Management Österreich: 996 von 1000 Unternehmen sind mittelständisch

René Siegl ist Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsagentur ABA-Invest in Austria

René Siegl ist Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsagentur ABA-Invest in Austria© René Siegl/ABA-Invest

Österreich gilt für viele Unternehmen als Tor zu Ländern in Osteuropa. Aber auch das Nachbarland selbst bietet zahlreiche Standortvorteile. impulse hat René Siegl, Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsagentur ABA-Invest in Austria, gefragt, welche Branchen boomen und welche Vorteile das Nachbarland gerade auch für deutsche Mittelständler bietet.

 

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impulse: Welche Branchen sind bei Ihnen im Land im Aufschwung?

René Siegl: Zu den wichtigsten kompetitiven Vorteilen des Wirtschaftsstandorts Österreich gehören sicherlich die hohe Produktivität, die flexiblen Arbeitsmarktstrukturen, die Nähe zu Osteuropa sowie Steuervorteile für internationale Investoren. Mit Blick auf den Branchen-Mix sind Life Sciences (Pharmamarkt, Biotechnologie und Medizintechnik) sowie Energie/Umwelttechnik und IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) stark vertreten.

Branchenübergreifend spielen die Themen Technologie, Bildung, Forschung und Infrastruktur eine besonders wichtige Rolle. Deutsche Unternehmen finden in Österreich einen Absatzmarkt mit überdurchschnittlicher Kaufkraft der Konsumenten – beim BIP pro Kopf liegen wir auf Platz 3 der EU27. Deutsche Mittelständler nutzen den Standort Österreich aber auch als „Hub“ in die Märkte in Osteuropa, oder zunehmend auch zur Errichtung von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen.

Welche Produkte oder Dienstleistungen sind besonders gefragt?

Österreich ist, ähnlich wie Deutschland, ein Land mit einer stark mittelständisch geprägten Wirtschaft. 996 von 1.000 Unternehmen, die in Österreich operieren, sind mittelständisch. Vor dem Hintergrund der globalen wirtschaftspolitischen Herausforderungen hat sich Österreich frühzeitig gezielt auf Themen ausgerichtet, die in KMUs an Bedeutung gewinnen. Dies betrifft zum Beispiel die Versorgungssicherheit: Die Sicherstellung der Stromversorgung wird im deutschen Mittelstand als Top-Priorität gesehen. Bei den Energienetzen und der Elektrizitätsverfügbarkeit gehört Österreich zu den Top 3 in Europa. Ebenfalls erleben die Themen Produktivität und Lohnstückkosten einen Bedeutungsgewinn für die Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaftsstandorten. Bei der Arbeitsproduktivität pro Beschäftigten belegt Österreich gemäß EU-Kommission innerhalb der 27 EU-Staaten den dritten Platz. Die Lohnstückkosten stiegen in den vergangenen Jahren deutlich unter EU-Durchschnitt.

Was sagt man bei ihnen im Land über die Deutschen? 

Deutschland und Österreich verbindet eine traditionell enge Beziehung in den Bereichen Kultur, Tourismus und vor allen Dingen auch in der Wirtschaft. Deutschland ist generell der wichtigste Wirtschaftspartner Österreichs und mit einem Gesamtbestand von rund 31 Milliarden Euro der größte Direktinvestor in Österreich. Die deutschen Staatsbürger sind auch die größte Ausländer-Gruppe in Österreich, ihre Anzahl hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Mehr als 8.000 deutsche Unternehmen sind derzeit mit einer eigenen Gesellschaft in Österreich vertreten. Dies allein zeigt eindrucksvoll die wirtschaftliche Vernetzung unserer Länder. Aber auch die kulturelle Nähe ist – nicht nur aufgrund der gemeinsamen Sprache – sehr eng. Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre sind Deutschland und Österreich mit ähnlichen Konjunktur- und Maßnahmenpaketen gegangen. Beide Standorte haben sich, vor allem im Vergleich zu rezessiven Entwicklungen in anderen EU Ländern, als ausgesprochen krisenfest und stabil aufgestellt bewiesen.

Welche kulturellen Unterschiede machen den Deutschen zu schaffen?

Am ehesten wären da der österreichische Dialekt und die kleinen Unterschiede zwischen deutschem und österreichischem Deutsch zu nennen, die hin und wieder für Amüsement sorgen. Aber der Eintritt für deutsche Unternehmen in Österreich ist eigentlich ausgesprochen leicht. Gerade für mittelständische deutsche Unternehmer sind ja Planungs- und Rechtssicherheit, Verlässlichkeit und wirtschaftspolitische Stabilität besonders wichtige Faktoren bei der Standortwahl – und hier punktet Österreich. Klar spielt die hohe Lebensqualität in Österreich eine wichtige Rolle – sowohl für den Tourismus als auch für Standortentscheidungen. Zunehmend werden aber auch die Vorteile Österreichs als Standort für Innovation, Forschung und Entwicklung wahrgenommen. Dies freut uns sehr. Die branchenübergreifenden F&E-Ausgaben in Österreich sind im letzten Jahr auf 8,61 Milliarden Euro gestiegen, dies entspricht einer F&E-Quote von 2,8 Prozent des BIP. Damit gehören wir zu den Spitzenreitern in Europa.

Welche Hürden gibt es bei der Unternehmensgründung?

Unternehmer benötigen valide Informationen für eine erfolgreiche Ansiedlung. ABA-Invest in Austria, die Betriebsansiedlungsgesellschaft der Republik Österreich, ist ein guter Indikator für die Entwicklung von Ansiedlungen in Österreich, da sie für rund 20 Prozent aller Ansiedlungen internationaler Betriebe in Österreich verantwortlich ist. Auf der Website www.investinaustria.at finden Sie Leitfäden zur Gründung einer GmbH beziehungsweise Zweigniederlassung in Österreich, Checklisten für Besprechungen mit Rechtsanwalt und Steuerberater sowie eine Standortdatenbank mit Objekten in Österreich.

 

René Siegl ist Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsagentur ABA-Invest in Austria. Sie gehört dem österreichischen Wirtschaftsministerium und berät Unternehmen kostenlos bei der Standortwahl, in arbeits- und steuerrechtlichen Fragen, hilft bei der Suche nach Kooperationspartnern und unterstützt im Kontakt mit Behörden. Mehr Informationen finden Sie unter http://investinaustria.at

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