Management Er brachte die Flugzeuge zu Daimler: Edzard Reuter wird 85

Ex-Chef von Daimler-Benz, Buchautor und Gründer einer Stiftung - der frühere Manager Edzard Reuter hat viele Gesichter. Die meisten denken bei seinem Namen allerdings zuerst an seinen geplatzten Traum.

Wäre es nach ihm gegangen, würde Daimler noch
heute Flugzeuge bauen: Edzard Reuter, der frühere Chef des
Daimler-Benz-Konzerns, wird an diesem Samstag (16. Februar) 85 Jahre
alt. Während seiner Zeit als Vorstandschef wollte Reuter den
Autokonzern in ein Technologie-Imperium verwandeln. Doch seine Vision
scheiterte – und Reuter musste sich letztlich von Kritikern als „der
größte Kapitalvernichter aller Zeiten“ schelten lassen.

„Darüber habe ich immer gelacht“, sagte er einst in einem
Interview. „Es ist doch unsinnig, nur die Entwicklung des
Aktienkurses in einer bestimmten Periode zum Maßstab des Erfolgs zu
machen. Da ist eine längerfristige Strategie überhaupt nicht mehr
möglich.“

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Und die hatte Reuter: Ende der 1980er Jahre hatte der Manager die
Vision, aus Daimler (erst Daimler-Benz, später DaimlerChrysler, heute
nur noch Daimler) einen breit angelegten Technologiekonzern zu
machen. 1989 verhalf er den Stuttgartern sogar zu einer eigenen Luft-
und Raumfahrttochter, der DASA. Auch AEG, Dornier und MTU gehörten zu
dem Imperium, das Reuter zwar viel Aufmerksamkeit, dem Konzern
allerdings Milliardenverluste einbrachte.

„Ich denke nicht gerne an die Tage nach meinem Ausscheiden
zurück“, räumt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa ein. An
seine aktive Zeit beim Unternehmen erinnere er sich hingegen „mit
großer Genugtuung.“

Ob er noch einen Mercedes fährt? „Aber selbstverständlich.“ Zu
Daimler führt ihn sein Weg darin allerdings nicht. Er habe dort
mittlerweile kein Büro mehr und verfolge die Entwicklung des Konzerns
nun „als außenstehender Beobachter“, sagt er. Daimler ist heute
längst wieder im ursprünglichen Kerngeschäft mit Autos angekommen.

Reuter selbst hat heute ohnehin anderes im Kopf als Bilanzen und
Vorstandssitzungen: Zusammen mit seiner Frau Helga hat er eine
Stiftung gegründet, die sich für das Zusammenleben von Migranten und
Deutschen einsetzt. Reuter wuchs in der Türkei auf. Das sei auch ein
Grund für sein Interesse an dem Thema.

„Manchmal fällt mir dann auch noch ein, ein Buch zu schreiben“,
sagt der frühere Daimler-Chef. Aktuell erscheine sein neustes Werk,
das sich mit Europa befasse. „Ich gebe mir Mühe, das politische und
wirtschaftliche Geschehen zu verfolgen.“ Reuter, Sohn des legendären
Berliner Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter, ist langjähriges
SPD-Mitglied.

An Diskussionen über zu hohe Vorstandsgehälter beteiligt sich der
ehemalige Manager ebenso wie an Debatten über Stuttgart 21. Vor allem
sein Interesse an dem Bahnprojekt überrascht nicht: Reuter ist zwar
gebürtiger Berliner, aber seit Jahren in Stuttgart zuhause.

Seinen Geburtstag will Reuter daher ebenfalls im Ländle feiern.
„Und zwar ohne jedes Brimborium“, wie er betont. Obwohl er während
seiner Zeit bei Daimler oft im Rampenlicht stand, ist ihm Wirbel um
seine Person eigentlich eher unangenehm. „Ich bin ein großer Freund
davon, dass es auch Privatheit geben muss – darauf habe ich auch in
meiner beruflichen Tätigkeit Wert gelegt.“

Schon vor vielen Jahren haben seine Frau und er aufgehört, sich zu
besonderen Anlässen zu beschenken. „nsere Geschenke sind glückliche
Umstände. Urlaub, ein gemeinsames Erlebnis oder eine
Theateraufführung.“

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