Management Einkaufen ohne Zettel und Geld

Im Saarland demonstrieren Wissenschaftler in einem Versuchssupermarkt, wie das Internet der Dinge Einzug ins tägliche Leben halten könnte.

Der Supermarkt der Zukunft eignet sich nicht wirklich zum Einkaufen. Sämtliche Produkte sind Attrappen. Wer das Innovative Retail Laboratory (IRL) des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der Handelskette Globus in der saarländischen Kleinstadt Sankt Wendel besucht, erlebt auf 500 Quadratmetern die Einkaufsinfrastruktur von morgen. „Bisher sind Produkte relativ dumm“, sagt Professor Antonio Krüger, Leiter des IRL. „Wir verfolgen hier einen radikalen Ansatz: Das Produkt soll intelligent werden.“ Die automatische Identifikation durch RFID macht’s möglich.

Vor dem Einkauf steht der Einkaufszettel. Im IRL ist dieser nicht handgeschrieben, sondern wird vom intelligenten Kühlschrank zu Hause zusammengestellt, gestützt auf eine automatische Inventur des Kühlschrankinhalts. Die bucht historische Verbrauchsdaten und eigene Wünsche ein. Die Waren können direkt nach Hause geliefert werden.

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Wenn man stattdessen in den Supermarkt geht, lädt ein vernetzter Einkaufswagen die Liste aus dem Internet und zeigt sie dem Kunden auf einem Touchscreen an. Der Wagen erstellt dann eine optimale Route und navigiert den Kunden durch den Supermarkt. Dazu bestimmt er die eigene Position anhand im Boden versenkter RFID-Chips. Sobald die Ware in den Korb gelegt wird, verschwindet sie von der Liste.

Denn jedes Produkt ist mit einem RFID-Chip gekennzeichnet, den der Wagen ausliest. Sobald sich der Kunde einem Regal nähert, zeigt eine digitale Auszeichnung den Preis an. Auf dem Display des Wagens oder dem eigenen Smartphone erhält der Kunde zudem detaillierte Wareninformationen. „Durch die individuelle Identifikation jedes einzelnen Produkts können wir ein Produktgedächtnis aufbauen“, erklärt Krüger. Jeder Joghurtbecher weiß, wann er wo abgefüllt wurde, durch welche Lager er gegangen ist und ob die Kühlkette immer intakt war. Vor allem im Frischebereich, bei Gemüse und Obst, ist das wichtig.

Intelligente Regale oder Frischetheken melden den Mitarbeitern, wann Nachschub nötig ist oder dass die Ware unordentlich angeordnet ist. Zum Schluss schiebt der Kunde den Einkaufswagen durch ein RFID-Gate, das die Kasse ersetzt. Der Betrag wird automatisch vom Konto des Kunden abgebucht, oder er zahlt bar. Es wird allerdings noch dauern, bis jeder Joghurtbecher denken kann. „Damit sich RFID-Markierungen auf einzelnen Lebensmittelpackungen rechnen, müssen die Preise dafür in den Sub-Cent-Bereich gehen“, sagt Krüger. Bislang lohne sich das nur bei höherwertigen Produkten.

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