Management Marcus Wallenberg: „Ich bin fasziniert von Unternehmern, die bei Null anfangen“

Marcus Wallenberg im Gespräch mit impulse.

Marcus Wallenberg im Gespräch mit impulse.© impulse

Die Familie Wallenberg ist Schwedens einflussreichste Unternehmerdynastie und kontrolliert große Unternehmen wie den Küchengerätehersteller Electrolux. Kinder aus solchen Familien stehen schon früh in der Öffentlichkeit. Marcus Wallenberg kennt das nur zu gut. impulse hat mit ihm über das Zusammenspiel von Familie und Unternehmen gesprochen.

impulse: Die Wallenbergs kontrollieren große Teile der schwedischen Industrie. Was bedeutet es, mit solch einem berühmten Namen groß zu werden? Ist das nicht gerade für Kinder schwierig?

Marcus Wallenberg: Ja, natürlich, das gehört dazu. Ich gehöre zur fünften Generation. Natürlich kriegt man dadurch eine Menge Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Ich erinnere mich, dass ich die meiste Zeit in der Bank verbracht habe.

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Auch, als Sie noch klein waren?

Ja, auch schon als Kind. Mein erstes Praktikum machte ich mit 14 Jahren.

Hat man vor diesem Hintergrund nicht eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Welt?

Anfangs ist man natürlich stark mit der Familie verbunden. Bei mir war es so, dass ich Schweden 1977 verließ und, abgesehen von einem zweijährigen Intermezzo, erst 1993 wieder zurückkehrte. So gewinnt man einen eigenen Blick und lernt das richtige Leben kennen.

Längst gelten Familien nicht mehr als Hort der Stabilität. Wie wirkt sich das auf große Unternehmerfamilien aus?

Ja, klar, Generationsfragen gibt es in jeder Familie. Wir haben uns aber entschlossen, das Vermögen in zahlreiche Stiftungen zu überführen, so dass wir damit kein Problem haben. Die größte Herausforderung liegt vielmehr darin, dafür zu sorgen, dass das Interesse in den Familien nicht nachlässt.

Wie viele Gesellschafter gibt es denn aktuell?

Schwierig zu sagen: Unser Gründer hatte bereits 18 Kinder, rechnen Sie das mal hoch – aber im Ernst: Wenn wir einmal im Jahr zu unserem Familiendinner einladen, kommen zwischen 130 und 140 Menschen zusammen. Man kann niemanden zwingen, sich zu engagieren. Es hängt ja auch davon ab, ob jemand bereit ist, in einem Geschäft, das inzwischen global und 24 Stunden am Tag läuft, mitzumachen. Aktiv sind in meiner Generation nur drei Mitglieder.

Gibt es bei Ihnen dazu formale Regeln?

Nein, die meisten von uns haben zuvor in anderen Firmen praktiziert und waren jahrelang im Ausland. Das ist uns wichtig. Aber formal ist das nicht geregelt.

Halten Sie auch Kontakt zu deutschen Familienunternehmen?

Ja, einige legen ja Wert darauf, dass Familienmitglieder im Unternehmen nicht mitarbeiten dürfen. Bei uns ist das anders. Wir halten uns meist im Hintergrund, beschränken uns in der Regel auf Aufsichtsratsmandate. Nur im Bankengeschäft sind wir operativ tätig. Jede Unternehmerfamilie ist da anders, es gibt nicht den einen richtigen Weg.

Haben Sie als Unternehmer ein Vorbild?

Nein, aber ich bin fasziniert von Unternehmern, die bei Null anfangen, so wie Steve Jobs. Der lebte 100 Prozent seines Lebens für seine Firma. Auch einer unserer Partner aus Hongkong hat seine Firmen aus dem Nichts aufgebaut. Es ist phantastisch, was er geschaffen hat.

Grund genug, auch in Start-ups zu investieren?

Ja, aber nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit. Wir kennen ja die Statistiken, wie viele Gründer Erfolg haben und wie viele scheitern. Deshalb gibt es spezielle Fonds, die in solche Vorhaben investieren. Wir haben aber gerade das Unternehmen Permobil, das Rollstühle herstellt, gekauft. Für uns als Familie ist es wichtig, langfristige Entscheidungen zu treffen.

Gibt es denn einen schwedischen Steve Jobs?
Sicherlich, aber ich habe ihn noch nicht gefunden.

 
 

Die Familie Wallenberg ist Schwedens einflussreichste Unternehmerdynastie. Den Grundstein legte André Oscar Wallenberg, der 1856 die Stockholms Enskilda Bank gründete, aus der die Großbank Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) hervorging. Über Investmentgesellschaften wie der Investor AB kontrolliert die Familie zudem wichtige Industrieunternehmen, wie das Pharmaunternehmern Astra Zeneca, den Mobilfunkanbieter Ericsson, den Haushalts- und Küchengerätehersteller Electrolux, die Fluglinie SAS Scandinavian Airlines oder den Energie- und Automationstechniker ABB. In Deutschland ist die Wallenberg-Gruppe unter anderem am Augenoptik-Geschäft von Carls Zeiss, an Kabel BW und der SAG-Gruppe beteiligt. Die Familie gilt als äußerst verschwiegen. Auf dem St. Gallen Symposium stellte sich Marcus Wallenberg den Fragen von impulse.

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