch monatliche „Flash-Reports“ bereit, inklusive aktueller Liquiditätsübersichten. Um Banken und Gesellschafter zu beruhigen, sagt der Chef. Und das ist ihm offensichtlich auch gelungen. Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz um zehn Prozent und die offenen Posten schrumpften um 15 Prozent.

Zu den Adressaten der Finanzkommunikation zählen nicht nur die Banken von Human. Vor allem der Alleininhaber, ein hanseatischer Privatmann, der die Firma 2005 über eine Beteiligungsgesellschaft kaufte, will sehr regelmäßig informiert werden. Fünf Mal im Jahr bekommt er ausführliche Informationen, in schwierigen Phasen auch Monatsreports. Denn für den Eigentümer ist es extrem wichtig „nicht überrascht zu werden“, sagt Geschäftsführer Neuberger.

ICT: Immer locker bleiben

Mit Andreas Burger änderte sich so einiges in der Finanzkommunikation des Multimedia-Anbieters ICT (Innovative Communication Technologies; Umsatz 2010: 23 Mio. Euro , 100 Mitarbeiter). Vor zehn Monaten kam der Finanzchef von einem börsennotierten Unternehmen zum Mittelständler nach Kohlberg in Baden-Württemberg und griff konsequent durch. „Es war mein persönlicher Anspruch, die Finanzkommunikation auf neue Füße zu stellen“, sagt der CFO. Seitdem hat er eine klare Struktur für die Kommunikation mit allen Finanzierungspartnern und den 100 Mitarbeitern eingeführt. Sein oberstes Ziel: Transparenz. Er entwarf eine Strategie, die er allen Adressaten auch persönlich erklärte.

Das Unternehmen bietet großformatige Bildschirme mit Licht- und Tontechnik für Veranstaltungen und Messen an. Aber auch Komplettlösungen für Präsentationen stemmt der Mittelständler. Spezialisiert ist die ICT AG auf Auto-Shows. Wenn eine Großveranstaltung wie die Internationale Automobil Ausstellung (IAA) ansteht, setzt das die gesamte Firma unter Hochdruck. Frühzeitig informierte Burger Mitarbeiter und Finanzpartner in Sonder-Reports über das Großprojekt im dritten Quartal 2011. Seit Burger das Sagen hat, gibt es regelmäßig Berichte, die möglichst aktuell informieren sollen. Neben Quartals- und Zwischenreports erstellt und verschickt Burger häufig Berichte zu verschiedenen Anlässen und Themen. Er suchte neue Bankpartner und hält diese konsequent über Unternehmenszahlen auf dem Laufenden. Auch über die neue Finanzierungsstruktur, die jetzt drei Großbanken und eine regionale Bank umfasst. Zu denen will Burger den persönlichen Kontakt pflegen. Er hat es sich zum Ziel gemacht, jeden Bankberater alle zwei Wochen zu treffen. Am liebsten ungezwungen beim Mittagessen. Das scheint zu wirken: Verdoppelte Kreditlinien bei weniger Sicherheiten und als Bewertung eine glatte Eins als Note vom Bankberater für die ICT AG.

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