Management Europäische Geschäftsleute ächzen unter Chinas neuen Visaregeln

China ändert seine Visaregeln. Noch bevor alle Details klar sind, stranden deutsche Geschäftsleute tagelang in Hongkong. Die EU-Handelskammer klagt über striktere Regeln für Geschäftsleute und kritisiert das chinesische Rechtssystem.

Menschenmassen schieben sich durch die engen Gassen im Hongkonger Stadtteil Kowloon. Auf Dutzenden Schildern werben Visaagenturen und Reisebüros um Kunden. Bislang hatte Hongkong einen Ruf als unkompliziertes Paradies für die schnelle Visavergabe für China. Aber seit China seine Visaregeln ändert, gibt es Probleme. Ursprünglich wurde der 1. Juli als Stichtag für das neuen Ein- und Ausreisegesetz genannt, dann der 1. September. Aber schon jetzt stranden deutsche Geschäftsleute tagelang in Hongkong.

Der Geschäftsmann Heiko Appenrodt wollte eigentlich zu einer Messe nach Shanghai, aber die Ausstellung seines Visums dauerte länger und länger. Sechs Tage saß er in Hongkong fest. „Ich wollte ein Expressvisum, aber dann hieß es, das gebe es kurzfristig für Europäer nicht mehr“, sagt Appenrodt. Aus dem Trip für zehn Tage wurden letztlich nur drei. „Ursprünglich wollten wir für 50 000 Dollar Babyprodukte einkaufen, aber wegen der kurzen Zeit wurden nur 10 000 Dollar daraus“, sagt er. Da EU-Bürger bis zu 90 Tagen in Hongkong kein Visum brauchen, war die Stadt vor Chinas Festland bislang beliebte Station, um kurzfristig ein Einreise nach China vorzubereiten.

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Teilweise sehr strikte Auslegung der Visaregeln
Die EU-Handelskammer in Peking sieht in den Schwierigkeiten grundsätzliche Probleme: „Das ist ein weiteres Beispiel für die Unvorhersagbarkeit des chinesischen Rechtssystems, das eine gewaltige Auswirkung auf die Geschäfte von Ausländern hat.“ China begründet den Schritt mit der hohen Zahl von Ausländern im Land. Alleine im Jahr 2011 sollen es 220 000 Menschen gewesen sein. Schon jetzt seien Fälle bekannt, in denen die Behörden der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt die Visaregeln viel strikter ausgelegen, kritisiert die EU-Handelskammer in einem Statement. In einer Umfrage unter den Mitgliedern der Kammer hatte rund jedes dritte Unternehmen Visaregelungen und Arbeitserlaubnisse als gravierende Hürde für die Geschäfte in China beschrieben.

Noch immer ist nicht abschließend klar, was sich genau am 1. September ändern wird. „Schon jetzt ist allerdings abzusehen, dass sich die Bearbeitungszeit verlängert und es weniger Flexibilität bei der Beantragung geben wird“, sagt die Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Peking, Alexandra Voss. Statt acht soll es zwölf Kategorien für Visa geben. Aber etliche Details sind noch vage formuliert. So sollen Ausländer für ihre Aufenthaltsgenehmigung Fingerabdrücke und „weitere biometrische Daten“ abgeben müssen. Was mit diesen weiteren Daten gemeint ist, wird nicht näher erläutert. Zudem werden die Strafen für Verstöße erhöht. Für falsche Angabe beim Visumsantrag drohen bis zu 15 Tage Gefängnis.

Keiner will zuständig sein
Auf Nachfrage fühlt sich Chinas Staatsrat nicht dafür zuständig, wie die Regeln konkret ausgelegt werden und verweist auf das Außenministerium. Aber auch dort weisen die Mitarbeiter die Zuständigkeit von sich. Das Amt für Ein- und Ausreise müsse mit den Details vertraut sein, entgegnet ein Mitarbeiter. Bei dem Amt sieht man sich nicht in der Lage direkt zu antworten und fordert eine schriftliche Anfrage per Fax. Eine Reaktion gibt es zunächst jedoch auch nicht.

Bislang habe seine Agentur noch mit Einladungsschreiben für Geschäftsvisa helfen können, sagt ein Mitarbeiter der Hongkonger Japan Travel Agency. „Das ist vorbei.“ Trotzdem rechnet er langfristig mit keinen dramatischen Auswirkungen für sein Geschäft.

Ein Mitarbeiter eines Maschinenbauers sitzt in einem Hongkonger Restaurant und trinkt ein Bier. Eigentlich sollte er auf einer Anlage eines großen deutschen Autobauers arbeiten. Ein halbes Jahr sollte sein Visum gültig sein. Plötzlich hieß es jedoch, dass er nur maximal für 60 Tage in China bleiben dürfe, und auch die Ausstellung länger dauere. „Uns war nicht bekannt, dass sich die Regeln bereits geändert haben“, sagt er. Wenige Tage später ist er zwar in China, allerdings nur mit einem Visum für 14 Tage. Man habe ihm nur erklärt, die Ausstellung von Geschäftsvisa sei derzeit ein Problem.

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