Anzeige Hochwasser: „Man kann sich nicht 100-prozentig absichern“

Die Fossil-Mitarbeiter schauen zur Zeit direkt auf die überschwemmte A8 bei Grabenstätt.

Die Fossil-Mitarbeiter schauen zur Zeit direkt auf die überschwemmte A8 bei Grabenstätt. © Fossil

Süd- und Ostdeutschland leiden unter extremem Hochwasser, die Schäden sind noch nicht abzuschätzen. Gerade für kleine Unternehmen können sie existenzbedrohend sein. Was tun, damit Überschwemmungen nicht in der Pleite enden?

Zwei Termine musste Volker Hericks absagen, weil die betroffenen Betriebe bereits unter Wasser stehen und es zu gefährlich wäre, die Firmengelände zu betreten. „Im Prinzip kann man jetzt nicht mehr viel machen. Das Wasser sucht sich nun seinen Weg“, sagt er. Als Risikomanager schätzt Hericks für die Gothaer Versicherung ab, wie hoch die Gefahr eines Unternehmens ist, von einer Katastrophe ereilt zu werden – normalerweise lange bevor sie eintritt. Nun ist er im Überschwemmungsgebiet rund um die sächsische Stadt Grimma unterwegs, um die weiteren Risiken von Firmen abzuschätzen.

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Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft weist für die Region die höchste der vier Hochwassergefährdungsstufen aus: Statistisch gesehen gibt es dort öfter als einmal alle zehn Jahre Hochwasser. Regionen der niedrigsten Stufe hingegen werden laut Statistik nur alle 200 Jahre überschwemmt. Von der Gefährdungsstufe der Region hängt ab, wie hoch die Versicherungspolice für die Elementarschadenversicherung ausfällt. Die muss extra abgeschlossen werden, denn die normale Gebäudeversicherung deckt Hochwasserschäden nicht ab.

Je nach Gefährdungsstufe verlangen die Versicherer bestimmt Vorsichtsmaßnahmen: Einen Alarmplan beispielsweise, der die Zuständigkeit regelt, eine Stellvertreterregelung  oder die Schulung eines Hochwasserbeauftragten. „Eine vollständige Risikoanalyse ist nicht immer notwendig, kann aber verlangt werden“, sagt Hericks. Zu der Analyse gehört beispielsweise die Überlegung, von wo das Wasser kommen könnte, um so Schwachstellen auszumachen. Zur Verstärkung schwacher Stellen gibt es spezielle Elemente, die bei Hochwasser aufgestellt werden können. Das sind Maßanfertigungen, die natürlich nicht erst wenn die Pegel steigen, bestellt werden können.

„Wer entbehrlich ist, sollte Zuhause bleiben“

Wenn das Wasser wie in Grimma oder Passau schon in der Stadt steht, zählt als erstes die Sicherung der Bevölkerung. „Wer entbehrlich ist, sollte Zuhause bleiben“, sagt Kathrin Stolzenburg vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Sie arbeitet im Referat für den Schutz Kritischer Infrastrukturen. Damit der Betrieb nicht vollkommen zusammenbricht, sollten wichtige Mitarbeiter die Möglichkeit haben, von zu Zuhause zu arbeiten. Im Schadensfall müssen natürlich Versicherungen und Kunden so schnell wie möglich informiert werden.

Um den Schaden gering zu halten, lohnen sich darum einige grundsätzliche Überlegungen: „Kein Unternehmen kann heute ohne EDV. Dementsprechend sollte das Rechenzentrum nicht im Keller stehen“, sagt Risikomanager Hericks. „Viele Unternehmen sind schlecht auf Stromausfälle durch Hochwasser vorbereitet“, sagt auch Kathrin Stolzenburg. „Man kann sich nicht 100-prozentig absichern, aber essentielle finanzielle Risiken kann man minimieren.“

Unternehmer sollten drei Schritte durchgehen, wenn sie sich auf Hochwasser vorbereiten:
1. Das eigene Risiko einschätzen: In Hochwasserkarten sind gefährdete Gebiete eingezeichnet und auch die Behörden können meist weiterhelfen.
2. Überlegen, welche organisatorischen und technischen Maßnahmen im Betrieb vorgenommen werden können, um diese dann im
3. Schritt umzusetzen.
„Die Maßnahmen kosten nicht immer Geld“, sagt Stolzenburg. Einen Alarmplan mit aktuellen Telefonnummern beispielsweise kann man schnell schreiben und im Notfall nutzt er viel. Außerdem lohne es sich, die Verträge mit Lieferanten sowie die eigenen Lieferverträge durchzugehen. Ist der Energielieferant verpflichtet zu liefern, oder gibt es Ausnahmeregelungen für Katastrophen? Davon hängt nämlich ab, wer später für Ausfälle zahlen muss.

Hilfreiche Links:

Schutz Kritischer Infrastrukturen – Risiko- und Krisenmanagement. Leitfaden für Unternehmen und Behörden

Praxis im Bevölkerungsschutz: Abschätzung der Verwundbarkeit gegenüber Hochwasserereignissen auf kommunaler Ebene

Leitfaden Notstromversorgung

Krisenhandbuch Stromausfall

Hochwasserschutzfibel vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtenwicklung

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