Management Peter Kulitz: „Ich habe mich zu lange aus der Politik herausgehalten“

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Peter Kulitz

Peter Kulitz© Volker Schrank

Peter Kulitz, 60, geschäftsführender Gesellschafter des Absaugtechnikspezialisten ESTA Apparatebau in Senden bei Ulm, über das Versäumnis, sich in einer politischen Partei zu engagieren.

 

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Dass ich etwas versäumt hatte, wurde mir erst klar, als ich wieder mit Politikern in Berührung kam, mit Leuten wie Günther Oettinger oder Matthias Wissmann, mit denen ich studiert hatte. Obwohl ich mich stets für Politik interessiert habe, bin ich nie in eine Partei ein­ getreten. Ein Fehler, wie ich im Rückblick ein­ räumen muss. Unternehmer sind ohnehin zu unpolitisch. Auch ich habe mich zu lange aus der Politik herausgehalten.

Natürlich kann nicht jeder Abgeordneter werden. Doch wer will, dass sich Rahmenbedingungen verbes­sern und Unternehmern keine Bandagen ange­legt werden, muss sich engagieren – auch in Parteien. Ich bin in einem liberalen Haus auf­ gewachsen. Für uns war stets klar: Der Staat ist für den Bürger da, nicht wir für den Staat. Mein Vater hat mir eingepaukt, mich ja nicht partei­ politisch zu engagieren. Er selbst war nie in einer Partei, auch nicht in der seine Generation prägenden Kriegszeit. „Begib dich in keine Ab­hängigkeiten“, warnte er mich.

Engagiert war er dennoch. Ich erinnere mich gut, wie er in den 60ern Mitbürger in unserer Heimatstadt so mobilisierte, dass eine geplante Autobahn­ zubringertrasse verlegt werden musste; ein für mich lehrreiches Beispiel bürgerschaftlichen Engagements. Ich selbst hielt mich politisch auch im Studium zurück, als APO, RCDS und die Jusos eine große Rolle spielten. Zwar war ich schon damals davon fasziniert, Ideen zu entwickeln, etwas umzusetzen, hatte Spaß an der Meinungsbildung, erwog aber keine parteipolitische Karriere.

Die persönliche Unabhängigkeit war für mich zentral. Heute habe ich über einen anderen Zugang, als Interessen­vertreter der Wirtschaft, die Chance, in Baden­ Württemberg politisch Einfluss zu nehmen: Mit der Legitimität als gewählter IHK­-Präsi­dent und dem Apparat der Kammern kann man einiges bewegen. Neigungen brechen eben im Laufe der Zeit doch durch.

Aufgezeichnet von Nikolaus Förster

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