Management Flexibel arbeiten

Sandra Warg wollte nicht mehr warten. Sechs Monate nach der Geburt ihres Kindes bat sie ihren Arbeitgeber, das Telekommunikationsunternehmen Envia Tel, wieder einsteigen zu dürfen, aber nur vier Stunden am Tag und bitte von zu Hause aus.

„Das war neu, da musste ich erst mal für Akzeptanz kämpfen“, erinnert sie sich. Heute, neun Jahre später, ist es bei Envia Tel normal, dass viele Kollegen arbeiten, wann und wo es ihnen am besten passt. Und die Produktentwicklerin ist nach der Geburt ihres zweiten Sohnes schon nach acht Wochen wieder eingestiegen, mit zwei Stunden täglich, wenn der Kleine geschlafen hat. „Ich habe hier viel mehr Ruhe, es steht nicht wie im Büro ständig jemand in der Tür und will etwas.“

Arbeitszeit und -ort sind die wohl wichtigsten Stellschrauben, über die Chefs dem Lebensrhythmus ihrer Angestellten entgegenkommen können. Laut einer Studie der Telekomfirma Avaya sagen 72 Prozent der deutschen Arbeitnehmer, dass flexible Arbeitszeiten zufriedener machen. Berater von Steria Mummert haben errechnet, dass mobile Arbeitsplätze die Produktivität um 25 Prozent und die Zufriedenheit um 15 bis 25 Prozent steigern.

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Grenzen für die Flexibilisierung setzt das Arbeitsschutzgesetz: Die vorgeschriebene Ruhezeit von elf Stunden darf auch nicht durch nächtliches Mailschreiben unterbrochen werden. Chefs können das natürlich nicht immer kontrollieren, deshalb müssen sie mit Mitarbeitern im Home-Office Regelungen vereinbaren. Ansonsten riskieren sie, dass Versicherungen bei Unfällen oder Schadensfällen nicht zahlen. Der Arbeitgeber muss auch dafür sorgen, dass Heimarbeitsplätze sicher sind. Bei Warg schaute deshalb einmal der Vorgesetzte zu Hause vorbei, bevor sie loslegen durfte.

Dass flexible Arbeitsmodelle nicht immer zu kürzeren Arbeitszeiten führen, zeigt das Beispiel des Laserherstellers Trumpf: Dort können Mitarbeiter alle zwei Jahre frei entscheiden, ob sie ihre Arbeitszeit erhöhen oder verringern möchten, im Korridor von 15 bis 43,5 Stunden pro Woche ist alles möglich. Die allermeisten, heißt es bei Trumpf, entschieden sich dafür, freiwillig länger zu arbeiten.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 07/2012.

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