Management Gut abgeschaut ist halb gewonnen

Ein Einfall ist nicht nur dann gut, wenn man ihn als Erster hatte. Historische Beispiele analoger Ideen - vom Fließband bis zum Poliermittel.

Antiblockiersystem

ABS. Diese drei Buchstaben gehören heute so selbstverständlich zu einem Auto dazu, dass man schnell vergisst, wie nützlich sie doch sind. Noch in den 90er-Jahren krachte es immer wieder auf deutschen Straßen, weil bei einer Vollbremsung das Lenkrad blockierte, unerwarteten Hindernissen konnte dabei nicht ausgewichen werden. Seit 2004 ist das Antiblockiersystem Pflicht in allen Autos. In Deutschland erstmalig eingebaut wurde es 1978 als Sonderausstattung in eine Mercedes S-Klasse.

Anzeige

Doch das ABS wurde ursprünglich nicht für Autos entwickelt, sondern für Flugzeuge. Dort waren die Probleme dringlicher – und gefährlicher. Anfang des 20. Jahrhunderts kam es bei den Landungen durch die hohen Ausrollgeschwindigkeiten immer wieder zu brenzligen Situationen, die Piloten hatten beim Bremsen oft Probleme, ihr Flugzeug in der Spur zu halten. Um die Landung sicherer zu machen, entwickelte bereits 1920 der Franzose Gabriel Voisin ein hydraulisch funktionierendes System. In der Folge wurde das ABS für Flugzeuge immer weiter entwickelt. Zwar sicherte sich das deutsche Unternehmen Bosch bereits 1936 ein Patent für ein Antiblockiersystem für Pkw, die ersten tauglichen Einbauten gab es jedoch erst über 40 Jahre später. Bis dahin konnten sich die Ingenieure so einiges aus der Luftfahrt abschauen.

Medizinische Diagnostik

Was nützt die beste Waffe, wenn man das Ziel nicht trifft? Aus diesem Grund machen sich die Militärs dieser Welt seit langer Zeit Gedanken, wie man die automatische Zielerfassung optimieren kann. Wie trifft man den Feind, auch wenn sich dieser gut getarnt hat oder es draußen dunkel und neblig ist? Technisch funktioniert das zum Beispiel über Infrarot- und Wärmebildkameras, vor allem aber über eine hochkomplexe Erkennung bestimmter Muster. So kann das System in einem Kampfjet automatisch erfassen, ob es sich in großer Entfernung um einen Panzer oder nur um einen Linienbus handelt.

Die Medizin hatte zum Teil ähnliche Probleme. Auch die Früherkennung von Krankheiten wie Brustkrebs funktioniert über die Analyse bestimm-ter Muster. Solche Muster aber rechtzeitig zu erkennen ist nicht so einfach. Die Mediziner bedienten sich deshalb beim Wissen der Militärs. In den USA wurde dies sogar staatlich gefördert, dort wurde in den 90er-Jahren eine Projektgruppe eingerichtet mit dem Titel „Tanks to Tumors“ („von Panzern zu Tumoren“). Beteiligt waren Industrie, Universitäten und natürlich das Pentagon. So gelang es, militärisches Wissen in die Medizintechnik zu übertragen.

Fließbandtechnik

Im Grunde genommen haben tote Schweine Henry Ford zum Milliardär gemacht. Der legendäre Unternehmer sorgte zwar für eine industrielle Revolution, als er 1913 erstmals Autos am Fließband bauen ließ. Doch dass man am Band ziemlich zügig arbeiten kann, wurde bereits 1862 in einem Schlachthaus in Cincinnati entdeckt – nur genau umgekehrt. Während bei Ford später Dinge zusammengebaut wurden (an sogenannten „assembly lines“), wurden sie in den Schlachtereien zerlegt („disassembly lines“). Perfektioniert wurde dieses Prinzip im ausgehenden 19. Jahrhundert in den Union Stock Yards von Chicago, der damals größten Fleischfabrik der Welt.

An einer rund laufenden Kette hingen dort die Schweine und Rinder an einem Haken. Jeder Schlachter hatte seine spezielle Aufgabe: Einer trennte den Kopf ab, der nächste schnitt die Innereien heraus, ein anderer nahm sich die Schenkel vor. Während gewöhnliche Schlachter für ein Rind acht Stunden brauchten, wurden die Tiere am Fließband in 15 Minuten zerlegt. Der Unternehmer Ford adaptierte das Prinzip der Schlachthöfe letztlich nur und passte es an seine Bedürfnisse an.

Das Fließband eröffnete Ford ganz neue Möglichkeiten des Wirtschaftens. Durch die überschaubare Tätigkeit am Fließband konnte er auch ungelernte Kräfte beschäftigen, die er im Akkord arbeiten ließ. Den Preis für sein 3Modell T konnte er auf diese Weise halbieren.

Poliermittel

Was haben Zahnpasta und Autopolitur gemeinsam? Die Antwort liegt nah, beide Produkte sollen für glänzende Sauberkeit sorgen. Zahnpasta gibt es jedoch schon bedeutend länger, sie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt und ihre Wirkweise stetig verbessert. Erst als ein Chemiker Anfang der 1980er-Jahre von einer Fabrik für Zahnpasta in die Branche für Autopflegemittel wechselte, schwappten auch die Ideen von der einen in die andere Branche über.

Das Prinzip ist simpel: Zahnpasta enthält in ihrer chemischen Zusammensetzung viele Scheuersteinchen, die die Zähne reinigen. Damit der Zahnschmelz nicht mit weggeschrubbt wird, sind diese Partikel winzig klein, mit noch kleineren Kanten. Was einem Zahn der Zahnschmelz ist, ist für ein Auto der Lack. Kratzer sind hier ebenfalls nicht gern gesehen. Deshalb lag es nahe, das Prinzip der Zahnpasta auf Poliermittel für Autos zu übertragen. Mittlerweile werden beide Mittel auch in einem Atemzug genannt: Bei der Reinigung von zerkratzten CDs gelten Zahnpasta und Autopolitur inzwischen als bewährte Hausmittel.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...