Management „Es gibt große Unterschiede“

Kritiker sehen Interessenkonflikte, wenn Banken im Geschäftsfeld Family Office tätig sind. Auch die Privatbank Pictet & Cie bietet Leistungen eines Family Office an, versteht sich dabei aber als Berater. impulse sprach mit Armin Eiche, Mitglied der Geschäftsleitung.

Armin Eiche
Armin Eiche ist Mitglied der Geschäftsleitung von Pictet & Cie (Europe) und für das Private-Wealth-Management-Geschäft der Pictet Gruppe (PWM) in Deutschland verantwortlich. Bevor er 2011 zu Pictet stieß, war er verantwortlich für Strategie und Kundenbetreuung des Private Wealth Management der Deutschen Bank. Pictet, 1805 in Genf gegründet, zählt zu den führenden Privatbanken der Schweiz, hat sich auf Vermögensverwaltung spezialisiert und bietet auch Family-Office-Dienstleistungen an.

Family Offices sollen für ihre Kunden den Banken auf die Finger schauen. Warum sollte ich mein Family Office dann gerade bei einer Bank haben?

Eiche: Wenn ich jemanden anstelle, der ausschließlich für mich arbeitet, werde ich dieser Person auch zu 100 Prozent vertrauen. Bei einer Bank kann immer ein Restzweifel bleiben. Hier sind die Banken gefragt, Transparenz zu zeigen und zu demonstrieren, dass sie professionell und im Interesse des Kunden agieren.

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Aber was können Banken besser?

Eiche: Es geht nicht darum, in eine Konkurrenz zu einem Family Office zu treten. Wir wollen ja nicht Familien überzeugen, ihr Family Office aufzugeben.

Sondern?

Eiche: Es stellt sich nicht die Frage, ob eine Bank gebraucht wird, sondern in welchem Umfang und für welche Dienstleistungen. Wir sind mit mehr als 3000 Leuten weltweit gut aufgestellt, attraktive Investitionsmöglichkeiten zu finden. Unsere Family-Office-Kunden können je nach Bedarf auf ein umfangreiches Research, ein internationales Netzwerk und auf unabhängige Beratung zurückgreifen.

Sie beraten aber nicht nur, sondern bieten Kunden auch ein komplettes Family Office an. Geraten Sie da als Bank, die eigene Fonds verkauft, nicht in Interessenkonflikte?

Eiche: Nehmen wir an, das Family Office sucht einen US-Technologiefonds. Dann schlagen wir die fünf führenden Fonds vor. Hätte Pictet so einen Fonds und wäre unter den Führenden – das lässt sich ja nachvollziehen -, würden wir unseren Fonds natürlich auch selbst vorschlagen. Der Kunde kann aber immer sagen: Das möchte ich nicht.

Er hat also die letzte Entscheidungsgewalt?

Eiche: Ja, die muss er haben. Und wenn er es möchte, kann er auch ganz ausschließen, unsere eigenen Fonds für die Allokation zu berücksichtigen.

Aber wie soll er beurteilen, ob Fonds A oder B besser ist?

Eiche: Da gibt es diverse Kennzahlen zur Messung von Qualität und Performance. Dieser Prozess ist heute sehr transparent. Sollten diese Informationen dem Kunden nicht genügen, besteht die Möglichkeit, externe Consultants hinzuzuziehen.

Wenn ein Family-Office-Kunde Ihre Fonds kauft, verdienen Sie dreifach: an der Betreuung, den Kickbacks, also den Provisionen, und der Managementgebühr. Ein gutes Geschäft.

Eiche: Dem ist ja nicht so. Die Kickbacks, die von Drittanbietern gezahlt werden, kehren wir an die Kunden aus. Das wird neuerdings auch vom Gesetzgeber so gefordert, wir haben dies aber schon jeher so gehandhabt. Bei hauseigenen Fonds fließen ja keine Kickbacks, und die Management-Fee wird transparent und nachvollziehbar auf unser Verwaltungshonorar angerechnet. Wenn wir mehrfach kassieren würden, würden wir uns unglaubwürdig machen.

Das heißt, bei Family Offices im Bankbesitz gibt es keine Interessenkonflikte?

Eiche: Bei einer Großbank wird naturgemäß alles vom Investmentbanking bestimmt, weil dort die wesentlichen Erträge anfallen; somit stecken die Interessenkonflikte im System. Wenn Sie Kapitalmarkttransaktionen für ein Unternehmen durchführen, werden Sie sich hüten, schlecht über diese zu sprechen. Wenn Sie wie wir nur Vermögensverwaltung anbieten, haben Sie diesen Interessenkonflikt nicht.

Also sind nur die Großbanken die bösen Buben?

Eiche: Zumindest hat ein Geschäftsmodell mit Investmentbanking und Unternehmensfinanzierung auf der einen und Privatkunden auf der anderen Seite immer diesen Interessenkonflikt. Außerdem sind die Großbanken in der Regel börsennotiert und somit auch kurzfristigen Zielen unterworfen. Ich sehe da einen sehr wesentlichen Unterschied.

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