Management Friseurbesuch wird teurer – Schwarzarbeit boomt, Nachwuchs fehlt

In der Friseurbranche gilt künftig ein Mindestlohn

In der Friseurbranche gilt künftig ein Mindestlohn© Kzenon - Fotolia.com

Vor Kurzem hat die Friseurbranche einen Mindestlohn eingeführt. Jetzt müssen sich Kunden auf höhere Preise einstellen. Doch die seien bei den Ausgaben zurückhaltend, beklagen Verbandsvertreter. Auch der Nachwuchsmangel bereitet der Branche Sorgen.

Für den Friseurbesuch müssen die Kunden nach Einschätzung der Branche künftig tiefer in die Tasche greifen. Wieviel mehr künftig fürs Schneiden, Waschen, Färben und Fönen fällig wird, ließ Rainer Röhr, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des deutschen Friseurhandwerks, am Montag in Bad Homburg offen. Es müsse den Kunden vermittelt werden, dass persönliche Dienstleistungen ihren Preis hätten – das Bewusstsein dafür sei aber nicht sehr entwickelt:

„Wenn es um den eigenen Kopf geht, gibt es viel Zurückhaltung.“ Durchschnittlich 40 bis 45 Euro zahle ein Kunde pro Friseurbesuch – Frauen lassen sich die Verschönerung demnach rund 42 Euro kosten, Männer im Schnitt 16 Euro.

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Vor allem im Osten steigen die Löhne

Preiserhöhungen seien zwangsläufig, sagte Franz-Josef Küveler, Art Director des Verbandes. Eben erst hat der Zentralverband mit der Gewerkschaft Verdi einen Mindestlohn für die rund 261.000 Beschäftigten vereinbart. Er liegt vor allem im Osten Deutschlands deutlich über den aktuellen Löhnen und soll in Stufen bis 2015 auf bundesweit einheitlich 8,50 Euro steigen. Im Osten werde derzeit mancherorts weniger als vier Euro Stundenlohn gezahlt – der Mindestlohn bedeute eine Riesenbelastung für diese Betriebe, sagte Küveler.

Nun müsse der Zentralverband auch andere in der Branche zum Mitmachen bewegen, „sonst geht der ruinöse Wettbewerb weiter“, sagte Verdi-Sprecherin Christiane Scheller. Zwei der großen Ketten seien inzwischen im Boot, so Verbandsfunktionär Röhr.

Schwarzarbeit und Nachwuchsmangel

Die Branche beklagt zudem zunehmende Schwarzarbeit und Nachwuchsmangel: Schwarzarbeit habe einen Umfang von schätzungsweise 20 Prozent des legalen Branchenumsatzes, sagte Röhr. Die knapp 80.000 in die Handwerksrolle eingetragenen Betriebe hätten 2011 einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro erzielt, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 2,0 Prozent. 2012 habe sich diese Entwicklung fortgesetzt. Genaue Zahlen nannte der Verband jedoch nicht.

Nachwuchsmangel sei der Hauptgrund für die Vereinbarung über einen Mindestlohn, sagte Röhr. Rund 12.000 junge Menschen hätten 2012 eine Ausbildung begonnen, 4,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Um den Beruf attraktiver zu machen, soll es künftig mehr Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten geben, etwa zu Salonmanagern.

1 Kommentar
  • Frank Düren 7. Mai 2013 15:06

    Wenn man einem künstlerischen Handwerksberuf über Jahrzehnte ein billiges, dummes Schmuddelimage verpasst, muss man sich nicht wundern, wenn ein/e angestellte/r Friseur/in auf Mindestlöhne angewiesen ist, um existieren zu können.

    In England kann ein gelernter Friseur seine Miete und sein Leben selbst finanzieren. Bei uns geht das nur als Ergänzungsgehalt in einer Partnerschaft.
    Wilkommen in der Schwarzarbeit am Abend nach der Arbeit.

    Alles steht und fällt mit der guten qualität der Handwerkskunst. Die guten können auch mehr verlangen und finden Auszubildende.

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