Management Hartes Erwachen nach dem Uni-Ausstieg

Eigentlich studiert Philipp Herkelmann Politikwissenschaft. Doch seit ein paar Monaten hat der Student aus Friedrichshafen nur noch eines im Kopf: sein Startup GiftMe. Selbst seine Professoren hat er eingespannt.

Zwischen Ihrer ersten Idee, eine Website für Gruppengeschenke auf Facebook zu starten, und der Unternehmensgründung lagen nur wenige Wochen. Wie haben Sie das gemacht?

Im Internet muss man schnell sein. Wir haben uns den Markt angeschaut, da gab es noch nichts Vergleichbares. Uns war klar: Social Commerce ist ein Trend, der richtig heiß wird.

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Wie kamen Sie auf die Idee?

Meine Freundin hatte Geburtstag, Freunde versuchten, ein Gruppengeschenk zu organisieren. So etwas ist immer extrem umständlich: ein reales Problem also, das sich – so unsere Idee – über eine Plattform wie Facebook sehr viel einfacher lösen ließe. Fünf Minuten später stand der Name fest: GiftMe.

Sie haben sich dafür zu dritt zusammengetan.

Ja, ich selbst studiere Politikwissenschaft. Mein Partner Daniel Garcia bringt als Elektroingenieur IT-Erfahrung mit. Er hat während der Fußballweltmeisterschaft eine Smartphone-Applikation für das Krakenorakel programmiert – und sich damit etwas Geld verdient. Und Max Weiß, der dritte Gründer, ist Wirtschaftswissenschaftler. Er ist unser Zahlenmensch.

Wer hat Sie bei der Gründung unterstützt?

In der Uni hatten wir einiges gelernt, was uns half: über Rechnungslegungspflichten etwa oder unlauteren Wettbewerb. Wir wussten, wie man eine Wort-Bild-Marke anmeldet und dass sich unsere eigentliche Geschäftsidee gar nicht schützen lässt. Wir mussten uns also in vielen Feldern nicht verkämpfen und konnten so Zeit sparen. Wir kannten auch die Rechtsformen, selbst die Unternehmergesellschaft, die ja noch nicht so bekannt ist, aber gut zu unserem Projekt passte. Als wir den Finanzplan machten, baten wir unsere Professoren drüberzuschauen. Und wir haben uns mit Innovationstheorien beschäftigt.

Hat sich das ausgezahlt?

Nein, das war ein Moment des Erwachens für uns und ziemlich hart. Im Markt zählt nicht, ob hinter einem Geschäftsmodell eine wissenschaftliche Theorie steht. Da zählen vor allem zwei Dinge: das Produkt und der Kundennutzen. Alles Weitere, selbst der Finanzplan, kommt später.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

Die Betaversion haben wir im Mai gelauncht, jetzt holen wir Feedback ein und programmieren die Endversion. Das StartUpBootCamp ermöglicht uns, das Projekt drei Monate lang in Spanien voranzubringen, mit täglichem Coaching. Bis September wollen wir einen Proof of Concept haben, weitere Entwickler einstellen – und nebenbei das Studium fertig machen.

Wie wollen Sie das schaffen?

Kein Problem. Wenn man ein Unternehmen gründet, lernt man, sehr effizient zu arbeiten. Das wird uns auch bei den Prüfungen helfen. Im Dezember ist es so weit.

Mit der Plattform GiftMe will der Student und Gründer Philipp Herkelmann, 24, Gruppengeschenke auf Facebook ermöglichen
Interview: Nikolaus Förster

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