Management Kolumbien – „Geht etwas schief, ist niemand schuld“

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Spaß an deutschen Sitten: Gäste eines Oktoberfests in Bogotá, Kolumbien

Spaß an deutschen Sitten: Gäste eines Oktoberfests in Bogotá, Kolumbien© Cámara de Industria y Comercio Colombo-Alemana

Kolumbiens Wirtschaft ist im Aufschwung. Nicht nur die Autoindustrie und Bauwirtschaft wachsen kräftig. Impulse hat die Deutsch-Kolumbianische Industrie- und Handelskammer gefragt, welche Chancen das Land bietet und was den Deutschen vor Ort zu schaffen macht.

Welche Branchen sind bei Ihnen im Land im Aufschwung?

Thomas Voigt, Deutsch-Kolumbianische Industrie- und Handelskammer: Besonders stark entwickeln sich die Erdölindustrie und der Bergbau, hier besonders der Steinkohle-Bergbau. Die positive Entwicklung hier beeinflusst ganz wesentlich das Wirtschaftswachstum insgesamt. Deutliches Wachstum haben aber auch die Automobilbranche, der Sektor der traditionellen und erneuerbaren Energie, die Bauwirtschaft und der gesamte Bereich der Infrastruktur.

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Welche Produkte oder Dienstleistungen sind besonders gefragt?

Mit dem Wirtschaftswachstum entwickelt sich in den großen Städten Kolumbiens ein breiter Mittelstand. Der wiederum erwartet und bezahlt für typisch mittelständische Bedürfnisse: Sämtliche Finanzdienstleistungen entwickeln sich rasant. Auch Tourismus und damit zusammenhängende Leistungen wie Hotels, Infrastruktur, Restaurants, Transport und hochwertiger Einzelhandel werden überdurchschnittlich gefragt.

Was sagt man bei Ihnen im Land über die Deutschen?

Im Geschäftsleben sind die Deutschen sehr geschätzt. Sie gelten als zuverlässig, vertragstreu, ehrlich, seriös, verantwortungsbewusst. Im „normalen“ Leben werden darüber hinaus auch die Zuverlässigkeit und Qualität der deutschen Produkte und Dienstleistungen geschätzt. Wir Deutschen gelten als nicht so emotional und spontan. Aber hat man mal einen deutschen (Geschäfts-)Freund, hat man einen Freund fürs Leben.

Welche kulturellen Unterschiede machen den Deutschen zu schaffen?

Zusagen und Vereinbarungen werden etwas flexibler eingehalten, als wir das kennen. Ungern wird zugegeben, dass man etwas nicht weiß oder kann oder möchte. Das hindert oft nicht daran, mit Engagement über das Thema zu reden. Das Konzept, Verantwortung für sich und für sein Team zu übernehmen, ist nicht ausgeprägt. Geht etwas schief, muss erst geklärt werden, dass niemand schuld ist, ehe man an die Korrektur gehen kann.

Welche Hürden gibt es bei der Unternehmensgründung?

Die reine Unternehmensgründung als Verwaltungsakt ist einfach, schnell und unkompliziert. Unterschiede werden für Inländer und Ausländer praktisch nicht gemacht. Mit Bürokratie umzugehen kann manchmal nervig sein – aber das kennen wir auch aus anderen Ländern. Sinnvoll ist es hier, sich mit seinem lokalen Geschäftpartner, mit der Handelskammer oder seinen Beratern eng abzustimmen.

 

Thomas Voigt ist Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Kolumbianischen Industrie- und Handelskammer. Erreichbar ist die Kammer in Bogotá über ihre Homepage www.ahk-colombia.com.

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