Management Franchise-Gründer: Unternehmer unter Aufsicht

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Frank Michael Havemann in seinem Restaurant "Freshsub"

Frank Michael Havemann in seinem Restaurant "Freshsub"© Achim Multhaupt für impulse

Franchisenehmer machen sich mit einem erprobten Geschäftsmodell selbständig, das bringt ihnen viele Vorteile. Im Gegenzug müssen die Gründer jedoch zu Kompromissen bereit sein.

In einem Alter, in dem viele auf die Rente hinarbeiten, hat Frank Michael Havemann noch mal ganz neu angefangen. Nach 40 Jahren in der Logistikbranche war für den heute 57 Jahre alten Manager Schluss – nicht nur beim alten Arbeitgeber, sondern auch mit der Logistik. Havemann verkauft jetzt Sandwiches und beschäftigt mehrere Mitarbeiter. Er hat als Franchisenehmer den großen Sprung vom Branchenfremden zum Unternehmer gewagt.

Seine belegten Baguette-Brote verkauft Havemann unter der Marke Freshsub, einem jungen System aus Karlsruhe. Von der Freshsub Zentrale hat Havemann in mehreren Schulungen gelernt, wie er ein Restaurant führt: Baguettes belegen, Waren bestellen oder Lieferanten auswählen beispielsweise. Havemann hat dafür einmalig 15 000 Euro Lizenzgebühr bezahlt und gibt monatlich 6 Prozent seines Nettoumsatzes als Franchisegebühr ab, plus ein weiteres Prozent für Werbung.

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Das Franchise-Prinzip zahlt sich für viele Gründer aus. Von 100 Individualgründern überstehen einer Studie des Internationalen Centrums für Franchising und Cooperation zufolge 68 die ersten drei Jahre. Von 100 Franchisenehmern gibt es dagegen nach drei Jahren noch 83. Franchisegründer kaufen mit der Lizenz zwar keine Erfolgsgarantie, aber ein gutes Stück Sicherheit und wichtiges unternehmerisches Wissen – wenn das System seriös ist.

Franchise ist überall

Franchisesysteme sind in verschiedenen Branchenfeldern erfolgreich. Besonders viele Konzepte bieten Dienstleistungen an. „Vielen Systemen gelingt es, Dienstleistungen in hoher Qualität zu konservieren und von der Person zu lösen“, sagt Franchise-Berater Reinhard Wingral. Er zählt dazu beispielsweise Nachhilfeinstitute, Autovermietungen aber auch Reisebüros, denen es gelingt, eine Marke aufzubauen, der die Kunden vertrauen. Auch in der Fitness- und Gesundheitsbranche sieht Wingral viel Wachstumspotenzial für Franchise-Konzepte, genauso wie der Systemgastronomie und klassischen Handwerkerdienstleistungen. Wenn sie sich nach einem passenden System umschauen, sollen Gründer sich ruhig mal auf ihr Bauchgefühl verlassen, um kurzlebige Moden zu enttarnen: „Man sollte sich immer fragen, ob man das wirklich braucht, ob man das Produkt oder die Dienstleistung vermisst hat.“

Wenn es gut läuft, profitieren sowohl die Zentrale als auch der Franchisenehmer von der Zusammenarbeit: Der Gründer minimiert sein Risiko, weil er mit einem erprobten Geschäftsmodell und einer bekannten Marke startet. Im Gegenzug kann das Geberunternehmen mit den Franchise-Nehmern schnell wachsen und von seiner Nähe zu den Kunden profitieren.

Dafür geben Franchise-Gründer aber einen Teil ihrer Eigenständigkeit auf: Bei vielen Entscheidungen will die Zentrale mitreden. Kurzfristige Änderungen sind nicht drin, weil Alleingänge einzelner Filialen der Marke schaden können. Und auch, auch weil sie die Finanzplanung des Franchisenehmers durcheinander bringen können. „Zu viel Kreativität auf Seiten der Franchise-Partner führt in den allermeisten Fällen zu einer Verlangsamung der Entwicklung“, sagt Andreas Funk, Betriebsleiter und Prokuristen bei Rainbow International. Die Franchisenehmer des Systems sanieren Brand- und Wasserschäden. Im Durchschnitt erreichen sie den Break-Even nach acht Monaten. Das gelingt nur wenigen Individualgründern.

 

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